Was für ein Tag! Da betitelt Roman Kilchsperger beim Proben die Suhrentaler Metropole Schöftland ungestraft als Kaff. Man kennt sein loses Mundwerk. Es ist Donnschtigjass, die Kultsendung vor SRF im 29. Jahr, und wenn der Moderator frotzelt, es wäre schön gewesen in Boswil, «aber jetzt simmer halt da», lässt das die Schöftler kalt: Sie geniessen ihr Sommerfest, weil ihre Jasser letzte Woche in Murten Boswil besiegt haben.

Manch einer staunt, was hinter einer solchen Sendung steckt. Die Proben beginnen um 13 Uhr. Werner Walker aus Altdorf und Viktor Schicker aus Baar kennen das. Sie reisen seit Jahren den Jass-Orten nach, sind schon seit 10 Uhr auf dem Festplatz. Walker zeigt stolz sein T-Shirt mit den Unterschriften der Stargäste. «Da, der Chappi, und da auf dem Rücken, der Berset, Bundesrat», sagt der Urner.

Donnschtigjass in Schöftland

Donnschtigjass in Schöftland

Die beiden Schöftler Gärtnereien tragen prächtigen Blumenschmuck auf: Die Sonnenblume passt zum (Jass-)Kaiserwetter im Schlosshof. Ein ausnehmend geeigneter Austragungsort, hört man öfter: kompakt, rund, nicht ein Schlauch wie in Murten vor einer Woche, wo man in den hintersten Reihen kaum etwas gehört habe. Walker und Schicker haben kein Problem: Wer früh da ist, kann auswählen.

Vereine sind aktiv dabei

Die Schöftler Vereine vom Natur- und Vogelschutz über die Pilzler und die Senioren bis zum Männerchor nehmen die Chance wahr, ihren Vereinskassen Gutes zu tun: Zehn Franken pro Mann- und Fraustunde erhalten sie. Und wenn der Anlass Gewinn abwirft, gibt’s noch etwas mehr. Die Ausgaben anderseits seinen auch nicht ohne, meint Gemeindeschreiber Ruedi Maurer: Bänke, Blumenschmuck. Die Infrastruktur, abgesehen von den fernsehspezifischen Anlagen.

Die Bänke füllen sich. Nicht nur die beiden Teams aus Ascona und Muralto haben reservierte Tische. «Wir üben für den Ernstfall», sagt Edi Müller. Die Engelberger haben Jassteppiche ausgelegt und spielen den ganzen Nachmittag Differenzler. Am 25. Juli treten sie in der Ostschweiz gegen Sarnen an und spielen damit um die Ehre, auch ein solches Fest wie in Schöftland ausrichten zu dürfen. Mit dabei ist auch der pensionierte Klosterschreiner Paul Kiener, ein urchiger Innerschweizer mit Hut, Vollbart und Pfeife.

Beübtes Publikum

Naina Kreyss vom Schöftler Betreibungsamt ist eine junge Frau für viele Fälle. Sie markiert Pepe Lienhard fürs spontane Interview, haut bei der Probe aber auch für Peter Keller, Kilchspergers Einstein und Sieger eines Castings, den Lukas. Die Show-Acts wollen trotz eingespielter Musik geübt sein: Wo steht wann welche Kamera? Schnittbesprechung heisst das im Jargon.

Auch Pepe Lienhard mit Monique und Sarah-Jane müssen ihre Swiss-Lady mehrmals bringen. Und was ist eine Live-Sendung ohne Applaus? Reto Scherrer animiert, was das Zeug hält; die Schlager-Boygroup Voxxclub steht auf die Bänke, und zu ihrem Lederhosen-Ohrwurm «Rock me» gilt es, rhythmisch zu klatschen.

Freie Nacht

Und das Jassen? Die Zuschauer fiebern und spekulieren dank Monitoren allenthalben mit. «Er hätte mit dem Ass stechen sollen», meint Paul Kiener. Und wirklich: Am Ende fehlen dem Telefonjasser neun Punkte. Ascona siegt mit 48 Differenzpunkten gegenüber 69 von Muralto. Oder wars gerade umgekehrt? Das interessiert nur die Tessiner (mit grossmehrheitlich deutschen Namen wie Huber, Vonlanten oder Nötzli).

«Ein wunderbares Sommernachtsfest», sagt OK-Präsident Thomas Buchschacher nach der Sendung am Verpflegungsstand. Viel wichtiger ist fürs Volk, mehr als 2000 Leute, dass Gemeindeammann Hans Müller zur Feier des Tages, seinem «unplanbaren Karrierehöhepunkt» – er tritt nach 24 Jahren auf Ende 2013 zurück – eine Freinacht ausruft. In milder Nacht floss das Bier in Strömen bis in den Morgen hinein.