Teufenthal

Geschichten bebildern: «Mit Bleistift Nummer vier, so einfach ist das»

Peter Säuberli in seinem Wohnzimmer, umgeben von Zeichnungen und Goldschmiedarbeiten.

Peter Säuberli in seinem Wohnzimmer, umgeben von Zeichnungen und Goldschmiedarbeiten.

Peter Säuberli hat mit 80 Jahren zum ersten Mal ein Märchen illustriert, und zwar mit feinen und einfühlsamen Bleisiftzeichnungen. Der Goldschmied und Maler hat für Daniel Bürgins «Die Teufelseiche» einen besonders weichen Bleistift verwendet.

Das Haus von Peter Säuberli in Teufenthal ist speziell, es ist rund, und seine Fassade ist mit Aluminium verkleidet. Was jedoch nach architektonischer Avantgarde tönt, ist es nicht, denn Säuberli hat das Haus 1972, also vor bald 40 Jahren, erbaut. Ein Künstlerhaus, denkt der Besucher. Und tatsächlich: Dieser Eindruck wird im grossen Wohnzimmer mit dem kreisrunden Kamin im Zentrum bestätigt.

An den Wänden hängen dicht an dicht Bilder und Zeichnungen. Säuberlis Werke und Bilder, solche von verschiedenen Künstlern und seine Goldschmiedearbeiten. Am Rand, schön am Fenster gelegen, ist noch der Arbeitsplatz des Goldschmiedes eingerichtet. Atelier und Wohnraum gehen ineinander über.

«Ich habe immer einen Verlag auf meinen Tischen», seufzt Säuberli, «es gibt so viel zu lesen und zu tun.» Das viel genannte kreative Chaos? «Ja, das ist es, wir Künstler brauchen das, Ordnung entsteht erst auf unserer Leinwand, in unseren Werken», schmunzelt Säuberli.

Feinfühlig Geschichten bebildern

In seinem achtzigsten Lebensjahr hat Peter Säuberli auf Anfrage von Daniel Bürgin dessen Märchen «Die Teufelseiche» illustriert. Bürgin, ein Lenzburger mit Wohnsitz in Tokio, suchte jemanden, der feinfühlig seine Geschichte bebildert. Säuberli sagte zu und hat neu feine abgestufte Bleistiftzeichnungen zum Text gestellt. «Mit Bleistift Nummer 4, so einfach geht das.»

Er gehe heute meist umgekehrt vor: «Zuerst entsteht bei mir die Zeichnung, und nachher formuliere ich einen Text dazu», sagt er und blättert durch ein Buch mit von ihm illustrierten Versen. Für das Märchen sei jedoch der weiche Bleistift das passende Medium gewesen, weil er mit dem variablen Druck eine grosse Vielfalt an Grautönen erreiche.

Gold- und Silberschmied

Peter Säuberli hat ursprünglich Silber- und Goldschmied gelernt. Sein reiches Wissen für Formen und Farben holte er sich zuerst an der Kunstgewerbeschule in Zürich und später an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Als Goldschmied betrieb er ein Atelier in Olten. «Ich habe viel experimentiert und neue Formen für Schmuck entwickelt». So zum Beispiel Fingerringe, die perfekt an die Finger passten, mit relativ gross gefassten Steinen. «Funktionalen Schmuck», sagt er dem.

Säuberli hat sich weit über den Aargau hinaus einen Namen gemacht. Dennoch sagt er heute: «Ich war zwar innovativ, aber verkaufte eigentlich schlecht.» Kunst und Verkauf, das sei nicht einfach, das beisse sich, vor allem, wenn man als Goldschmied Konzessionen machen müsse. «Doch ein Goldschmied muss auch geschäften können.»

Peter Säuberli hat immer gemalt und skizziert. Lange malte er abstrakt. «Das hat meinen Sinn für Formen geschärft, das spürte ich, als ich mich wieder dem Gegenständlichen zuwandte.» Zweidimensional und dreidimensional, in beiden Ausdrucksweisen ist Säuberli zu Hause.

Malen und Trauerarbeit

Als vor fast vierzig Jahren seine Frau erkrankte und verstarb, malte er sich die Trauer von der Seele. «Ich sass Abend für Abend im Wohnzimmer, hörte immer das gleiche Konzert von Max Bruch.» Er malte vor allem in dunklen Farben, so lange, bis wieder Licht in sein Leben drang.

Als Goldschmied hat er vor 10 Jahren aufgehört, er gibt sich ganz dem Malen und Zeichnen hin. Daneben hat er gern Gesellschaft, besucht Kinos, Konzerte und Theater, nimmt am kulturellen Leben teil. «Ich bin ein soziales Wesen, brauche den Austausch, für meine Arbeit ein Echo.»

Alt werden sei nicht uninteressant. «Man profitiert von seiner Lebenserfahrung, aber man muss aufpassen, damit man nicht versimpelt.» Lesen, malen, Kreuzworträtsel lösen und aktiv am Leben teilhaben, das ist für Peter Säuberli heute wichtig.

Meistgesehen

Artboard 1