Gontenschwil hat aktuell rund 700 Arbeitsplätze. Das sind nicht wenige für eine Gemeinde, die 2122 Einwohner zählt. Trotzdem. Früher war man sich im Dorf anderes gewohnt. Allein die Alu Metall Guss AG (AMG) hat zu ihren besten Zeiten 300 Personen beschäftigt. Vergangenes Jahr hat die Giesserei ihre Produktion nach Rumänien verlagert. Ein herber Verlust für die Gemeinde. Doch es geht weiter. Neue Arbeitsplätze sind in Sicht.

Nicht nur, weil die Jungunternehmerin Anja Vaas (28), Tochter des Inhabers Georg Vaas, dabei ist, die leeren Hallen der AMG wieder zu vermieten. Auch die Gontenschwiler KMU sind auf Expansionskurs.

Am Donnerstag hatten die Gontenschwiler KMU im Rahmen ihres alljährlichen Treffens allen Grund zum Feiern. Jetzt ist es nämlich definitiv gelungen, das «Mättenfeld» als Industriegebiet und damit als Expansionsfläche für Firmen aus dem Dorf zu sichern. Zwei Drittel der fast 2,5 Hektar grossen Fläche sind bebaut.

Mit harten Bandagen gekämpft

Ein Blick zurück: Es war Ende der 1990er-Jahre. Den Gontenschwiler KMU lief es gut. Manch einer Firma wurden die Platzverhältnisse zu eng im Dorf. Man tat sich zusammen, suchte das Gespräch mit der Gemeinde. Das Ziel: das Industriegebiet beim Bahnhof zu erweitern. Ein erster Schritt gelang 2004 mit dem Bau des ersten Teils der Industriestrasse im «Mättenfeld».

Noch im gleichen Jahr machten die Gontenschwiler KMU Nägel mit Köpfen. Sie beschlossen mit einer Absichtserklärung, den Landerwerb gemeinsam an die Hand zu nehmen. Auch die Gemeinde war mit im Boot. 2009 wurden Gespräche mit Bauern geführt. Schliesslich standen 24 000 Quadratmeter Landwirtschaftsland zum Verkauf respektive zum Abtausch bereit – allerdings nur für Unternehmen, die bereits in Gontenschwil ansässig oder aktiv waren. «Es verging keine Woche, dann war das Land weg», sagte Martin Kaspar, Geschäftsleiter der Neogard AG.

Es war ein langer Weg. Das Bewilligungsverfahren war kompliziert, es wurde mit harten Bandagen gekämpft. «Auf den letzten Drücker», wie Gemeindeammann Renate Gautschy sagte, passierte die Vorlage 2012 den Grossen Rat. Nach einer hitzigen Debatte stimmte das Parlament der Gontenschwiler Richtplananpassung nur knapp zu. Die Auflage: Die Einzonung (an einer ausserordentlichen Gmeind im April 2013 gutgeheissen) hatte «bedingt» zu erfolgen. Das bedeutet, zwei Drittel der Fläche mussten innerhalb von fünf Jahren überbaut werden. Unterdessen sind nicht einmal ganz vier Jahre vergangen und das Ziel ist geschafft. Rund 17000 Quadratmeter sind bebaut.

Acht Firmen expandieren hier: Neben dem Kranunternehmen Bodenmann sind dies die Schreinerei Bolliger, die die Hintermann Gartenbau GmbH sowie die Firmen Huner Technik, Läser Druck, Merz Transporte und Neogard Gartenartikel, ausserdem die Stiftung Schürmatt. Dieses Projekt ist noch offen.

Viele Mietwohnungen noch frei

Das KMU-Treffen fand auf dem Gelände der neuen Zentrumsüberbauung beim Bahnhof statt. Für 20 Millionen Franken hat hier die Alvoso-Pensionskasse, eine von der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) geführte Stiftung, drei Mehrfamilienhäuser mit total 34 Wohnungen gebaut. Auf den 1. Oktober sind sie nun bezugsbereit. Von den acht Eigentumswohnungen sind sieben verkauft, wie Stiftungsratspräsident Remo Schällibaum berichtete. Bei den Mietwohnungen sehe es anders aus: Von total 26 sind erst zwei vermietet.