Gränichen

Göttibatzen für die Kasse im Forst Gränichen-Unterkulm

Ein Baum wie ein Monument –und das Zuhause vieler Tierchen: Gränicher und Unterkulmer können als Paten den Bestand solcher Riesen sichern. zvg

Ein Baum wie ein Monument –und das Zuhause vieler Tierchen: Gränicher und Unterkulmer können als Paten den Bestand solcher Riesen sichern. zvg

Der Gedanke ist ein guter: Alten Bäumen soll ein langes (Weiter-) Leben gesichert werden. Der Hintergedanke sieht aber etwas kommerzieller aus. Die Patenschaften im Forst Gränichen-Unterkulm sollen «ein Zustupf» für die Waldwirtschaft sein.

«Möchten Sie Gotte oder Götti eines Baumriesen im Gränicher Wald werden?», wird in einem Artikel im aktuellen Dorfblatt gefragt. «Kein Problem!», heisst es weiter, für einen «geringen Jahresbeitrag zwischen 100 und 150 Franken» lasse sich dieses Vorhaben verwirklichen.

Mit 150 Franken pro Jahr können Gränicher Bürger wie auch Unterkulmer den Standort einer Eiche sichern. 100 Franken kosten alle anderen Baumarten. Stirbt der Baum ab, bleibt er weiter stehen. «Während des natürlichen Zerfalls ist der Baum für die Ökologie erst recht wertvoll», sagt Hanspeter Lüem, Vizeammann in Gränichen und zuständig für das Ressort Wald.

Im Totholz nisten sich Insekten ein und Kleintiere finden Unterschlupf. Solches Holz ist ausserhalb von Schutzgebieten im Wald nicht mehr oft zu finden. Der Wald wird bewirtschaftet wie ein Acker: Schöne Bäume werden gepflegt und später geschlagen, umgefallene stören die Maschinen bei der Arbeit.

Im Forst Gränichen-Unterkulm stehen laut Förster Markus Wildi «einige hundert» Bäume mit einem stattlichen Alter von über 150 Jahren. Dieses Holz würde «einen ansehnlichen Ertrag» in die Forstkasse bringen. «Es wäre aber auch ein grosser Verlust für den Lebensraum Wald», heisst es im Dorfblatt.

Keine neue Idee

So gesehen ist es löblich, dass der Forstbetrieb Gränichen-Unterkulm alte Bäume schützen will. Und auch die Patenschaften erscheinen auf den ersten Blick nur positiv.

Die Idee ist nicht neu: In der Surselva kann man ebenfalls Baumpatenschaften kaufen und damit ihr Bestehen sichern. Andernorts in der Schweiz werden damit Hochstammbäume gefördert. Doch in der Surselva wie auch in Hochstamm-Gebieten fliesst das Geld nicht in die Taschen der Bodenbesitzer, sondern wird in die Natur investiert.

Im Forst Gränichen-Unterkulm sind die Patenschaften laut Gemeinderat Hanspeter Lüem «ein Zustupf» für die Waldwirtschaft, da der Holzpreis momentan tief liege. Zwar würden die grossen, alten Bäume nicht unbedingt gefällt, wenn dafür keine Paten gefunden werden könnten, sagt Lüem.

Dennoch bestehe die Gefahr, dass für die Wirtschaftlichkeit immer mehr Baumriesen gefällt würden. «Deshalb probieren wir das jetzt.» Bislang haben auf der Gemeindekanzlei Gränichen noch keine willigen Göttis und Gotten vorgesprochen, die bereit sind, als Bürger für ihre eigenen Bäume zu bezahlen.

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