Das gab es seit Menschengedenken nicht mehr: Ein Gemeinderat wirft seine eigene Parole für ein traktandiertes Geschäft kurz vor der Gmeind wieder über den Haufen. «Der Gemeinderat Gontenschwil wird der Gemeindeversammlung vom 8. Juni beantragen, den Beitritt zum Gemeindeverband aargauSüd mit gleichzeitiger Genehmigung der Satzungen abzulehnen», teilt die Behörde mit.

Käme die neue Kreisschule zustande, so verlöre Gontenschwil seinen Oberstufenstandort und zöge somit von allen Gemeinden das schlechteste Los. Wie das Schreiben aufführt, gehen dadurch gut 450'000 Franken (13 Steuerprozente) an Einnahmen weg. Dies mache die neue Organisation der Oberstufe für Gontenschwil «unerträglich».

Dieser Schritt erstaunt insofern, als dass der Gemeinderat an seiner Infoveranstaltung vom 14. Mai den Stimmbürgern noch ein Ja zur Kreisschule nahelegte. «Es gibt keinen anderen Weg als die neue Schule», sagte Gemeindeammann Renate Gautschy damals.

Der Gesinnungswandel des Gontenschwiler Gemeinderats deutete sich bereits Anfang Woche an. Von der AZ angefragt, liess Gautschy kein gutes Haar an den Satzungen der Kreisschule. «Es wird nicht so weit kommen, dass das unausgereifte Projekt alle Lasten auf dem Buckel einer Gemeinde abladen kann», sagte sie. Gestern war es Gautschy zeitlich nicht möglich, die Hintergründe der Kehrtwende näher zu erläutern.

Tatsache ist: Gontenschwil hätte es mit einem Alleingang in Sachen Schule schwer. Die kantonalen Bedingungen von mindestens sechs Abteilungen Sek und Real erfüllt der Standort nicht. In der Mitteilung gibt der Gemeinderat zu, noch keinen konkreten Lösungsansatz nach einem Nein an der Gmeind zu haben. Er sei «sich bewusst, dass ein negativer Entscheid der Gemeindeversammlung die Ausgangslage für Gontenschwil nicht grundsätzlich verbessert». Zurzeit gehe es in erster Linie darum, ein Zeichen zu setzen, dass der Neuorganisation der Kreisschule nicht zu jedem Preis zugestimmt werden kann.