Gontenschwil
«Fast familieninterne Lösung» – Ponyhofbetreiberin übergibt ihr Lebenswerk an ihr Gottimeitli

Auf dem Ponyhof Schwarzenberg in Gontenschwil werden nach 35 Jahren die Zügel weitergegeben: Betriebsleiterin Doris Unseld übergibt den Reiterhof per Anfang Januar an Nichte Annabel Gloor. Sie wird künftig die Geschicke auf dem über 250 Jahre alten Hof leiten.

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Stabsübergabe auf dem Ponyhof Schwarzenberg: Doris Unseld (links des Herzens) übergibt per 1. Januar 2022 die Betriebsleitung an ihre Nichte Annabel Gloor.

Stabsübergabe auf dem Ponyhof Schwarzenberg: Doris Unseld (links des Herzens) übergibt per 1. Januar 2022 die Betriebsleitung an ihre Nichte Annabel Gloor.

zvg

Doris Unseld weiss, dass Nachfolgeregelungen auch bei gut funktionierenden Betrieben alles andere als einfach sind. Umso dankbarer ist die 64-Jährige nun, für ihren Ponyhof Schwarzenberg in Gontenschwil eine fast familieninterne Lösung gefunden zu haben: «Ich bin sehr glücklich und überzeugt, dass ich mit meiner Nichte die richtige Nachfolgerin gefunden habe», sagt die abtretende Betriebsleiterin. So könne der Fortbestand ihres mit viel Herzblut aufgebauten Lebenswerks sichergestellt werden.

«Besser geht’s nicht», meint dazu Nichte und Gottikind Annabel Gloor. Nun gehe für sie ein Kindheitstraum in Erfüllung, so die 29-Jährige. Seit ihrer Kindheit habe sie für den Ponyhof interessiert, sämtliche Ausbildungen auf ihre zukünftige Aufgabe ausgelegt und sich in den vergangenen zwölf Monaten bereits in das operative Geschäft eingearbeitet. Sie sagt:

«Es ist Ehre und Auftrag zugleich, meine Visionen und die Leidenschaft für Tiere und Menschen zu verbinden und die Umsetzung zu meinem neuen Beruf zu machen.»

Die Sozialarbeiterin und Vereinstrainerin freut sich über das Vertrauen, das ihr ihre Tante entgegenbringt und steht voll hinter den von Doris Unseld initiierten Leitideen.

Pädagogischer Reitbetrieb bleibt im Zentrum

Der Betrieb soll denn auch im Grossen und Ganzen so wie bisher organisiert bleiben. Während die 20 Ponys von Gloor übernommen werden, bleiben Liegenschaften und Reithalle – mindestens vorläufig – im Besitz von Unseld. Diese verspricht: «Sollte Hilfe oder Unterstützung nötig sein, werde ich natürlich da sein und helfen können, denn ich wohne vorläufig weiterhin auf dem Ponyhof.»

Die 29-jährige Annabel Gloor wird den Betrieb im Sinne ihrer Tante weiterführen.

Die 29-jährige Annabel Gloor wird den Betrieb im Sinne ihrer Tante weiterführen.

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Der Reiterhof solle wie bis anhin ein Ort der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung sein. Die Ponys würden dabei die dankbare Scharnierfunktion erfüllen, um gemeinsam Grenzen zu verschieben. Im Zentrum stehe dabei stets der Respekt und die Achtsamkeit Mensch und Tieren gegenüber. Annabel Gloor weiss:

«Wir können Grenzen nicht aufheben, aber gegenseitig Verständnis entwickeln und Verantwortung füreinander übernehmen.»

Auf dem Ponyhof Schwarzenberg wird daher weiterhin der pädagogische Reitbetrieb im Zentrum stehen. Rund ein Drittel der Reitstunden absolvieren gesunde Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren. Etwa gleich viele Reitstunden absolvieren Kinder und Jugendliche in Reitferien.

Der Rest des Reitunterrichts ist Teil von Reittherapien und Ponyhoflagern von Sonderschulklassen mit Kindern mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Auch an der Arbeit des Unterstützungsvereins, der sich an ungedeckten Kurs- und Lagerkosten für behinderte Kinder beteiligt, ändert sich nichts. Wie bis anhin werden auch in Zukunft zwei betreute Arbeitsplätze, sechs Ausbildungsplätze für IV-berechtigte Anlehren als Pferdewart oder Pferdewartin und ein Kriseninterventionsplatz für Notfälle angeboten.

Umzonung in Spezialzone soll langfristige Zukunft sichern

Dass die vergangenen 35 Ponyhof-Jahre für die Verantwortlichen kein gemütlicher Ausritt waren beweist ein Blick in die bewegte Geschichte des Reiterhofs. 1986 hat die noch junge Heilpädagogin Doris Unseld den damals kleinen Hof von ihren Eltern übernommen. Schon fünf Jahre später konnte die Reithalle gebaut und noch einmal fünf Jahre später die ganze Liegenschaft gekauft werden.

Es folgten Renovationen, Umbauten und organisatorische Anpassungen, welche bald auch die Neuorganisation als Ausbildungsbetrieb für Pferdeberufe und Arbeitsort für betreute Arbeitskräfte möglich machten. Doris Unseld schaut bewegt auf die letzten Jahre zurück:

«So ist es uns gelungen, bei vielen Jugendlichen mit Beeinträchtigungen ein von den IV-Stellen nicht erwartetes Entwicklungspotenzial auszuschöpfen.»

Und daran solle sich auch in Zukunft nichts ändern. «Wir hoffen ganz fest, dass die nächste Gemeindeversammlung, die im Rahmen der Nutzungsplan-Revision geplante Schaffung einer Spezialzone für den therapeutischen Reitbetrieb annehmen wird», so Unseld. Damit würden die Voraussetzungen geschaffen, damit ab 2023 mit einer Betriebsleiterwohnung, neuen Zimmern für betreute Gäste und einem neuen Ponystall die Zukunft längerfristig gestaltet werden könne. (az)

Doris Unseld (l.) und Annabel Gloor hoffen auf ein Ja zur Spezialzone für ihren Ponyhof an der nächsten Gmeind.

Doris Unseld (l.) und Annabel Gloor hoffen auf ein Ja zur Spezialzone für ihren Ponyhof an der nächsten Gmeind.

zvg

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