Bezirksgericht Kulm

Hätte der «Teilzeit-Dieb» nicht gestanden, wäre er nicht verurteilt worden

Das Bezirksgericht verurteilt einen 31-Jährigen wegen mehrfachen gewerbsmässigen Diebstahls. (Symbolbild).

Das Bezirksgericht verurteilt einen 31-Jährigen wegen mehrfachen gewerbsmässigen Diebstahls. (Symbolbild).

Das Bezirksgericht verurteilt einen 31-Jährigen wegen mehrfachen gewerbsmässigen Diebstahls. «Ich weiss, dass ich schuldig bin und dafür bestraft werde», sagte der Angeklagte. Und dafür wurde seine Strafe auch gemildert.

Zehn Diebstähle in neun Monaten soll Matthias (Name von der Redaktion geändert) begangen haben. Um an Bargeld zu kommen, hat er laut Anklageschrift sogar die Spinde seiner Arbeitskollegen demoliert und ist in mehrere Gartenhäuser eingebrochen. Er wurde deshalb unter anderem wegen mehrfachen gewerbsmässigen Diebstahls angeklagt. In dieser Woche stand er vor dem Bezirksgericht Kulm.

Seine Hände waren verschränkt, die Ellbogen stützte Matthias ab. Er hörte aufmerksam zu, quittierte jeden Anklagepunkt, den der Gerichtspräsident verlies, mit dem Satz «Das ist korrekt».

Wie bereits in den polizeilichen Vernehmungen zeigte sich der 31-Jährige an der Verhandlung geständig. «Ich weiss, dass ich schuldig bin und dafür bestraft werde», sagte er. Er habe die Diebstähle aus der Not heraus begangen. «Um zu überleben, auf gut Deutsch.»

Er hatte keine Wohnung

Begonnen hatte alles Ende März 2014. Eine Wohnung hatte Matthias damals nicht. Er wohnte bei Freunden oder auf der Strasse. Nach eigenen Aussagen hatte er sich bereits mehrmals auf dem Sozialamt gemeldet, sei aber nur hin und her geschickt worden.

Geld verdiente er nur zeitweise bei Temporäranstellungen. Als er dann im Treppenhaus in einem Mehrfamilienhaus in Pfeffikon eine unbeaufsichtigte Handtasche entdeckte, witterte er seine Chance und stahl daraus 300 Franken.

Mitte April fand der gelernte Metallbauschlosser eine temporäre Stelle in einer Wynentaler Firma. Nachdem laut Matthias klar war, dass er nicht fest angestellt werden würde, brach er mithilfe eines Schraubenziehers mehrere Garderobenschränke seiner Kollegen auf und entwendete Bargeld, Kreditkarten und andere Unterlagen im Gesamtwert von fast 2 500 Franken.

Bis im November beging Matthias noch acht weitere, meist kleinere Diebstähle. Einmal klaute er einen Laib Brot, ein anderes Mal einige Dosen Bier aus einem Gartenhaus. Ausserdem entwendete er bei einem Kollegen ein Portemonnaie, in dem er eine Maestro-Karte inklusive Code fand. In der Folge hob er damit 1 000 Franken ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass Matthias mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Sein Vorstrafenregister ist lang. Schon mehrmals wurde er wegen Diebstahls, Vergehen gegen das Waffengesetz und Rassendiskriminierung – er beschmierte eine Valiant-Bank mit Hakenkreuzen – angezeigt, sass auch schon im Gefängnis.

Alle Kontakte abgebrochen

«Vorher wurde ich wahrscheinlich einfach mehr kontrolliert», sagte Matthias. Er sei im Heim aufgewachsen. Mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern habe er schon lange keinen Kontakt mehr. 2004 sei sein Sohn im Alter von drei Monaten gestorben. «Da bin ich in ein Loch gefallen.»

Jetzt soll alles anders werden. «Ich habe fast alle Kontakte abgebrochen. Mit der rechtsradikalen Szene habe ich schon lange abgeschlossen. Ich will wieder eine Wohnung, einen Job und eine Familie haben.» Dafür kämpfe er bereits in der Haft. Er habe angefangen, zu arbeiten. «Am Anfang im Hausdienst. Jetzt darf ich schon von Montag bis Samstag in der Küche arbeiten.»

Eine positive Prognose konnte die Vollversammlung des Gerichts dem 31-Jährigen nicht stellen. Seine Vorstrafen fielen negativ ins Gewicht. Ohne sein Geständnis hätte Matthias aber wohl nicht verurteilt werden können, was das Gericht zu einer Strafminderung veranlasste.

Schliesslich wurde Matthias wegen seiner diebischen «Teilzeitarbeit», wie es der Gerichtspräsident ausdrückte, zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Geldstrafe von 300 Franken verurteilt. Er muss ausserdem den Privatklägern den jeweiligen gestohlenen Betrag zurückzahlen.

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