Reinach

«Grosse Spielplätze oder Pärke fehlen»: Zwei Frauen suchen soziale Lücken im Oberwynental

Arbeiten zusammen: Katharina und Peter Hauri (Majoren der Heilsarmee Aargau Süd), Jenny Stadelmann, Mirela Nica (Hochschule Luzern) und Nadine Gazzetta (ebenfalls Heilsarmee, v. l.).

Arbeiten zusammen: Katharina und Peter Hauri (Majoren der Heilsarmee Aargau Süd), Jenny Stadelmann, Mirela Nica (Hochschule Luzern) und Nadine Gazzetta (ebenfalls Heilsarmee, v. l.).

Zwei Studentinnen der Hochschule Luzern führen im Auftrag der Heilsarmee eine Studie im Oberwynental durch – sie wollen wissen welche Bedürfnisse im sozialen Bereiche bestehen.

In den letzten Tagen wurden auf der Burg, in Menziken, Reinach und Leimbach zwei jungen Frauen beobachtet, die Passanten angesprochen und diese befragt haben. Den beiden Frauen ging es aber nicht etwa darum, einen neuen Handyvertrag an den Mann zu bringen oder Geld zu sammeln. Jenny Stadelmann (22) aus Fahrwangen und Mirela Nica (27) aus Emmenbrücke LU erarbeiten eine Studie, die die soziale Situation der Einwohner in Burg, Menziken, Leimbach und Reinach erfasst. Sie wollen von den Passanten wissen, welche Bedürfnisse im sozialen Bereich bestehen oder welche Angebote noch fehlen. «SLOW 2.0»: Nach 2008 wird die zweite Studie über Soziale Lücken im Oberwynental erstellt.

Der Neubau als Auslöser

Veranlasst wurde die Datenerhebung, wie schon vor zehn Jahren, von der Heilsarmee Aargau Süd. Gleichzeitig ist es auch den Studentinnen der Hochschule Luzern aufgefallen, dass es nach rund einer Dekade wieder an der Zeit ist, die veränderten Lebensformen und Bedürfnisse im Oberwynental zu erfassen. «Das hat perfekt gepasst», sagt Peter Hauri, Major und Korpsoffizier der Heilsarmee Aargau Süd. Hauri und seine Frau Katharina führen nun seit einem Jahr die Heilsarmee in Reinach. «Als Neuankömmlinge, die auch noch ein grosses Neubauprojekt betreuen, wurde es uns schnell klar, dass wir den Kontext im oberen Wynental nochmals neu anschauen wollen», so Hauri. Dies auch, um die Nutzung und das Angebot des Neubaus zu optimieren.

Die Heilsarmee plant einen grossen Neubau an der Wiesenstrasse in Reinach. Nach der Fertigstellung des Gebäudes werden erstmals in der Schweiz alle Bereiche der Heilsarmee (Kirche, Soziale Arbeit, Brockenstube) unter einem Dach vereint sein. Grundsteinlegung für das 7,5-Millionen-Projekt ist am 17. August. Voraussichtlich im Oktober 2019 sollen die neuen Räumlichkeiten bezugsbereit sein.

Grosse Spielplätze fehlen

Die Resultate der ersten SLOW-Studie – sie erfolgte unter Hauris Vorgängern in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Luzern, Soziale Arbeit – hat die Arbeit der Heilsarmee im sozialen Bereich in die heutigen Bahnen gelenkt. So wurde die Lebensmittelabgabe initiiert, eine Notschlafstelle geschaffen oder das betreute Wohnen eingeführt.

Die heutige Studie wird seitens der Heilsarmee von der Sozialarbeiterin Nadine Gazzetta betreut. Die beiden Studentinnen der Hochschule Luzern haben bereits mit zahlreichen Menschen in den vier Dörfern gesprochen – obwohl es nicht ganz einfach war, die Passanten davon zu überzeugen, dass sie nichts verkaufen wollen. Dabei bekamen Stadelmann und Nica eine erste Idee davon, was die Oberwynentaler Bevölkerung beschäftigt.

«Der Wohnungsbau, die vielen leerstehenden Wohnungen und die Abwanderung von Jungen ist ein Thema», so Mirela Nica. Zudem würden Jugendliche Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung vermissen. «Wenn sie etwas unternehmen wollen, gehen sie nach Aarau», sagt Nica. Jenny Stadelmann ergänzt: «Wir haben auch ein paar Mal gehört, dass Familien mit Kindern grosse Spielplätze oder Pärke fehlen.» Statt dem Verbauen freier Flächen, wünschten sich diese, dass Grünflächen geschaffen würden. Die beiden Frauen sind heute noch den ganzen Tag in den Dörfern unterwegs, um die Oberwynentaler zu befragen.

Um repräsentative Resultate zu erhalten werden sie Ende Juli nochmals in die Region kommen. Vielleicht kann sich dann noch die eine oder der andere für die Umfrage erwärmen.

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