An der Kreisschule Mittleres Wynental muss man über die Bücher: Die Referendumsabstimmung in Oberkulm ging deutlich bachab, die Stimmbürger sagten ein zweites Mal Nein zu einer Pensenerweiterung bei der Schulsozialarbeit. Die beiden anderen Partnergemeinden Teufenthal und Unterkulm hatten das Begehren bereits im Herbst gutgeheissen. Weil die Schulsozialarbeit ein gemeinsames Projekt von vier Schulen (den drei örtlichen Primarschulen und der Kreisschule Mittleres Wynental) ist, muss die Schulleitung der Kreisschule jetzt schauen, in welcher Form die Schulsozialarbeit mit diesen ungleichen Vorzeichen weiter angeboten werden kann.
Die vertrackte Situation an der Kreisschule Mittleres Wynental macht stutzig: Praktisch jede überregionale Schule hat heute eine Schulsozialarbeit. Wie lösen denn das die anderen? Was passiert, wenn sich die Vertragsgemeinden nicht einig sind?


Vorteil Kreisschulrat


Eine Umfrage in der Region zeigt, dass Schulverbände mit einem Kreisschulrat oder Vorstand als oberstes Organ klar im Vorteil sind. Der Kreisschulrat hat Budgethoheit und entscheidet für die ganze Schule. Wichtige Entscheide unterstehen dem Referendum, meist dem fakultativen, zum Teil dem obligatorischen. Zu einer Urnenabstimmung kommt es beispielsweise, wenn ein bestimmter Betrag überschritten wird. An der Kreisschule Entfelden etwa ist dies bei einer einmaligen Ausgabe von 1 Million Franken oder jährlich wiederkehrende Kosten von 150 000 Franken der Fall. Das Zentrale hierbei: Zum Schluss gilt, was eine Mehrheit beider Gemeinden zusammen befindet. «Damit können wir natürlich solches umgehen, wie es in Oberkulm passiert ist», sagt Irène Vogel, Schulpflegepräsidentin der Kreisschule Entfelden.
Ähnliches sagt Daniel Schmid, Präsident der Kreisschulpflege Homberg. Diesem Schulverband sind sechs Gemeinden angeschlossen. Entscheide könnten so direkter gefällt und umgesetzt werden. Das Budget werde von der Kreisschule verwaltet und die Leistungen an die Ortsschulen weiterverkauft, so Schmid.
Im konkreten Fall der Schulsozialarbeit heisst das, dass die Kreisschule gemeinsam mit den Primarschulen das Angebot für sich selber festlegt und koordiniert und gleichzeitig als Dienstleistung den örtlichen Primarschulen weiterverkauft. «Dazu braucht es natürlich genaue Leistungskontrollen seitens der Schulsozialarbeit», so Schmid.
Wenn die Bedürfnisanalyse zeige, dass an einer Ortsschule eine Aufstockung nötig sei, müsse das Gespräch mit der entsprechenden Gemeinde gesucht und über den politischen Weg eine Aufstockung beantragt werden – genauso geschehen vor Jahresfrist in Leimbach: Die Verbandgemeinde hatte einer Pensenerhöhung um fünf Prozent zugestimmt. «Wenn sich eine Gemeinde gegen die Erhöhung stellt, ist dieser politische Entscheid natürlich zu akzeptieren.» Die Leistungen müssten dann dementsprechend beschränkt werden.
Einen Kreisschulrat hat die Kreisschule Buchs-Rohr zwar auch. Kommt es hier aber zu einer Urnenabstimmung, bildet jede Gemeinde einen Abstimmungskreis, wie Thomas Merkofer, Bereichsleiter Administration der Kreisschule Buchs-Rohr erklärt. Eine Vorlage gilt erst dann als angenommen, wenn beide Gemeinden zustimmen. In dem Fall müsse ein Projekt – ähnlich wie an der Kreisschule Mittleres Wynental – überarbeitet werden und den ganzen Instanzenweg noch einmal durchlaufen.


Es gibt kein Vorzeige-Modell


Am Beispiel Schulsozialarbeit wird deutlich, wie unterschiedlich die Oberstufenregionen funktionieren – jedenfalls in Belangen, die in Gemeindehoheit liegen. Dazu gehört die Schulsozialarbeit, genauso wie etwa der Schulhausabwart oder die Schulraumorganisation.
Der Kanton gibt zwar bezüglich der Schulsozialarbeit Empfehlungen ab, in denen verschiedenen Trägermodelle vorgestellt und deren Vor- und Nachteile erläutert werden, am Schluss «liegt es aber in der Hand der einzelnen Gemeinden, wie sie ihre Zusammenarbeit organisieren wollen», sagt Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule des Kantons Aargau. «Es gilt auch hier das Äquivalenzprinzip – wer zahlt, befiehlt», so Aeberli weiter. Und nachdem die Verantwortung zur Einrichtung, Führung und Finanzierung der Schulsozialarbeit bei den Gemeinden liege, halte sich der Kanton hier raus. «Ausserdem zeigt diese Verschiedenheit, dass sich kein System durchgesetzt hat.» Deshalb gebe es seitens des Bildungsdepartements auch keine Bestrebungen, an dieser System-Vielfalt etwas zu ändern.
Zur Frage, welches das beste Modell im Bezug auf die Handlungsfähigkeit einer Schule sei, will sich der Leiter der Abteilung Volksschule nicht äussern – nicht im Bezug auf die Schulsozialarbeit und nicht auf Art und Weise der schulischen Zusammenarbeit der Gemeinden im Allgemeinen. Denn auch hier sind die politischen Einheiten frei, ob sie eine gemeinsame Schule als Verband mit Kreisschulrat führen oder die Zusammenarbeit einfach mittels Vertrag regeln wollen. Der Kanton bewilligt lediglich das Vorhaben. Erst wenn sich Gemeinden gar nicht finden, dann muss er intervenieren.
Im Falle der Schulsozialarbeit der Kreisschule Mittleres Wynental muss die Schulleitung den Gordischen Knoten für ihre Gemeinden selber zerschlagen.