Bottenwil hat es nicht leicht. Die Bevölkerung stagniert bei 780 Einwohnern, der Steuerfuss ist mit 119 Prozent einer der höchsten im Kanton. Geht's ums Geld, wird in Bottenwil Wünschbares vom Notwendigen getrennt. Oft spielt hier der Finanzausgleich das Zünglein an der Waage.

Die Gemeinde in der Enge des Uerkentals ist deshalb kein Magnet für Neuzuzüger. Das weiss auch Heinz Gerber, seit Anfang Jahr Gemeindeammann: «Als kleines Dorf stehen wir vor grossen Herausforderungen.» Doch Gerber, der diesen Monat den 44. Geburtstag feiert, weiss auch, was Bottenwil im Gegensatz zu anderen kleinen Dörfern zu bieten hat:

Bürger engagieren sich

Einen Dorfladen für den schnellen Einkauf, das «Pöstli» fürs Feierabendbier – und ein funktionierendes Dorfleben mit vielen Vereinen. Das zeigt sich jeweils an der Gemeindeversammlung, die fast jeder sechste Stimmbürger besucht. Davon können andere Gemeinderäte im Kanton nur träumen.

Eines macht Bottenwil für Heinz Gerber zudem ganz besonders: «Wir sind weitherum die einzige Gemeinde mit Badi und Skilift.» Das ist Gerbers Standardantwort, wenn er gefragt wird, was Bottenwil bieten kann. Und diese Frage stellen Auswärtige oft.

Der Schule droht die Schliessung

Fragen zur Zukunft Bottenwils stellt sich auch Heinz Gerber. Sein Vorgänger Hans-Jörg Beutler setzte sich aufs Velo, um nachzudenken. Heinz Gerber geht dafür mit Hund
Pino in den Wald. «Ich bin eher der ruhige Typ, der zuhört, aber auch seine Meinung sagt.»

Freizeit habe er wenig, als Gemeindeammann reduziert der Mechaniker sein Vollzeitpensum nicht. «Wir sind im Gemeinderat bestens organisiert und haben eine gute Verwaltung.»

Der Schuh drückt den Bottenwilern aber nicht nur bei den Finanzen. Eine weitere Druckstelle ist die Zukunft der Primarschule. Weil die Zahl der Schüler stagniert, droht dieser das Aus – es sei denn, neue Familien lassen sich nieder. Das Problem: Bottenwil ist geprägt von Einfamilienhäusern, Eigentums- und Mietwohnungen sind rar. «Ich weiss von Familien, die nach Bottenwil zügeln möchten, aber keine Wohnung finden», bedauert Heinz Gerber.

«Fusionen sind politisch verbaut»

Mit der Zukunft der Schule verbunden ist die Frage, ob und wie lange Bottenwil noch für sich alleine sorgen kann. Heinz Gerbers Vorgänger Hans-Jörg Beutler machte dazu 2002 nach der Wahl zum Gemeindeammann eine glasklare Ansage: «Solange ich Ammann bin, bleiben wir selbstständig.» Wie hält es Heinz Gerber mit Fusionen?

«Mittelfristig bleiben wir eigenständig», sagt er. Eine Fusion sei im Dorf kein Thema. Denn Sinn mache eine solche nur mit Zofingen. «Nach dem Nein zur Fusion von Uerkheim mit Zofingen sind jedoch Fusionen in der Region für die nächsten Jahre politisch verbaut.»

Heinz Gerber und seine Gemeinderatskollegen setzen deshalb auf die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Gemeinsam wird unter anderem die Feuerwehr geführt. Nun sucht Bottenwil auch eine regionale Lösung für das Bau- und Forstamt. «Hier stehen wir jedoch noch in der Anfangsphase», so Gerber.

Ein weiteres Problem, das die Eigenständigkeit bedroht, kommt zudem von innen: Denn die Bereitschaft, sich für ein Amt zur Verfügung zu stellen, nimmt ab. «Es ist oft schwierig, Leute zu finden», sagt Heinz Gerber. «Das ist bedauerlich und schadet der Dorfgemeinschaft.»