Das «Wolle-Hus 22» in Reinach macht seinem Namen alle Ehre. Wer das Ladenlokal betritt, hat die Qual der Wahl zwischen unzähligen Woll-Garnen in allen Farben und Formen. Neben dem Strickgarn findet man hier aber auch Material zum Häkeln, Sticken und für allerlei andere Handarbeiten. Sogar eine Auswahl aus dem Calida-Sortiment ist im Ladenlokal zu finden.

Das «Wolle-Hus 22» war während 42 Jahren das Reich von Ruth Hauser. Dieses Jahr verlässt die 71-Jährige ihr Lokal an der Hauptstrasse 22. Die Nummer im Namen leitet sich übrigens von der Hausnummer ab. «Vor 42 Jahren genau um diese Zeit, war ich in der Aufbauphase für den Laden. Am 1. Juli habe ich Eröffnung gefeiert, Ende Juni ist fertig, so schliesst sich der Kreis.»

Vom Hobby zum Beruf

Die gebürtige Aarauerin hat sich mit dem Laden einen Traum erfüllt. Die Ausbildung absolvierte sie bei «Globus» im Verkauf, in ihrer Freizeit hat sie schon früh viel gestrickt und gehäkelt. Freunde und Familie durften sich regelmässig über handgemachte Kleidungsstücke freuen.

Den letzten Anstoss für die Eröffnung eines eigenen Ladens gab der damals 29-Jährigen ihr Ehemann. «Ich half regelmässig einer Kollegin in ihrem Laden in Aarau aus, er sagte mir dann, dass ich den Schritt endlich selbst wagen sollte.» Sie entschied sich für das Wynental, dass dazumal noch kein solches Geschäft hatte. «In Aarau hatte es ja schon eins, daher machte ein Ladenlokal da für mich keinen Sinn. Die Torte ist ja immer gleich gross, die Stücke werden nur kleiner.»

Der Anfang im Wynental gestaltete sich als nicht ganz so einfach. Eine Auswärtige, die einen Laden im Dorf eröffnete, war zu dieser Zeit noch nicht gang und gäbe. Mit den Jahren erarbeitete sich die gelernte Verkäuferin jedoch ihren Ruf und einen soliden Kundenstamm. Ihre Erfahrung gab sie auch gerne weiter. Zwölf Lehrtöchter bildete Ruth Hauser während der Zeit aus. Mit grossem Erfolg: «Meine Lehrtöchter schlossen ihre Ausbildung mit Noten von 5,2 bis 5,9 ab. Ich habe immer darauf geachtet, wen ich ausbilde. Das war ich meinen Kunden schuldig.»

«Stricken ist verloren gegangen»

Die Tradition des Strickens ist Hausers Meinung nach heutzutage ein wenig verloren gegangen. Es werde weniger an den Schulen gelehrt und es gebe dadurch auch immer weniger Frauen und Männer, die noch wüssten, wie man einen Pullover stricke. Das sei schade: «Handarbeit ist auch eine Seelenpflege. Man setzt alle Sinne ein und kann sich so auch entspannen.» So hängt an der Wand in ihrem Laden auch ein Bild mit einem Text über das Stricken. Darin steht unter anderem: «Die rhythmische Tätigkeit entspannt die Finger, beruhigt den Geist und senkt den Blutdruck ...»

Hausers Kundenstamm ist durchschnittlich etwa 45 Jahre alt. Vor vier Jahren habe es einen kurzen Hype um selbst gestrickte Mützen gegeben. Da konnte sich auch die jüngere Generation für das Stricken begeistern. Bei der Handarbeit geblieben sind aber nur wenige. Hauser freute sich aber sowieso immer über jeden handarbeitsbegeisterten Kunden. Egal welchen Alters oder Geschlechts.

Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen hat noch keine genauen Pläne für ihre Pension: «Zuerst einmal mache ich drei Monate lang einfach nichts, dann sehe ich weiter.» Zur Zeit konzentriert sie sich vor allem noch auf den Abverkauf, bis zum 25. Juni sollen so viele Teile wie möglich im Ausverkauf weg. Eine Nachfolge für ihr Geschäft hat sie noch nicht. Am Liebsten wäre ihr jemand, der auch wieder ein Wolle-Hus führen würde. «Es ist zwar nicht einfach, aber es hat trotzdem immer Spass gemacht.»