Muhen
Gemeindeschreiber verlässt Dorf an der Suhre und geht ins Städtchen an der Aare

Nach 16 Jahren als Gemeindeschreiber geht Alfred Müller von Muhen nach Aarburg. Dies sei eine neue Herausforderung für ihn, denn Aarburg hat beinahe doppelt so viele Einwohner wie Muhen, entsprechend ist auch die Verwaltung grösser.

Christine Fürst
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Oft geht Alfred Müller in den Müheler Wald joggen. Trinkwasser spendet ihm der Brunnen beim Waldhaus. Emanuel Freudiger

Oft geht Alfred Müller in den Müheler Wald joggen. Trinkwasser spendet ihm der Brunnen beim Waldhaus. Emanuel Freudiger

Emanuel Per Freudiger

Mit dem Velo wird Alfred Müller wohl bald nicht mehr zur Arbeit radeln können. Auch zu Hause Zmittag essen wird nicht mehr jeden Tag möglich sein. Auf Anfang des neuen Jahres wechselt der Müheler Gemeindeschreiber nach Aarburg. Der Wechsel vom Dorf Muhen in das Städtchen Aarburg sei für ihn eine Herausforderung, die er annehmen möchte. «Wenn nicht jetzt, wann dann?», sagt der 51-Jährige.

Aarburg hat rund 7200 Einwohner, Muhen 3700. Mehr Einwohner bedeutet eine grössere Verwaltung. «Es hat mich gereizt, die Leitung einer grossen Verwaltung mit einer anderen Struktur zu übernehmen», sagt Müller. In Aarburg könne er sich vor allem auf die Gemeindeschreiberarbeit konzentrieren, was bis jetzt in Muhen nicht möglich war.

Weil die Verwaltung kleiner ist, musste Müller auch ab und zu an den Schalter der Einwohnerkontrolle und dort Arbeiten übernehmen. Doch ein Müssen war das für Alfred Müller eigentlich nicht. «Der Kontakt zur Bevölkerung war mir immer sehr wichtig», sagt Müller. Er habe den Bürgerinnen und Bürger gerne geholfen, beispielsweise rechtliche Angelegenheiten zu klären. «Ich habe aber auch gemerkt, dass das Vertrauen vonseiten der Bevölkerung da war, das hat mich in meiner Arbeit bestärkt.»

Mit der Lehre hat alles begonnen

Als Alfred Müller vor 16 Jahren Gemeindeschreiber wurde, war ihm Muhen keineswegs unbekannt. Der Ortsbürger von Muhen zügelte im Alter von 12 Jahren ins nahe gelegene Staffelbach. In Schöftland ging er in die Bezirksschule. Seine Lehre absolvierte er auf der Gemeindekanzlei in Muhen beim damaligen Gemeindeschreiber Bruno Baumann. Fünf Jahre amtete er danach als stellvertretender Gemeindeschreiber von Baumann, bis er als Gemeindeschreiber nach Gontenschwil wechselte. Als in Muhen eine Nachfolge für Baumann gesucht wurde, hat Müller nicht gezögert, sich beworben und den Job bekommen. «Bruno Baumann war mir ein guter Lehrmeister», sagt er.

«Alfred Müller war eher ein ruhiger Typ, er hat seine Arbeiten exakt erledigt und war immer pünktlich», schaut Bruno Baumann zurück. «Alfred hatte damals auch die Gelegenheit, bei der Modernisierung der Verwaltung mitzuwirken.» Mit seinem Stellvertreter Müller sei er zufrieden gewesen.

«Es war ein happiger Start in Muhen», sagt Müller rückblickend. Es brauchte eine gewisse Zeit, bis er in die neuen Abläufe und Strukturen eingearbeitet war. Die Gemeindeaufgaben seien stets umfangreicher und komplexer geworden, zu Beginn war er noch Zivilstandsbeamter. «Die gute Atmosphäre in unserem Team hat sicher vieles vereinfacht», sagt er.

Negative Erinnerungen werde er nur wenige mitnehmen. Schwierig seien jeweils die Gespräche mit Angehörigen bei einem Todesfall gewesen. «Doch ich war froh, wenn ich den Menschen in diesen Situationen helfen konnte», sagt Müller. Damit er abschalten konnte, ging er jeweils in den Müheler Wald unweit seines zu Hauses in Obermuhen joggen. Einige Kilometer in der Natur und der Kopf war wieder frei.

Als Einwohner bleibt er Muhen treu

16 Jahre blieb Müller auf der Müheler Verwaltung. 16 Jahre, in denen sich einiges verändert hat: «Heute schauen die Bürger vermehrt auf eigene Interessen», sagt er. Es gebe mehr Beschwerden und Vorstösse an den Gmeinden.

In dieser Zeit hat Müller drei Gemeindeammänner erlebt. So beschreibt Cornelia Wüthrich, Müheler Ammann, Müller als angenehmen und loyalen Gemeindeschreiber. «Ich kann mich voll und ganz auf ihn verlassen.» Er strahle Ruhe und Zufriedenheit aus. «Er geht die Anliegen mit grossem Ernst an, hat aber eine erfrischend humorvolle Art, gewisse Schritte zu kommentieren.» Müller wiederum sagt, er habe das gute Verhältnis zwischen Verwaltung, Gemeinderat, Kommissionen und Bürger immer sehr geschätzt. «Das findet man nicht in jeder Gemeinde.»

Nun wird Müller seine beruflichen Zelte in Aarburg aufschlagen, als Einwohner bleibt er Muhen jedoch treu. Ein solcher Wechsel sei zwar immer mit Ungewissheit verbunden, aber: «Ich habe eigentlich keine Mühe, etwas loszulassen und Neues anzufangen.» Am 1. Januar wird Müller am Neujahrsapéro in Aarburg sein und dort einen ersten Eindruck «seiner neuen Gemeinde» bekommen. Und eine Person kennt er bereits: Mit seinem künftigen Stellvertreter Urs Wicki hat er die Gemeindeschreiberschule absolviert.

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