Ein Fondue-Caquelon, ein Schneestern, zwei Alphörner und eine Taschenuhr zieren das Schaustück zum Thema «Heimat» von Ramona Bolliger. Alles ist essbar, klar, denn es ist das Werk, welches ihr unter anderem die Rang zwei an den 45. Europameisterschaften der Bäckerjugend im deutschen Weinheim einbrachte. Die 19-jährige Aargauerin hat sich bewusst für verschiedene Sujets entschieden: «Ich wollte mich nicht auf eine Spezialität festlegen, sondern so viel wie möglich von der Schweiz in einem Schaustück zeigen», erzählt Ramona Bolliger nach ihrem erfolgreichen Auftritt.

Innerhalb von fünf Stunden musste sie an der EM Brote, Weizenbrötchen, Hefeteigsüssgebäcke, Sandwiches, Plundergebäcke sowie ein Schaustück oder eine Torte zum Thema Heimat herstellen. «Ich bin stolz darauf, dass ich ein sehr vielfältiges Sortiment präsentieren konnte.» Ein vielfältiges Sortiment, das heisst: verschiedene Techniken, Füllungen und Formen. 

Zum Thema Heimat habe sie etwas Repräsentatives machen wollen «und selbstverständlich die Experten überzeugen», wie die Jungbäckerin sagt. «Trotzdem musste ich mich zurückhalten und nicht allzu aufwändige Sachen herstellen, denn die Zeit war äusserst knapp bemessen!» Zeitmanagement war bei diesem zweitägigen Wettbewerb mindestens so wichtig wie Kreativität.

Lehrabschluss mit Bestnote

Ramona Bolligers Top-Platzierung überrascht eigentlich nicht, wenn man ihre Vorgeschichte anschaut. In der Bäckrei-Konditorei Sollberger in Gontenschwil im Wynental absolvierte sie ihre Ausbildung und schloss diese mit der Note 5.6 ab. Sie entschied sich für die Bäcker-Konditor-Confiseurin-Lehre, «weil es ein sehr vielfältiger Beruf ist und man seine eigenen Ideen verwirklichen kann». 

«Der Reiz am Beruf ist, dass man die absolute Perfektion nie erreicht», so Bolliger. Man könne immer noch etwas ändern oder verbessern. Zudem könne das Handwerk nicht durch Maschinen ersetzt werden, «weil man das Gefühl für das Produkt braucht».

Im Herbst 2014 nahm die junge Aargauerin an den Schweizermeisterschaften in Bern teil, wo sie vierte wurde. Im Sommer 2015 kam dann die Fachschule Richemont auf sie zu und fragte sie, ob sie bereit wäre, die Schweiz an der Europameisterschaft zu vertreten. Hier traf sie jetzt auf internationale Konkurrenz, was die Bedingungen erschwerte. «Ich wusste nicht, mit welchen Techniken und Produkten die anderen antreten würden.» 

Ramona Bolliger nimmt von der EM nicht nur eine schöne Trophäe mit nach Hause, sondern auch viel Selbstvertrauen für ihre weitere berufliche Karriere: «Ich denke, diese Platzierung rückt mich bei einer Bewerbung in ein noch besseres Licht.»