Gontenschwil
Gontenschwiler Wagner bauen gigantisches Gefährt

Der neue Leiterwagen am Sechseläuten der Zürcher Zunft zu Oberstrass stammt aus der Wagnerei des Gontschwilers Simon Oehrli. Am Umzug im April wird der neue Wagen ein erstes Mal zu bewundern sein.

Peter Siegrist
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Einmal mehr stellt der Gontenschwiler Wagner, Simon Oehrli, sein Können an einem Meisterwerk unter Beweis. In rund drei Wochen intensiver Arbeit hat Oehrli, unterstützt von seinem Vorgänger Hans Lüscher, einen grossen Leiterwagen gebaut.

Auftraggeber ist natürlich kein Landwirt, sondern die Zürcher Zunft zu Oberstrass. Am Sechseläuten-Umzug im April wird der neue Wagen ein erstes Mal zu bewundern sein.

Hans Lüscher erinnert sich, dass die letzten Leiterwagen von den Bauern bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg noch eingesetzt wurden. «Damals schon von Traktoren gezogen.» Leiterwagen waren früher multifunktional, weil deren Aufbau der Ladung angepasst werden konnte. Ob Getreidesäcke, Heu oder Mist, alles wurde transportiert. Gezogen wurden die Leiterwagen von Kühen oder bei vermögenderen Bauern von Pferden.

Ein Vorbild, aber keine Pläne

Die Zürcher Zunft zu Oberstrass war bereits im Besitz eines alten Leiterwagens. Allerdings waren viele der Holzteile und Eisenbeschläge in einem sehr schlechten Zustand. «Der Wagen war nicht mehr zu restaurieren», erklärt Oehrli. So habe man sich für einen Neubau entschlossen.

Oehrli hat die einzelnen Teile, die bei der Grösse des Gefährts recht massiv und schwer ausfielen, aus Eschenholz gebaut. Die Eisenbeschläge, die Mechanik der Deichsel wurden zum Teil restauriert, zum Teil neu geschmiedet.

Diese Woche ist das schwere Gefährt fertig geworden, und es braucht in Oehrlis Werkstatt viel Platz. Der Leiterwagen misst in der Länge 5 Meter, dazu kommt noch die Deichsel von 3,5 Metern. Über die Achsen gemessen ist das Gefährt
1,85 Meter breit und der obere Holmen der seitlichen Leitern liegt auf 1,6 Meter Höhe. Gezogen werde der Wagen von zwei Pferden, erklärt Hans Lüscher. In steilem Gelände könnte man zwei weitere Zugtiere vorspannen.

«Wunderbare Arbeit»

Die beiden Handwerker strahlen, wenn sie jetzt auf dem fertigen Werk sitzen. Es sei eine wunderbare, wenn auch sehr anspruchsvolle Arbeit gewesen. Die vielen Einzelteile wie etwa die Sprossen mussten in grosser Präzision gefertigt werden, damit beim Zusammenbau alles schön aufeinanderpasst.

Pläne für den Bau gab es natürlich keine, die beiden Handwerker haben die Bauteile in Anlehnung an das alte Gefährt und nach dem Besichtigen von antiken Wagen gebaut.

Simon Oehrli hat die Werkstätte 2006 von Hans Lüscher übernommen und erweitert. Er ist weitherum bekannt als Konstrukteur von hölzernen Wasserrädern. Eine weitere Spezialität sind die Karosserie- und Wagnerarbeiten bei der Restauration von Oldtimern.

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