Reitnau

Fusions-Gemeindeschreiber geht nach vierzig Jahren: «Ich gebe bis zum Schluss Vollgas»

Heinz Wölfli wohnt in Schöftland und arbeitet seit einer gefühlten Ewigkeit in Reitnau.

Heinz Wölfli wohnt in Schöftland und arbeitet seit einer gefühlten Ewigkeit in Reitnau.

Heinz Wölfli lässt sich nach vierzig Jahren auf der Gemeindekanzlei Reitnau vorzeitig pensionieren.

«Ich gebe bis zum 31. Mai Vollgas» sagt Heinz Wölfli auf die Frage, ob er nicht viel lieber bis zu seiner Pensionierung eine ruhige Kugel geschoben hätte, statt wegen des Coronavirus Krisenmanagement zu machen. Zusammen mit Ammann Katrin Burgherr, Gemeinderat Michel Strub sowie der Leiterin Finanzen Manuela Hochuli und Luana Schifano von den Einwohnerdiensten bildet er aktuell das Krisenteam.

40 Jahre lang war Wölfli Gemeindeschreiber von Reitnau, zeitweise auch Betreibungs- und Zivilstandsbeamter sowie Chef des Bau- und Sozialwesens. In jüngerer Reitnauer Geschichte war er am Kraftakt beteiligt, Attelwil und Reitnau zu fusionieren. «Natürlich habe ich mir diese Pandemie nicht gewünscht», sagt er, «aber sie ist nun einmal da». Der Typ Mensch, der möglichst wenig Rummel will, das ist Heinz Wölfli nicht. Privat geht er ins Fitness, spielt Tennis und fährt Velo – bei dem Mann muss «öppis laufe».

Aus zwei Gründen der ideale Zeitpunkt

Wieso aber lässt er sich jetzt mit 63 Jahren frühzeitig pensionieren? «Weil der Zeitpunkt ideal ist», sagt er. Früher zu gehen, sei wegen der Gemeindefusion Reitnau-Attelwil eher nicht in Frage gekommen. Die Arbeit, die nach dem Zusammenschluss im Januar 2019 noch angefallen war, sei nun erledigt. Und bei einem späteren Austritt wäre seine Pensionierung zu nahe an die Gesamterneuerungswahlen des Gemeinderats gekommen. Falls sich im Januar 2022 neu gewählte Gemeinderäte und auch ein neuer Kanzler hätten in die Gemeindegeschäfte einarbeiten müssen, «wäre das ein schlechter Zeitpunkt für einen Nachfolger, um die Arbeit aufzunehmen». Er habe sich ohnehin vorgenommen, mit 62 oder 63 aufzuhören, «und jetzt ist der Zeitpunkt perfekt», sagt Wölfli.

KV-Lehre auf der Kanzlei in Muhen gemacht

Gerade einmal vier Jahre hatte Heinz Wölfli, der ursprünglich aus Attelwil stammt und heute in Schöftland wohnt, auf anderen Posten gearbeitet, bevor er Kanzler in Reitnau wurde: Nach der KV-Lehre auf der Gemeinde Muhen arbeitete er erst zwei Jahre in der Privatwirtschaft, danach zwei Jahre auf der Gemeinde Schöftland. Dann bewarb er sich als Kanzler in Reitnau. Und blieb. Seine beiden Töchter, die während seiner Gemeindeschreiberkarriere geboren wurden, sind heute bereits erwachsen. Bei Wölflis im Haus tollen mittlerweile die zwei Enkelkinder herum, die in diesen Tagen allerdings ein Besuchsverbot ­haben.

Viele Abteilungen sind heute ausgelagert

Eine Nachfolge für den Gemeindeschreiberposten gibt es. Die Gemeinde wird die Person in den nächsten Wochen vorstellen. Wird der neue Kanzler oder die neue Kanzlerin mit anderen Herausforderungen konfrontiert als Heinz Wölfli vor 40 Jahren? «In einem Dorf bleibt der Gemeindeschreiber bestimmt für viele Anliegen die Ansprechperson, auch wenn auch bei uns Abteilungen wie Bauverwaltung, Zivilstandsamt oder Betreibungsamt inzwischen ausgelagert wurden», meint er.

Nur die Art, sich an den Gemeindeschreiber zu wenden, habe sich verändert, sagt Wölfli und lacht: «Früher kam jeder am Schalter vorbei, heute läuft vieles über E-Mail.» Eine der ersten Aufgaben für den neuen Stelleninhaber wird die Überführung der Gemeindeverwaltung in die Digitalisierung sein.

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