Sie sitzen auf dem Sofa im denkmalgeschützten Bauernhaus, das im Jahre 1739 erbaut worden ist. Vor 83 Jahren von Christian Müllers Vater gekauft, hat der heute 86-Jährige sein ganzes Leben in diesem Haus verbracht. Den Grossteil zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud. Liebevoll nennt er sie nur «d Mueter».

Christian und Gertrud Müller feiern heute die diamantene Hochzeit. «Es kommt mir gar nicht vor, wie wenn es schon 60 Jahre wären», sagt Christian Müller. So eilig sei die Zeit vergangen. Kennen gelernt haben sie sich in der Jugendgruppe der Kirche, er 24, sie 20 Jahre jung. Sie hätten sofort gemerkt, dass sie die Richtigen füreinander seien. «Ich ha di best Frou, wos get», sagt Christian und lächelt seine Frau an. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Noch nie hatten sie einen richtigen Streit. «Manche Leute glauben uns das nicht», sagt Christian. «Aber es ist wahr. Wir haben ja nicht zum Streiten geheiratet.» Und wenn sie einmal nicht gleicher Meinung gewesen seien, hätten sie sich ganz fest in die Augen gesehen – «bis eines anfing zu lachen».

Dabei überschattete ein trauriges Ereignis den Start dieser langen und glücklichen Ehe: der Tod von Christians Vater kurz vor der Hochzeit. «Drom händ mer gar ned eso möge fiire», sagt Christian. 28 Gäste versammelten sich in der Kirche, um das Brautpaar zu feiern, der Chor sang. «Es ist ein gäbiges Fest gewesen, schön», sagt Gertrud.

Er war tagelang fort

Vier Söhne und sechs Enkelkinder sind der Verbindung entsprungen. «Unsere Buben sagen immer, wir seien ein Phänomen», sagt Gertrud. Die Beziehung musste schon auch die eine oder andere Belastungsprobe meistern: etwa Christians tagelange Absenzen, wenn er als Bergführer durch die Alpen kletterte.

Wie er Bergführer wurde, erzählt seine Frau: «Er war oft krank. Da hat der Doktor gesagt, es gebe nichts anderes, als dass er oft in die Berge gehe.» Nicht zum Liegen, nein, er solle sich betätigen. «So wars mir auch recht, besser, er war in der Höhe und fort als krank zu Hause.» Während seiner Abwesenheit schmiss sie im wahrsten Sinne des Wortes den Laden: Das Ehepaar Müller leitete gemeinsam die Landi-Filiale in Wittwil. «Es spielte keine Rolle, ob ich da war oder nicht», sagt Christian. «Das hat sie mir geschenkt.»

Er war sowieso ein Hansdampf in allen Gassen, war lange in der Kirchenpflege, auch als Präsident, sang im Chor und war beim Zivilschutz in der Sanität. Erst als er so weit gewesen wäre, im Gemeinderat einzusteigen, habe sie ihr Veto eingelegt: «Da hat es gereicht.» Das Paar wünscht sich, noch lange gemeinsam in ihrem Haus wohnen zu können. «Das ist halt unser Heim.»