Der 29-jährige Schweizer trat ohne Anwalt vor das Bezirksgericht Kulm. Er trug dunkle Jeans und ein Hemd. Im Raum stand die Anklage der «groben Verletzung der Verkehrsregeln». Der Sachverhalt war schnell geklärt: Daniel (Name geändert) war auf Besuch bei seiner Freundin, die in der Region wohnt. Am Donnerstag, 14. Juni 2018, kurz vor Mittag, fuhr er mit seinem Subaru Impreza von Schöftland auf der Suhrentalstrasse Richtung Hirschthal. Statt der erlaubten 80 km/h war er mit 133 Stundenkilometern unterwegs und kam prompt in eine Polizeikontrolle. Abzüglich der Toleranz waren das 47 km/h zu viel.

Dieser Tatbestand wurde von Daniel ohne Wenn und Aber anerkannt. Auf die Frage, weshalb er derart schnell gebrettert war, sagte dieser: «Ich wollte in die Landi und habe deshalb pressiert. Dabei war ich in Gedanken versunken und habe nicht auf die Geschwindigkeit geachtet.»

Ein Mann mit Vergangenheit

Über die Tat vom Juni 2018 gab es nichts zu diskutieren, aber über die Festsetzung des Strafmasses. Denn es war nicht das erste Mal, dass der 19-Jährige vor Gericht stand. Obwohl er sich nur vage daran erinnern konnte, wurde er in der Vergangenheit bereits dreimal straffällig. Das erste Mal verstiess er 2013 gegen das Waffengesetz, indem er ein Schmetterlingsmesser bei sich trug. Danach wurde er 2016 in St. Gallen wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe (90 Tagessätze zu 60 Franken) verurteilt. Lediglich ein Jahr später stand er in Herisau wieder vor Gericht. Diesmal wegen Tätlichkeit, Drohung und Nötigung gegen seine damalige Freundin. Auch damals wurde er zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt (150 Tagessätze zu 100 Franken). Angesichts dieses Vorstrafenkatalogs forderte die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm nun eine Freiheitsstrafe von vier Monaten – unbedingt. Zudem sollten die bedingt ausgesprochenen Geldstrafen von St. Gallen und Herisau widerrufen werden.

30'000 Franken Schulden

Trotz der einschlägigen Vorstrafe der groben Verkehrsverletzung versicherte Daniel dem Gericht, dass bei ihm kein Muster bestehe: «Ich fahre nur manchmal zu schnell, wenn ich pressiere.» Ansonsten verhielt er sich während der Verhandlung passiv und antwortete einsilbig auf die Fragen des Einzelrichters.

Daniel ist in der Ostschweiz aufgewachsen und lebt dort noch immer bei seinen Eltern. Er hat eine Anlehre im Gartenbau absolviert und arbeitet heute auf seinem Beruf. Zudem bezieht er 1500 Franken IV-Rente. Investitionen in zwei Autos führten dazu, dass Daniel Schulden in der Höhe von 30'000 Franken angehäuft hat. Diese hat seine Mutter übernommen, Daniel stottert das Geld nun bei ihr ab. Auf die Frage des Einzelrichters, wie er eine Geldstrafe von 10'000 Franken begleichen würde, antwortete Daniel: «Ich würde meine Mutter oder meinen Bruder um das Geld bitten.» Gedanken zu einer allfälligen Gefängnisstrafe habe er sich keine gemacht. Aber er sei sich sicher, dass er seinen Job verlieren würde.

Bevor das Gericht sich zur Urteilsberatung zurückzog, hätte Daniel noch ein paar Worte an das Gericht richten dürfen. Dieser lehnte aber mit einem kurzen «ich habe nichts Weiteres zu sagen» ab.

Eine happige Geldstrafe

Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft nicht und bewahrte Daniel vor dem Gefängnis. Einzelrichter Märki verurteilte ihn aber zu einer Geldstrafe: Die bedingte Geldstrafe aus St. Gallen hob er auf und verhängte eine Gesamtstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken, unbedingt. Damit muss Daniel nun eine Geldstrafe von 10'800 Franken zahlen. Die bedingte Geldstrafe aus Herisau wurde nicht widerrufen, weil es sich dabei nicht um eine einschlägige Vorstrafe handle, erklärte Märki. Die Probezeit wurde aber auf ein Jahr verlängert. In seiner Urteilsbegründung hielt Christian Märki fest, dass auf den vorliegenden Fall das revidierte Sanktionsrecht anwendbar sei. Dieses bestimme, dass einer Geldstrafe den übrigen Strafen der Vorrang zu geben sei. Zudem erklärte er, dass eine Gesamtstrafe gebildet werden müsse für die Tat vom 14. Juni 2018 und die widerrufene bedingte Geldstrafe von 2016. Dabei werde ein Strafmass für die zuletzt begangene Tat festgelegt, und diese werde angemessen erweitert.

Die Grenze für eine Geldstrafe liegt bei 180 Tagessätzen. «Im vorliegenden Fall sind 180 Tagessätze à 60 Franken für beide Delikte angemessen», schloss Märki.