Hirschthal

Grosser Rat bringt die Einzonung der «Neumatte» einen Schritt weiter – trotz Vorbehalten

Bei der Einzonung geht es um 2,48 Hektaren Land zwischen der Suhre und der Suhrentalstrasse.

Bei der Einzonung geht es um 2,48 Hektaren Land zwischen der Suhre und der Suhrentalstrasse.

Der Grosse Rat hat der Einzonung der Hirschthaler «Neumatte» zugestimmt. Im Dezember kommt das Geschäft an die Gemeindeversammlung.

Das Vorgeplänkel in den letzten Monaten hatte Befürchtungen geweckt, es könnte knapp werden. Und dann sagte der Grosse Rat doch überraschend klar Ja zu einer Richtplananpassung, die letztlich die Einzonung von Hirschthaler Landwirtschaftsland in eine Gewerbezone ermöglicht. Der Entscheid fiel mit 107 Ja zu 26 Nein.

Konkret geht es um 2,48 Hektaren zwischen Suhre und Suhrentalstrasse. Hierhin wollen die Firmen Pfiffner Messwandler, Jungheinrich Hubstapler und Meier Gartenbau expandieren. Rund 100 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Der Standort Neumatte befindet sich aber innerhalb eines Siedlungstrenngürtels, deshalb muss vor der geplanten Einzonung eine Richtplananpassung vorgenommen werden. Betroffen sind ebenfalls Fruchtfolgeflächen, die teilweise durch Auszonungen kompensiert werden sollen. Aktuell ist noch ein Verlust von 0,43 Hektaren Fruchtfolgefläche aufgeführt.

FDP hatte Anpassung erst abgelehnt

In der Vernehmlassung gab es einige kritische Stimmen. Unter anderen lehnte die kantonale FDP die Richtplananpassung ab. «Für uns war die Abwägung zwischen den Nutzungsinteressen der ansässigen Gewerbebetriebe gegenüber den Interessen der Umwelt betreffend Siedlungsgestaltung und Fruchtfolgeflächen ungenügend», begründete Präsident Lukas Pfisterer im März im AZ-Interview. An der Grossratssitzung am Dienstag stimmten die Freisinnigen nun grossmehrheitlich zu.

Die Situation habe sich gegenüber der Vernehmlassung verbessert, sagte Hansjörg Wittwer (Grüne). Wie praktisch alle Votanten betonte er, man müsse nun die unterschiedlichen Interessen erneut abwägen: «Ich entscheide aufgrund sozialer und räumlicher Nähe zu Gunsten der Anpassung. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, hier nicht die ganze Grüne Fraktion hinter mir zu wissen.»

«Ein ausserordentlich gutes Zeichen»

Der Hirschthaler Gemeindeammann hätte die Grossratsdebatte eigentlich gerne vor Ort verfolgt – der Rat debattierte dann aber doch zügiger als gedacht und hat das Geschäft noch vor statt nach dem Mittag durchgebracht. Da war Peter Stadler noch in Hirschthal beschäftigt. Nichtsdestotrotz ist er «sehr happy über dieses gewaltige Resultat». Auch eines der Unternehmen, mit dem er kurz nach der Abstimmung Kontakt hatte, habe grosse Zufriedenheit geäussert. «Nach all den Schreckensmeldungen aus der Wirtschaft – man denke nur an die jüngsten Neuigkeiten zur GE in Oberentfelden oder Birr – ist es ein ausserordentlich gutes Zeichen, dass wir hier mindestens hundert neue Arbeitsplätze schaffen dürfen», betont der Ammann.

Als nächstes wird der Gemeinderat nun die Erweiterung der Gewerbezone «Neumatte» im Rahmen der Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung- und Kulturland an die Gemeindeversammlung vom 4. Dezember bringen. Stadler ist zuversichtlich, dass die Stimmbürger Ja sagen werden. «Bisher ist im Dorf kein Widerstand auszumachen. Die grösste Hürde war aus unserer Sicht der Grosse Rat mit seinen unterschiedlichen Ansichten.»

Die Vorlage hat allerdings schon nicht nur Freunde. «Sollte ein Nutzungsplan mit einer Gewerbezone Neumatte vorgelegt werden, wird die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz von ihrem Beschwerderecht Gebrauch machen», hatte die Organisation im Mai mitgeteilt. Pro Natura Aargau hatte im Vorfeld der Grossratsdebatte zu einem Nein aufgerufen.

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