Reinach
Gemeinde will Pferdebahn legalisieren

Die kantonale Vorprüfung fiel negativ aus – der Gemeinderat hält an der Schaffung einer Spezialzone fest.

Rahel Plüss
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Die 460 respektive 800 Meter langen Trainingsbahnen für Galopprennpferde im unteren Lenz sind zonenwidrig.

Die 460 respektive 800 Meter langen Trainingsbahnen für Galopprennpferde im unteren Lenz sind zonenwidrig.

Rahel Plüss

Seit 15 Jahren trainieren die Specks auf einer eigens, in unmittelbarer Nähe zu ihrem Bauernhof angelegten Trainingsbahn Galopprennpferde. Der Haken an der Sache: Die Bahn wurde nie bewilligt.

Zwar hatte die Gemeinde für die Errichtung der beiden 460 respektive 800 Meter langen Galoppstrecken vor Jahren grünes Licht gegeben, ein vom Kanton nachträglich eingefordertes Baugesuch wurde aber abgewiesen.

Die Trainingsbahn befindet sich ausserhalb des Baugebiets und hat keinen landwirtschaftlichen Nutzen. Die Betreiber züchten und trainieren auf ihrem Hof Rennpferde.

Weil sie den Entscheid angefochten haben, verzögerte sich der geforderte Rückbau der Bahn immer wieder aufs Neue. Nun will der Gemeinderat die Anlage mit der Ausscheidung einer Spezialzone legalisieren.

Spezialzone als separate Vorlage

Eigentlich wollte man die Einrichtung dieser Spezialzone in die Gesamtrevision der Reinacher Nutzungsplanung einbinden. Nachdem sich aber die Abteilung Raumentwicklung des Kantons Aargau in einer ersten Stellungnahme kritisch dazu geäussert hatte, entschied man sich, die Trainingsbahnfrage als separate Vorlage einzureichen.

Prompt fiel die kantonale Vorprüfung negativ aus. «Verschiedene raumplanerische Gründe» würden gegen die Bezeichnung einer Spezialzone «Trainingsbahnen für Pferde» sprechen, heisst es im Prüfbericht.

Die Trainingsbahnen befänden sich gemäss Richtplan in einer Landschaft von kantonaler Bedeutung, argumentiert die Abteilung Raumentwicklung. Ausserdem lägen sie im Randbereich des geomorphologischen Objekts «Moränen der Würm-Maximalvereisung bei Zetzwil/Gontenschwil», das ebenfalls von kantonaler Bedeutung ist.

Der Kanton moniert weiter, dass eine über die Grundausbildung hinausgehende Ausbildung von Rennpferden keine landwirtschaftliche, sondern eine gewerbliche Tätigkeit sei und deshalb den Anweisungen des kantonalen Richtplans wiedersprechen würden.

Für die Interessensabwägung bei der Ausscheidung einer Spezialzone im Kulturland sei zudem das öffentliche Interesse an der Sache von Bedeutung, um die Abweichung der vom Bund geforderten Trennung zwischen Siedlung und Nichtsiedlung zu begründen. Für den Kanton ist gemäss Bericht keine regionale Ausstrahlung erkennbar.

Die Gemeinde hält an der Vorlage fest. «Die Trainingsbahnen beeinträchtigen das Landschaftsbild nicht», sagt Gemeindeammann Martin Heiz. Im Gegenteil, die Leute hätten Freude an den Pferden.

«Bei uns ist in all den Jahren nicht eine Reklamation eingegangen», so Heiz. Ausserdem würde sich die Spezialzone ja auch nicht auf das gesamte Landstück, sondern nur auf die vier Meter breite Sand-Schnitzel-Bahn beziehen.

Das übrige Land werde weiterhin als Landwirtschaftsfläche genutzt. Im Moment weiden im Inneren der Trainingsbahnen Kühe.

Fruchtfolgeflächen gesichert

Der im Auftrag der Gemeinde erstellte Planungsbericht der Firma Arcoplan, Ennetbaden, kommt zum Schluss, dass die Bahnen zwar eine Reduktion von Fruchtfolgeflächen bedeuteten.

Diese würden trotzdem langfristig gesichert, weil die Strecke, sollten sie ausgedient haben, zurückgebaut werden muss. Es sei kein Humus abgetragen worden, man habe den Holzschnitzel- respektive Sandbelag direkt auf den gewachsenen Boden gegeben.

«Wir als Gemeinde sind daran interessiert, einem seit längerem hier verwurzelten Betrieb die Voraussetzungen für die Existenzsicherung zu schaffen», sagt Martin Heiz. «Es wird Zeit, dass hier ein Entscheid mit gesundem Menschenverstand gefällt wird.»

Die Vorlage für die Teilrevision Nutzungsplanung «Spezialzone Trainingszonen für Pferde» liegt derzeit zur Mitwirkung auf. Geplant ist, das Geschäft der kommenden Herbstgmeind zur Beschlussfassung vorzulegen. Sagt der Souverän Ja, muss der Grosse Rat darüber befinden.