Gontenschwil
Aus den Erinnerungen ihres Lebenspartners konnte Anna Verena Hoffmann Sax ein ganzes Buch füllen

Die Inhaberin der Galerie Schlössli in Gontenschwil hat, auch wenn sie schreibt, zuerst ein Bild im Kopf. So ist «Du erzähltest mir» entstanden.

Flurina Dünki
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Anna Verena Hoffmann Sax betreibt die Galerie Schlössli in Gontenschwil und hat im Buch «Du erzähltest mir» die Biografie ihres Lebenspartners geschrieben.

Anna Verena Hoffmann Sax betreibt die Galerie Schlössli in Gontenschwil und hat im Buch «Du erzähltest mir» die Biografie ihres Lebenspartners geschrieben.

Flurina Dünki / Aargauer Zeitung

«Wenn ein Paar erst im Alter zusammenfindet, hat jeder schon ein ganzes Leben gelebt», sagt Anna Verena Hoffmann Sax. Die Inhaberin der Galerie Schlössli in Gontenschwil lernte ihren heutigen Partner kennen, als sie 67, er 71 Jahre alt war. «Wenn man schon so viele Jahre hinter sich hat, erzählt man sich einfach viel.» Neun Jahre sind die beiden nun zusammen. Die Galeristin, die in Zürich wohnt, ist heute 76. Er, der pensionierte Banker, der nach dem Zweiten Weltkrieg im Zürcher Kreis 5 aufwuchs, ist 80. Was er seiner Lebenspartnerin aus dem Wynental alles an Lebensgeschichten erzählte – vom Jugendleben zwischen Industrie- und Villenquartier oder vom Coiffeursalon der Mutter –, ist nun jedermann zugänglich. Im kürzlich erschienenen Buch «Du erzähltest mir».

Anna Verena Hoffmann Sax ist es damit nicht nur gelungen, in ländlichen Gontenschwil eine Galerie mittlerweile schon 36 Jahre zu betreiben, sondern auch ein Buch zu veröffentlichen, das bei den grossen Buchhändlern Orell Füssli, Thalia und Amazon bezogen werden kann. Genauso bescheiden, wie sie das Erfolgsgeheimnis ihrer Galerie erklärt – «Man muss den Standortnachteil mit etwas anderem kompensieren» –, beschreibt sie den Weg zur Buchveröffentlichung. Über ihre Lektorin liess sie beim deutschen Verlag Tredition anfragen, der dem Konzept Printing-on-Demand folgt: Es wird nicht eine Auflage gedruckt, sondern einzelne Exemplare, nachdem diese beim Buchladen bestellt wurden. Die Buchhändler entscheiden, ob sie das Buch ins Sortiment aufnehmen wollen. Und das Buch von Hoffmann Sax, dessen Umschlag ein Aquarellbild der Autorin ziert, schien den wichtigen Buchhändlern zu gefallen.

Wie abstrakte Malerei

Was aber hielt ihr Lebenspartner davon, dass seine Geschichte erscheint? Dass die Leser über seine nicht ungefährlichen Jugendstreiche mit dem Bolzengewehr und seine verflossene Liebe erfährt? «Er stand immer dahinter», sagt die Autorin, «aber er wollte das Buch lange nicht lesen.» Irgendwann an einem Sonntagmorgen habe er dann doch darin gestöbert – und sich wiedererkannt. Jede Erinnerung, die Hoffmann Sax im Buch beschreibt, habe sie zuerst als Bild im Kopf. Erzählt sind sie in wenigen kurzen Sätzen. «Ich vergleiche das mit abstrakter Malerei», sagt sie, «ich schreibe das Gerüst und der Rest des Bildes entsteht im Kopf der Leserin.»

Vor ein paar Jahren veröffentlichte die zur Autorin gewordene Malerin bereits zwei Lyrikbüchlein im Eigenverlag. Auch mit ihren Bildern hatte sie sich einst hochgearbeitet, hatte ihr erstes Bild 1977 in Zürich ausgestellt und 1985 im ehemaligen Elternhaus, dem Schlössli, ihre eigene Galerie eröffnet. Man kann also erwarten, dass dies nicht ihr letztes Buch war.

Du erzähltest mir, ISBN 978-3-347-30935, ist bei Orell Füssli erhältlich.