In Reinach wird am kommenden Sonntag gewählt: Besetzt werden muss der frei werdende Gemeinderatssitz von Thomas Brem (SVP), der aus beruflichen Gründen zurücktritt. Der Sitz ist begehrt. Drei Kandidaten stellen sich zur Kampfwahl: Thomas Flühmann (SVP), verheiratet und in Reinach aufgewachsen; Julius Giger (Parteilos), verheiratet, seit 26 Jahren in Reinach wohnhaft und Etienne Pfranger (Grüne), ledig, wohnt seit 2017 in Reinach.

Welche konkreten Anliegen würden Sie als Erstes aufgreifen, falls Sie gewählt werden?

Thomas Flühmann: Im Vordergrund steht das mir zugeteilte Ressort. Bevor ein Anliegen aufgegriffen werden kann, muss ich mich zuerst gründlich einlesen und mir ein Bild vom Ressort machen können. Aber als Reinacher Bürger liegt mir einerseits das Wohl der Bevölkerung wie auch das der Gemeinde sehr am Herzen. Die Bevölkerung soll sich hier wohl und sicher fühlen. Reinach muss finanziell gesund, und der Standort soll attraktiv bleiben.

Julius Giger: Wie weiter mit dem ehemaligen Draht-Vogt-Areal.

Etienne Pfranger: Dies kommt darauf an, welches Ressort ich letztlich erhalten würde. Mein grösstes Anliegen wäre es, die Bauwut einzuschränken. Reinach hat eine sehr grosse Anzahl von leerstehenden Wohnungen, die der Gemeinde zusätzliche Kosten verursachen und keinen Nutzen haben. Mein Lieblingsprojekt wäre, aus der Brache an der Tunaustrasse einen Badesee mit Park zu machen, um so einen Naherholungsort in Reinach zu schaffen.

Was ärgert Sie am meisten an der Gemeinde Reinach?

Thomas Flühmann: Grundsätzlich nichts, ausser dem Verkehrsknoten «Hochhauskreuzung». Ob die Lösung «Kreisel» eine markante Verbesserung bewirkt, kann ich nicht sagen. Vorteilhaft wäre zudem, wenn es wieder mehr Industrie- und Dienstleistungsbetriebe mit neuen Arbeitsplätzen geben würde.

Julius Giger: Dass wir gegen aussen zum Teil negativ wahrgenommen werden.

Etienne Pfranger: Das extreme Verkehrsaufkommen an der Hauptstrasse direkt bei beiden Schulhäusern und die Bauwut. In Reinach gibt es viel zu viele quadratische Wohnkästen. Dies ist zwar nur eine Randnotiz, aber der Kiesplatz beim Centralschulhaus und die Pilze waren auch nicht sonderlich wohlüberlegt, da der Kies am Schluss meist im Schulzimmer landet und die Pilze mussten nochmals saniert werden.

Was gefällt Ihnen am besten?

Thomas Flühmann: Schwierig zu sagen. Vorteile sind sicher die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten sowie die verkehrstechnische Lage in alle Richtungen. Auch der nahegelegene Hallwilersee und die Naherholungsgebiete Sonnenberg, Homberg und Stierenberg. Was will man mehr?

Julius Giger: Unsere Naherholungsgebiete in der Region und der öV: Welches Dorf hat schon drei Zug-Haltestellen?

Etienne Pfranger:  Die gute Zusammenarbeit des Gewerbes untereinander und mit der Schule. Mir persönlich fällt auf, wie weit Reinach schon ist, wenn es um Fragen der Migration geht. In der Schule geht es momentan sehr friedlich zu und auch im Dorf muss ich mir keine Sorgen machen, wenn ich abends noch spazieren gehe.

Wie stehen Sie zum Projekt Kreisschule aargauSüd?

Thomas Flühmann: Positiv. Die Schulqualität soll möglichst hoch bleiben. Es bestehen aber kantonale Vorgaben, die zu einer Veränderung führen werden. Den Schüler/innen soll ein möglichst grosses Angebot an Freifächern zur Verfügung stehen sowie spezielle Fördermassnahmen angeboten werden.

Julius Giger: Die laufende Debatte hat gezeigt, dass dieses Projekt offenbar nicht restlos durchdacht ist und es eventuell Verbesserungspotenzial hat.

Etienne Pfranger: Ich stehe diesem zum Teil skeptisch gegenüber, da das Schliessen von Gontenschwil zu längeren Schulwegen führen wird. Aufgrund der anstehenden Renovierungsarbeiten am Centralschulhaus halte ich es für unklug, jetzt einen Schulstandort aufzugeben, dessen Schulräume wir möglicherweise brauchen könnten. Sollten wir durch nicht vorhersehbare Vorkommnisse gezwungen werden, Container aufzustellen, kommt dies deutlich teurer. Gleichzeitig halte ich wenig von zu grossen Schulen, da diese immer unpersönlicher werden und zu mehr Bürokratie führen und zu weniger Überblick.

Ich sehe natürlich die Vorteile, da wir so wieder mehr Freifächer durchführen können und Schülern, die an einem Standort Schwierigkeiten hatten, eine neue Chance an einem anderen Standort ermöglichen können.