«Man kann es ja probieren», dachte sich wohl ein Mann aus der Region, der schon zum zweiten Mal bis vor Bundesgericht gegen die Verlängerung seiner U-Haft Beschwerde einlegte – und zum zweiten Mal eine Watsche kassierte. Diese Beschwerde, so das Bundesgericht, sei «noch aussichtsloser als die erste», weshalb der Mann auch keine unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung erhält.

Es geht in seinem Fall um häusliche Gewalt: Bei der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm läuft gegen den Mann ein Verfahren wegen mehrfacher Drohung, Nötigung, Vergewaltigung und weiterer Delikte. Die Opfer: seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und teilweise deren neuer Freund. «Der Beschwerdeführer kann und will offenkundig nicht akzeptieren, dass sich seine Ehefrau von ihm getrennt hat und eine neue Beziehung eingegangen ist», schrieb das Bundesgericht schon bei der ersten Beschwerde Anfang Jahr.

«Er sieht darin einen Angriff auf seine Ehre und in den Scheidungsabsichten seiner Ehefrau einen Verrat, den es zu rächen gilt.» Via Sprachnachricht, so das Bundesgericht, «beschimpft er den neuen Freund der von ihm getrennt lebenden Ehefrau aufs Übelste und bedroht ihn und seine Sippe in Afghanistan mit dem Tod, wobei er explizit darauf verweist, dass er im Krieg getötet habe und dementsprechend dazu ohne weiteres fähig sei». Der Ehemann soll den Freund als «Unmenschen» betitelt haben, seine Frau und der Freund seien «beide Dreckschweine», und sie würden «sehen, was eines Tages mit euch passieren wird».

Laut Aussagen der Kinder des Ehepaars sei die Mutter nach Streitigkeiten mehrmals bewusstlos auf dem Boden gelegen, einmal habe der Vater versucht, ihr ein 25 Zentimeter langes Messer in den Bauch zu stechen.

Gutachterin: «Hohes Risiko»

Seit Oktober 2017 sitzt der Ehemann in Untersuchungshaft. Eine solche wird vom Zwangsmassnahmengericht jeweils für drei Monate ausgesprochen und dann auf Antrag verlängert. Schon bei der ersten Verlängerung bis 13. Februar bemühte der Ehemann das Bundesgericht. Dieses sah die U-Haft aber als gerechtfertigt an. Es bestehe der dringende Verdacht, «dass der Beschwerdeführer seine Frau misshandelte, beschimpfte und bedrohte». Und es sei ernsthaft zu befürchten, dass der Ehemann in Freiheit versuchen könnte, seine Todesdrohungen zu verwirklichen.»

An dieser Einschätzung hat sich nichts verändert – im Gegenteil. In einem mittlerweile erstellten psychiatrischen Gutachten kommt die Expertin zum Schluss, «dass der Beschwerdeführer für die Ehefrau und – im Rahmen eines möglichen Mitnahmesuizides – die gemeinsamen Kinder sowie den Freund der Ehefrau gefährlich» sei. Es bestehe ein «hohes Risiko», dass er «die geäusserten Drohungen ausführt».

Das Urteil des Bundesgerichts wurde erst diese Woche publiziert, die angefochtene Verlängerung der U-Haft bis zum 13. Mai war zu diesem Zeitpunkt abgelaufen. Aber die Ehefrau kann beruhigt sein: Der mutmassliche Täter sitzt bereits im vorgezogenen Strafvollzug, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage sagt. Die Anklage werde demnächst erhoben.