Fusion Kulm
Fusion Kulm: Für den Schritt in die Zukunft braucht es Mut

Sollen die beiden Gemeinden Ober- und Unterkulm fusionieren? Es braucht Mut. Die Analyse der Aargauer Zeitung vor den Gemeindeversammlungen, die über die Fusion von Ober- und Unterkulm entscheiden.

Peter Siegrist
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Für eine Fusion bereit? Ein Blick auf Unterkulm (Symbolbild)

Für eine Fusion bereit? Ein Blick auf Unterkulm (Symbolbild)

Peter Siegrist

Vor zwei Jahren haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Oberkulm und Unterkulm einen mutigen Schritt gewagt. Sie nahmen die Idee eines Zusammenschlusses ihrer Gemeinden auf und erteilten den Behörden den Auftrag, eine Fusion zu prüfen.

Getreu den Worten Friedrich Schillers im «Lied von der Glocke»: «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet» haben die vereinigten Gemeinderäte die gestellte Aufgabe angepackt.

Mit sieben paritätisch zusammengesetzten Arbeitsgruppen, unterstützt durch Fachleute, gingen die interessierten Bürger den gestellten Fragen auf den Grund.

Im Frühjahr präsentierten sie der Öffentlichkeit ihre Stellungnahmen. Von den Finanzen zur Bildung, vom Verkehr zum Wald, von den Ortsbürgern zum Vereinsleben, vom Heimatgefühl zum Dorfwappen, alles wurde durchleuchtet und beurteilt.

Jetzt stehen die beiden Gemeinderäte mit einem soliden Abklärungsbericht vor dem Souverän und beantragen ihren Bürgerinnen und Bürgern die Zustimmung zum Fusionsvertrag für Oberkulm mit Unterkulm.

Für die Behörden, für viele Mitglieder der Arbeitsgruppen ist vieles klar und deutlich geworden. Sie sehen im Zusammenschluss folgerichtig, dass die heute bereits in vielen Bereichen funktionierende enge Zusammenarbeit kaum mehr ausgebaut werden kann. Unterkulm und Oberkulm sind örtlich zusammengewachsen, sie sind bereits verlobt. So wäre die Heirat, also die Fusion, nur die logische Konsequenz.

Dass aus zwei finanzschwachen Gemeinden keine finanzstarke erwächst, wissen die Behörden auch. Viel mehr zählt für sie, dass aus zwei kleinen Gemeinden mit geringem politischem Einfluss ein politisch stärkeres Gemeinwesen entsteht, dessen Stimme sehr wohl im Tal und in Aarau gehört wird. Dies ist ein Argument abseits der Finanzen.

Die Mitgift des Kantons, der zugesicherte Beitrag von 11 Millionen Franken, darf beim Entscheid nicht allein entscheidend sein.

Es ist ein Startkapital, das einmal aufgebraucht sein wird, und dann muss die neue Gemeinde auf eigenen Füssen stehen. Der Beitrag hilft, den Übergang zu finanzieren. Investitionen müssten auch ohne dieses Geld getätigt werden.

Die Abstimmungsvorlage hat wie gewünscht eine politische Diskussion in Gang gebracht, in welcher viel von verlorener Eigenständigkeit die Rede ist.

Auch finanzielle Aspekte werden von Gegnern ins Feld geführt, wenn sie sagen, die Oberkulmer müssten den Unterkulmern die Infrastruktur berappen.

Es ist durchaus verständlich, wenn die ältere Generation teils Mühe hat mit der Vorstellung, plötzlich Kulmer zu sein. Wer siebzig Jahre in Oberkulm lebte, ist Oberkulmer. Das bleibt er auch nach einer Fusion.

Im Dorf wohnt man in Ober- oder Unterkulm. Für die Aarauer kommt man aus Kulm. Das Argument mit den Heimatgefühlen sticht nicht, weil diese letztlich nicht vom Dorfnamen abhängen.

So wie die Generation 70 plus eher konservativ ist und gern am Bewährten festhalten möchte, sind die jungen Menschen rasch zu gewinnen für neue mutige Ideen. «Oberkulmer oder Unterkulmer, wir sassen zusammen im gleichen Schulzimmer, wir sind Kulmer», sagen sie.

Für die Jungen ist Kulm der Dorfname, hier sind sie zu Hause und hierher kehren sie vielleicht später zurück. Viele Junge wünschen eine moderne, starke Gemeinde.

Wenn morgen Freitag die Ober- und Unterkulmer entscheiden, ist es wichtig, dass sie sachlich bleiben. Die Zeit sei noch nicht reif, sagt ein Skeptiker.

Nur, ist bei einem derart zukunftsträchtigen Entscheid die Zeit je reif? Ist nicht viel eher Vertrauen in die Kraft der kommenden Generation nötig?

Sie ist es, welche die neue Gemeinde voranbringen und gestalten muss. Ein mutiges Ja für ein Kulm der Zukunft würde die Jugend freuen.