«Ich wollte immer in Menschen investieren», sagt Peter Michel über sein Engagement im Gemeinderat Unterkulm, dem er seit Juli angehört. Das war auch der Grund, warum er in den 90er-Jahren seinen Beruf als Autospengler aufgab und zusammen mit seiner Frau am Bildungszentrum Bienenberg in Liestal eine theologische Ausbildung in Angriff nahm. Während eines Praktikums zwischen den beiden Studienjahren reisten Peter und Corinna Michel zum ersten Mal in den Senegal.

Das Land faszinierte sie derart, dass sie beschlossen, dorthin zurückzukehren. Im Jahr 2002 wanderte die junge Familie, zu der unterdessen die zweijährige Tochter Seraina gehörte, in das westafrikanische Land aus, um die Arbeit der christlichen Organisation WEC International (Weltweiter Einsatz für Christus) zu unterstützen. Die ersten Jahre verbrachten Michels im Norden des Landes, in dieser Zeit kam Sohn Josia zur Welt.

Die zweite Heimat

Der nächste Einsatzort lag im Süden des Senegals. Noch immer nennen Peter und Corinna Michel dieses Gebiet ihre Heimat. Sie fanden Freunde, die sie in ihre Familie aufnahmen. Peter baute eine Töffliwerkstatt auf und half später neuen Mitarbeitern von WEC International, sich im fremden Land zurechtzufinden.

Corinna, die gelernte Krankenschwester, unterstützte die Einheimischen in medizinischen Belangen. Sie richtete auch ein Patenschaftsprojekt ein, um Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Senegal ist ein islamisch dominiertes Land. Hatten die Michels nie Angst als Christen? «Nein», antwortet Peter Michel. «Es herrscht Religionsfreiheit und vor allem im Süden gibt es viele Katholiken und christlich geführte Projekte.»

Obwohl betont, dass es im Senegal sicher sei, erlebte die Familie Michel kritische Situationen. «Es gab unweit der Stadt zeitweise Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen», erzählt Peter Michel. «Doch es bestand ein Evakuierungskonzept der Franzosen, das uns einschloss.» Das mussten sie jedoch glücklicherweise nicht in Anspruch nehmen.

Kinder sollten Deutsch lernen

Trotzdem kehrte die Familie 2012 in die Schweiz zurück. «Die Kinder sollten richtig Deutsch lernen», erklärt Peter Michel. «Wir haben zwar Mundart mit ihnen gesprochen, Hochdeutsch war für sie allerdings eine Fremdsprache.» Von der Chrischona Schweiz kam das Angebot für die Pastorenstelle in Unterkulm. Das Wynental war für Peter Michel, der im luzernischen Inwil aufgewachsen ist, zwar ein unbekanntes Gebiet, doch die Familie fühlte sich rasch wohl. Deshalb blieben die Michels auch nach der Auflösung der Chrischona-Gemeinde. Peter Michel ist heute Betreuer in einer Institution für psychisch beeinträchtigte Menschen, Corinna Michel tritt bald bei der Spitex eine neue Stelle an.

Mit der Abteilung Soziales, Sport und Kultur konnte Peter Michel als Gemeinderat sein Wunschressort übernehmen. «Ich freue mich, dass in Unterkulm ein Projekt anläuft, das Sozialhilfeempfängern und Asylsuchenden eine Beschäftigung ermöglicht», sagt er. «Ich weiss, wie es ist in einem Land fremd zu sein. Ich sehe die Bedürfnisse der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, denn im Senegal waren wir die Fremden und benötigten Hilfe, um uns zurechtzufinden.»