So ein kleines bisschen nervös sind die Primarschüler schon. Gleich werden sie zusammen mit Primarlehrerin Andrea Rast ins Restaurant Bären zum Mittagessen gehen. Die Kinder haben sich extra chic gemacht und die Sonntagskleider aus dem Schrank geholt. Für viele ist dies der erste Restaurant-Besuch ohne ihre Eltern.

Wie sich die Schüler beim Essen korrekt benehmen, haben sie in den vergangenen Tagen im Knigge-Kurs gelernt: Nicht die Ellenbogen auf dem Tisch aufstützen, erst mit Essen beginnen, wenn alle ihren Teller vor sich haben und wenn die Serviette auf den Boden gefallen ist, beim Service-Personal eine neue verlangen.

Die Sprache des Bestecks

Die Kinder setzen sich an den weiss gedeckten Tisch und untersuchen das aufgedeckte Besteck. «Der Löffel ist für die erste Vorspeise, die Suppe», sagt ein Mädchen.

«Und die kleine Gabel ist für die zweite Vorspeise», fügt ein anderes an. Ein Junge entdeckt den Dessertlöffel und freut sich: «Wenn mir vom Essen gar nichts schmeckt, esse ich halt nur das Dessert.»

Doch darf man das? «Denkt daran, auch wenn ihr das Essen vielleicht nicht kennt, probiert trotzdem ein bisschen. Vielleicht schmeckt es euch ja doch», ermahnt Primarlehrerin Andrea Rast die Schüler.

Sie nimmt die gefaltete Serviette, die vor ihr auf dem Tisch liegt, und legt sie sich auf den Schoss.

Wie auf Kommando greifen nun auch die Schüler nach der Serviette und legen sie ebenfalls auf den Schoss. So gerüstet warten die Kinder, bis vom «Bären»-Personal der erste Gang serviert wird: eine Tomatensuppe.

Die neun Schüler der 1. bis 3. Klasse haben bei Andrea Rast diese Woche nicht nur die korrekten Tischmanieren gelernt, sondern auch wie wichtig Pünktlichkeit ist, dass man Danke und Bitte sagt oder dass bereits der erste Eindruck zählt.

«Es freut mich, auf wie grosse Resonanz der Kurs gestossen ist», sagt Andrea Rast. Sie hätte den Projektwochenkurs, den sie dieses Jahr das erste Mal anbietet, gleich doppelt führen können.

Alle können höflich sein

Mit der Geschichte vom Drachen und der Prinzessin, die auch höflich sein können, führte Rast die Kinder spielerisch an die Knigge-Verhaltensregeln heran.

«Ich war erstaunt, dass die Schüler doch schon das eine oder andere wussten, beispielsweise, dass man einen richtigen Händedruck geben muss, weil dies sonst unhöflich wäre», sagt Rast.

Sie ist in ihrer Freizeit Knigge-Trainerin für Erwachsene und bereitete nun ihr Wissen rund um dieses Thema kindergerecht auf.

Dazu gehörte unter anderem auch, dass sie mit den Kindern darüber gesprochen hat, dass nicht in allen Kulturen die gleichen Dinge als höflich oder unhöflich gelten.