Museum Schneggli in Reinach
Geranien – die einen lieben sie, die andern hassen sie

Das Reinacher Museum Schneggli widmet der Blume eine ganze Ausstellung.

Michael Küng
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Geranien Ausstellung
6 Bilder
Das «Schneggli» zeigt Geranien in natura und in der Kunst.
Über 30 Geraniumsorten sind zu sehen.
Einige Sorten sind praktisch ausgestorben.
Foto vom Geranium als beliebter Bauernhaus-Schmuck.
Auch in den Städten spielt das Geranium eine wichtige Rolle.

Geranien Ausstellung

Michael Küng

Vor bald 20 Jahren wäre das Museum Schneggli beinahe abgebrannt. Dank der Feuerwehr und dem beherzten Eingreifen von Helfern konnte es gerettet werden. Unter den Helfern war auch Ursula Rüesch, die nun, zwei Jahrzehnte später, die neuste Ausstellung im Museum präsidiert.

Sie steht ganz im Zeichen der Geranien, den beliebtesten Balkonpflanzen des Landes. Auf zwei Stockwerken führt das Team von Ursula Rüesch gemeinsam mit Beat Hächler, dem ehemaligen Co-Leiter vom Stapferhaus Lenzburg und heutigen Direktor des Alpinen Museums der Schweiz in Bern, durch die Geschichte und Botanik des Geraniums.

Hächler steuerte viel Fachwissen und einige Pflanzen bei. Dabei handelt es sich um alte Sorten, die das Alpine Museum vor allem in der Region Bern auf Bauerhöfen sucht und vor dem Aussterben bewahrt, wie Ursula Rüesch erzählt.

Aus Südafrika ins Wynental

Seinen Ursprung hat der bunte und robuste Balkonschmuck in Südafrika, von wo er per Schiff nach Holland gekommen ist. Wie genau das Geranium seinen Weg in die Schweiz gefunden hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Sicher ist, dass die Geranien zuerst beim reichen Patriziat in den Städten en vogue waren: Sie waren ein teurer Luxus.

Ausgeprägter Preiskampf

«Geranien werden in der Schweiz jedes Jahr einige hunderttausend verkauft», sagt Othmar Ziswiler vom Gärtnerverband Jardin Suisse. Speziell sei, dass das beliebte Gewächs im Detailhandel gerne in der Werbung verwendet und deshalb oft zum Aktionspreis angeboten werde. «Der Preiskampf ist sehr ausgeprägt», sagt Ziswiler. So wirbt aktuell die Landi mit einem Preis von nur 1.45 Franken für eine Geraniumpflanze.

Erst im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Fassadenschmuck im Bernischen von Bauerhaus zu Bauerhaus, immer schneller, bis die ganze Schweiz der roten Blüte aus Südafrika verfallen war. Die Stadt Bern begründete den Graniummärit auf dem Bundesplatz, der 1982 rund 20 000 Pflanzen absetzte und noch heute stattfindet. 1984 bescherte das Geranium Bern gar die Wahl zur «schönsten Blumenstadt Europas», wie die Ausstellung in Reinach ihren Besuchern verrät. Über 30 verschiedene Sorten werden ab der Vernissage am 10. Mai (19 Uhr) zu sehen sein.

Nebst solchen aus alten Zeiten können dank Hans Lang Gartenbau aus Reinach auch aktuelle Sorten gezeigt werden. Das Unternehmen stellt der Ausstellung ebenfalls zahlreiche Pflanzen zur Verfügung. Dazu kommen Fotografien aus dem Wynental und Gemälde, von denen einige eigens für die Ausstellung im «Schneggli» gemalt worden sind.

Kochen, Heilen und Gedeihen

An zwei Wochenenden (11./12. und 18./19. Mai) organisiert der Landfrauenverein Reinach-Leimbach vor dem Schneggli einen Geranienmarkt. Weiter runden zwei Vorträge Angebot ab. An der Vernissage wird Beat Hächler eine Einführung mit dem Titel «Erinnern Sie sich an Daktari?» geben und am 26. Mai (15 Uhr) referiert Drogist Martin Sommerhalder aus Burg über die Heilpflanze Pelargonium und ihre vielseitige Anwendung.

Durchgehend bietet die Ausstellung ihren Besuchern ausserdem einen kleinen Wettbewerb, der sich durch die ganze Ausstellung zieht und Gewinnern ein Gratisgetränk im schmucken (Geranium-) Café des Schneggli beschert. Wer mag, kann am Ende sogar Rezepte mit nach Hause nehmen, die zeigen, wie Geranien im Kochtopf verwendet werden können. Etwa für Kräuterbutter, Pelargonienessig, Gischgratin oder Duftzucker für das Süssen von Früchten und Tee.

«Unser Geranium» Ausstellung im Museum Schneggli, Reinach, vom 10. Mai bis
2. Juni, geöffnet jeweils Samstag und Sonntag von 13.30 bis 17 Uhr.

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