Bezirksgericht Kulm

Geldsorgen trieben ihn zum Einbruch: «Dann ist es einfach so passiert»

Ein Rumäne verübte mehrere Einbrüche in der Schweiz. Einen davon in Schöftland. (Symbolbild)

Ein Rumäne verübte mehrere Einbrüche in der Schweiz. Einen davon in Schöftland. (Symbolbild)

Ein 39-jähriger Rumäne stand wegen gewerbsmässigen Diebstahls vor dem Bezirksgericht Kulm. Er gab an, das fehlende Geld habe ihn zu einem Einbruch in Schöftland getrieben. Das glaubte ihm der Richter nicht – und schickte ihn ins Gefängnis.

«Ich weiss es nicht.» Das ist die häufigste Antwort, die Theo (Name geändert) an diesem Nachmittag vor dem Bezirksgericht in Kulm gibt. Regungslos sitzt er in einem verwaschenen Trainingsanzug auf seinem Stuhl. Die Richter beachtet er selten, nur mit der Übersetzerin, die am Nebentisch sitzt, hält er zwischenzeitlich Augenkontakt. Der Rumäne ist angeklagt, zwischen 2012 und 2015 vier Einbrüche in der Schweiz begangen zu haben. Drei davon im Jahre 2012 in Niederuzwil, Winterthur und St. Gallen.

Beim letzten Einbruch in Schöftland, am 18. Februar 2015, soll er sich mit einem Komplizen Eintritt in ein Einfamilienhaus verschafft haben. Bei einer abendlichen Routinekontrolle hielten Polizisten die beiden Männer an und konnten einen Zusammenhang zwischen dem Einbruch in der Nähe und dem im Auto vorgefundenen Diebesgut ziehen.

Gerichtspräsident Christian Märki will von Theo wissen, ob er in Rumänien einer Arbeit nachgehe. Der Angeklagte erklärt, dass er als Lastwagenchauffeur arbeitete, aufgrund seines Gefängnisaufenthaltes den Job aber sehr wahrscheinlich nicht mehr habe. Da nicht immer Arbeit vorhanden war, habe er seiner Frau teilweise in ihrem Coiffeursalon ausgeholfen.

Vorstrafen im Ausland

«Wissen Sie, was Sie für Vorstrafen in Rumänien haben?», will Gerichtspräsident Christian Märki vom Angeklagten wissen. Dieser verneint. Der Gerichtspräsident hilft Theos Erinnerungen auf die Sprünge und verliest dem ehemaligen Chauffeur drei Vorstrafen aus den Jahren 1998 bis 2009. Alle wegen gewerbsmässigen Diebstahls. Theo erinnert sich wieder, die Vorstrafen seien aber so nicht richtig. Er sagt, er sei nur einmal für mehrere Delikte angeklagt worden. Wieso das Vorstrafenregister falsch sei, wisse er nicht.

Die Verbrecherkarriere des Rumänen ist international geprägt, auch in Deutschland und Spanien wurde Theo angeklagt. Nun kommt der Gerichtspräsident zu den Fällen in der Schweiz. Den Einbruch in Schöftland im Februar 2015 gibt Theo zu, er sei mit einem Kollegen in das Einfamilienhaus eingebrochen. Geplant sei der Einbruch jedoch nicht gewesen. «Wir waren in St. Louis in den Ferien und hatten am dritten Tag kein Geld mehr, dann ist es einfach so passiert.» Der Gerichtspräsident schenkt dieser Aussage nicht viel Glauben. Auf dem beschlagnahmten GPS-Gerät könne der Weg der beiden «Touristen» genau verfolgt werden. Sie seien mehrmals durch das Quartier gefahren.

Die anderen drei Einbrüche will Theo nicht begangen haben. Wieso seine DNA-Spuren rund um die Wohnungen gefunden wurden, kann er sich ebenfalls nicht erklären.

Muster eines Kriminaltouristen

Für den Oberstaatsanwalt ist der Fall dafür umso klarer. Man wisse, dass sich Theo 2012 in der Schweiz aufgehalten habe, da er damals in eine Routinekontrolle kam. Die Beweislast gegen ihn sei erdrückend, zudem zeigen die begangenen Delikte in anderen Ländern das Muster eines Kriminaltouristen. Der amtliche Verteidiger plädiert wiederum auf einfachen Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch: «Ein Tatverdacht kann nicht auf Hypothesen beruhen.» Daher sei Theo von den drei Einbrüchen im Jahre 2012 freizusprechen. Er plädierte auf eine Haftstrafe von 18 Monaten bedingt, inklusive fünf Jahre Landesverweis, der innerhalb von 24 Stunden erfolgen sollte. Dieses Urteil sei so gesehen auch kostengünstiger. Bei einer sofortigen Landesverweisung fallen keine weiteren Haft- oder Anwaltskosten an.

Indizienlast ist erdrückend

Das Gericht hat kein offenes Ohr für diesen Vorschlag. Es verurteilt Theo zu 2,5 Jahren unbedingt und einem anschliessenden Landesverweis von sieben Jahren. Damit folgt das Gericht dem Antrag der Anklage. Gerichtspräsident Märki begründet den Entscheid: «Das Gericht muss freisprechen, wenn erhebliche Zweifel an der Anklage bestehen», dies sei hier aber nicht der Fall. Man stütze sich auf Akten, Befragungen, Indizien und Beweisstücke. Die Indizienlast sei erdrückend.

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