40 Jahre im Polizeidienst – Bernhard Müller, Stellvertreter des Kommandanten der Regionalpolizei Zofingen, ging in Pension. 1978, das war eine andere Zeit. Es gab zwar Rocker-Banden, aber keine Fussballkrawalle. Pfarrer, Lehrer und Polizist waren geachtete Respektspersonen. «Als junger Polizist konnte ich nachts noch alleine auf Patrouille gehen.» Heute undenkbar. «Die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft hat dazu geführt, dass eine kugelsichere Schutzweste und eine Zweierpatrouille – in Basel oder Zürich gar grössere Formationen – Pflicht sind.»

Polizist ist ein Zweitberuf. Müller ist in Triengen aufgewachsen und hat dort den Beruf des Maschinenzeichners erlernt – in einer Giesserei. «Das mit der Lehre verbundene Praktikum alter Schule am Giessofen war hart», sagt Müller heute. Auf seinem Beruf konnte er nicht bleiben, weil es plötzlich keine Giesserei und keine Stelle mehr gab.

Von der Giesserei zur Polizei

So lockte die Stadtpolizei Zürich. Vier Jahre ist er geblieben und hat anschliessend nach Urdorf gewechselt. Dann schlug die Liebe ein. «Meine heutige Frau wollte nicht nach Zürich ziehen.» So bewarb sich Müller bei der damaligen Stadtpolizei Zofingen. «Die Bewerber mussten damals im Rathaus beim Stadtrat vorsprechen», erinnert sich Müller.

Immer war er auch in den Polizeiverbänden aktiv. «Das hat mir viele Kontakte verschafft und meinen polizeilichen Horizont erweitert.» Wie er als Polizist am Ball der Zeit blieb, galt das auch für seine Verbandstätigkeit. So war er massgeblich an einer Fusion der verschiedenen Verbände mitbeteiligt – «was nicht bei allen Kolleginnen und Kollegen für Begeisterung sorgte».

Was war schön in all den 40 Berufsjahren? «Den Leuten helfen zu können», sagt Müller und freut sich, dass im Aargau neu Polizei, Feuerwehr und Sanität eine gemeinsame Alarmzentrale haben. «Immer öfter leisten wir erste Hilfe und arbeiten noch verzahnter mit den Rettungsorganisationen zusammen.»

Fragwürdige Solidarität

Negativ? Ein Teil des gesellschaftlichen Wandels. Die bereits erwähnte Gewaltbereitschaft, aber auch, «dass sich die Leute hin und wieder mit polizeilich kontrollierten Leuten solidarisieren – ohne zu wissen, um was es geht». An einem seiner letzten Sonntage als Chef Pikett mussten seine Leute fünf Mal wegen häuslicher Gewalt ausrücken. «Ist so etwas normal?», fragt sich der glückliche Familienmann und Vater dreier Kinder. Mit seiner Frau reisen, die Lektüre mehrerer Zeitungen und von Büchern zur Zeitgeschichte und Velofahren – das sind Dinge, die für Bernhard Müller nun im Fokus stehen.