«Heute bin ich zum ersten Mal einen Frontlader gefahren», sagt die 15-jährige Rahel Bolliger. Am 15. Ruedertaler Traktoren-Geschicklichkeitsfahren auf dem Schulhausareal Walde nahmen am Wochenende rund 150 Personen ab 14 Jahren teil, darunter zahlreiche junge Frauen wie Rahel. «Zuerst muss man die richtigen Hebel und Knöpfe finden», sagt sie, «wir haben zu Hause einen alten Fiat; da geht das Schalten anders.» Keine Bange: Die Kampfrichter an den sieben Posten führen auch Novizen ein in die Geheimnisse der Maschinen mit klingenden Namen wie Lindner, Deutz-Fahr, Steyr oder Fendt.

Feingefühl gefragt

Es geht um die Geschicklichkeit der Fahrer, nicht um die Kraft der Monster. Geschicklichkeit heisst vor allem Feingefühl, Konzentration, Ruhe. Wer beim Fischen im Teich die Geduld nicht aufbringt, taucht den Magneten ins Wasser, und die Fische schwimmen davon. «Etwa 60 Prozent fangen einen Fisch; erst einer hat zwei an Land gezogen», sagt der Kampfrichter am Samstagabend. Fangen ist das eine; die Fische wollen auch noch zwischen zwei Metallteilen abgestreift werden.

Stets neue Aufgaben

Parcoursbauer Christoph Dätwyler muss sich alle zwei Jahre etwas Neues ausdenken, damit der Wettkampf interessant bleibt. Dieses Jahr hat er die Rutschbahn seiner Kinder zweckentfremdet. Mit dem Frontlader gilt es, einen Fussball zu packen, ihn durch das Netz des Korbballkorbes auf die Rutsche fallen zu lassen und zu hoffen, dass er in ein Gefäss fällt. «Es funktioniert», sagt er. Dass er alles ausprobiert hat, auch den zweiten neuen Posten, wo man rückwärts fahrend ein Senkblei möglichst ins Zentrum einer Zielscheibe platzieren soll, versteht sich.

Applaus aus der Festwirtschaft erreicht jene Fahrer, denen es gelingt, einen schweren Traktor zehn Sekunden auf der Wippe waagrecht zu halten. Mindestens so viel Gefühl – und auch etwas Glück – braucht, wer einen Pingpong-Ball in ein Gefäss versorgen will. Das Wasserspiel – das Rückwärtsfahren kippt die Giesskanne – erfordert rasche Reaktion, um die Waage waagrecht stehen zu lassen.

Wertvolle Maschinen testen

Alles nur Plausch? «Vor vier Jahren machten wir die Aargauer Ausscheidung für die Schweizer Meisterschaften hier», sagt Dätwyler. Nachwuchsprobleme gibts keine; vor allem machten immer mehr Frauen mit. Die neuen Geräte von Landmaschinenhändlern aus der Region zu testen, reizt. «Wann bekommt man schon die Gelegenheit, Maschinen im Wert von insgesamt 500 000 Franken Probe zu fahren?», meint einer. Zudem locken schöne Preise: ein Velo, Gemüsekörbe, Kabelrolle, Rasenmäher, Fotoalbum. Für den Männerchor ist der Anlass eine Möglichkeit, dank Sponsoren die Vereinskasse zu äufnen; und die Festwirtschaft mit ihrem Erlös trägt das ihre dazu bei.

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