Kölliken
Grillieren und schlafen an senkrechter Felswand

Mitte August reiste der 19-jährige Simon Zuberbühler aus Kölliken im Rahmen einer Expedition der Organisation Pangaea für vier Wochen nach Kanada. Nach seiner Rückkehr erzählt er von seinen Erlebnissen.

Fabio Baranzini
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Klettern in Steilwand über dem Meer. Fotos: Dmitry Sharomov

Klettern in Steilwand über dem Meer. Fotos: Dmitry Sharomov

Unterwegs in den schier unendlichen Weiten der fünftgrössten Insel der Welt, immer umgeben von Wasser, Gletschern und steilen Felswänden und nur selten in Kontakt mit anderen Menschen. So könnte man die vierwöchige Expedition auf Baffin Island unter der Leitung von Extremsportler und Pangaea-Gründer Mike Horn zusammenfassen.

Das Abenteuer hat für Simon Zuberbühler aber nicht erst im August begonnen. Bereits im Juni nahm der Schüler der Neuen Kanti Aarau an einem Vorbereitungscamp der Organisation Pangaea teil, bei dem er gemeinsam mit sieben weiteren Jugendlichen für die Kanada-Expedition ausgesucht wurde.

Nach Eisbergen Ausschau halten

Am 14. August reisten die Jugendlichen gemeinsam mit zwölf Experten von Pangaea nach Clyde River, ein 800-Seelen-Dorf auf Baffin Island, das sich etwa auf der Höhe des nördlichen Polarkreises befindet. Bereits am ersten Expeditionstag wartete ein Highlight auf die 20 Abenteurer. «Kurz nachdem wir losgesegelt waren, schwamm ein Eisbär direkt neben unserem Schiff. Es war sehr speziell, ein solches Tier in freier Wildbahn zu sehen», so Zuberbühler.

Die Gruppe war während der ganzen Expedition fast ausschliesslich mit dem Segelschiff unterwegs, denn auf Baffin Island gibt es keine Strassen. Man müsse entweder mit dem Schiff unterwegs sein oder fliegen, erklärt der Kölliker. Auf den knapp 1000 Seemeilen, welche die Teilnehmer zurücklegten, erlebten sie einiges. «Einmal kamen wir in einen heftigen Sturm. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 50 Knoten und die Wellen schlugen übers Boot», erzählt Zuberbühler. Der 19-Jährige wurde während der Segeletappen auch für die Wache eingesetzt. Dabei musste er dafür sorgen, dass das Schiff auf Kurs blieb und dass keine Eisberge ihre Route kreuzten.

Rauchen, Alkohol und Inzest

Nach einem längeren Ausflug in den nördlichen Teil der Insel kehrte die Gruppe wieder nach Clyde River zurück. Den dort wohnhaften Inuit verteilten sie Erste-Hilfe-Sets und erklärten ihnen, wie man diese korrekt anwendet. «Das war nicht ganz einfach, denn diese Leute haben teilweise noch sehr traditionelle Vorstellungen», sagt Zuberbühler. Wenn beispielsweise jemand ohnmächtig werde, dann entfernen sich alle so schnell wie möglich von dieser Person, damit die Seele zurück in den Körper könne, erzählt er.

In Clyde River kamen Zuberbühler und seine Kollegen, die während der Expedition Messungen in Ozean und Gletscher für die Universität München vornahmen, mit den einheimischen Jugendlichen in Kontakt. Was diese aus ihrem Alltag erzählten, war nicht ganz leicht zu verdauen. «Nur etwa die Hälfte geht zur Schule, der Rest hängt einfach rum, trinkt Alkohol und raucht. Zudem ist auch Inzest ein grosses Problem, denn seit Jahrzehnten leben die Bewohner völlig isoliert von der Aussenwelt.»

Ein Erlebnis, dass Zuberbühler in spezieller Erinnerung bleiben wird, war das Klettern an einer rund 1000 Meter hohen, senkrechten Felswand. Auf einer Höhe von 200 Metern verpflegte sich die Gruppe und schlug ihr Nachtlager auf. «Wir haben zum Spass einen Grill mitgenommen und auf einem Felsvorsprung Bratwürste grilliert», erzählt Zuberbühler lachend. Geschlafen haben die Abenteurer jeweils zu zweit auf einer rechtwinklig zur Felswand hängenden Installation, die als Bett diente. Das sei schon ziemlich speziell gewesen, zumal sich direkt unter ihnen das Meer befunden habe, so der 19-Jährige.

Seit rund zwei Wochen ist Simon Zuberbühler zurück in der Schweiz. Zeit zum Ankommen und das Erlebte zu verdauen, blieb ihm aber keine. «Ich ging sogleich zurück in die Schule, wo ich viel Stoff aufarbeiten und mehrere Prüfungen nachholen musste», sagt der Kantischüler.

Iglutouren für Jugendliche

Trotz dem Schulstress hat er bereits neue Pläne geschmiedet. Inspiriert von Mike Horn und der Kanada-Expedition, will er im Winter Iglutouren für Jugendliche anbieten und ihnen so die Berge und die Schönheit der Natur näher bringen. «Spätestens nächstes Jahr will ich diese Touren durchführen», sagt der engagierte Abenteurer.

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