«Einer von uns hat gehen müssen.» Franz Vogts Rückschau auf den Grossrats-Wahlsonntag fällt nüchtern aus. Nein, dass er nicht wiedergewählt worden sei, habe ihn nicht überrascht, sagt der 55-jährige Leimbacher SVP-Grossrat, der morgen nach neun Jahren Amtszeit zum letzten Mal in dieser Mission nach Aarau fährt.

Im Gegenteil: Er habe es so erwartet, seit er von der Kandidatur von Christian Merz (Beinwil am See) und Karin Bertschi (Leimbach) erfahren habe. «Wenn man weiss, wie die Wählerschaft tickt, war das vorhersehbar», sagt er trocken und konkretisiert: «Das Volk wählt die Bekanntesten, selbst wenn sie keine politische Erfahrung haben.» Ob sie etwas draufhaben, müssten sie dann erst beweisen, schliesslich mache nicht die beste Politik, wer am lautesten schreie. Das habe er in den vergangenen Jahren immer wieder gesehen. Teilweise würden lächerliche Vorstösse eingereicht, einfach um Präsenz in der Öffentlichkeit zu erlangen. So was sei gar nicht sein Ding.

Keine grossen Emotionen

Franz Vogt ist ein stiller, verantwortungsbewusster Schaffer. Hätte ihn das Stimmvolk weiterhin mit dem Amt betraut, hätte er es pflichtbewusst fortgeführt. Aber auch so ist es ihm recht. Deshalb hat er auch die Nachricht von seiner Abwahl «ohne grosse Emotionen entgegengenommen», wie er sagt. Er war zu dem Zeitpunkt nicht im Foyer des Grossratsgebäudes wie viele seiner Amtskollegen, sondern an einem Pferde-Concours, wo er Tochter Steffi, die als Hufschmiedin arbeitet, coachte. Der gelernte Landwirt und Dachdecker ist selber ein passionierter Reiter. In seinem Stall stehen drei Pferde: ein Englisches Vollblut, ein Freiberger und ein Rennpony.

Dass Christian Merz gewählt worden sei, habe ihn sehr gefreut, sagt Vogt. Der Beinwiler Unternehmer sei immerhin rund sieben Jahre lang sein Chef gewesen, als er noch Car gefahren sei. Ausserdem hätten sie eine ähnliche Gesinnung.

Auf seine neun Jahre Grossratszeit sei er stolz. «Ich hätte auch gerne weitergemacht.» Gerade für die externe Kinderbetreuung, für die er sich starkgemacht hat, «auch wenn es der SVP nicht passt», reue es ihn. Er war an der Umsetzung des Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes beteiligt, das seit 2013 in Kraft ist. Gerne hätte er weiterhin mitgeholfen, die Abläufe zu optimieren und zu vereinfachen.

Er habe sein Amt mit Herzblut ausgeübt, sagt er, aber nur dann vorgesprochen, wenn er auch wirklich etwas zu sagen gehabt habe – und manchmal blieb ihm selbst das verwehrt. Denn als Mitglied der Justizkommission betreute er meist vertrauliche Geschäfte. So erschien sein Name zwar oft in den Grossratsprotokollen, aber selten in den Medien.

Kein einziges Mal habe er eine Sitzung verpasst, obwohl er immer habe freinehmen müssen im Geschäft. Sämtliche Fe-
rien gingen auf das Grossrats-Konto, seit neun Jahren sei er nicht mehr verreist. Der Leimbacher rutschte im Januar 2008 für Silvia Flückiger (Schöftland) nach, als diese in den Nationalrat gewählt wurde. «Nächstes Jahr habe ich sechs Wochen Ferien.» Franz Vogt lacht. Gleich im Januar werde er sie eingeben und verplanen. Ob er verreise, wisse er noch nicht. Er müsse jemanden finden, der die Tiere versorgt.

Erster auf der Ersatzbank

Politisch wolle er sich in nächster Zeit zurückhalten. Er sei noch immer erster Ersatz. Wenn er gebraucht würde, sei er wieder dabei. Klar. Das könnte der Fall sein, sollte Karin Bertschi umzugsbedingt zurücktreten. Auch sein Amt als Vizepräsiden der Bezirkspartei wird Vogt weiterführen. Er sei ja gewählt bis zum nächsten Herbst. Was danach komme, lasse er offen – auch ob er sich je wieder kommunalpolitisch engagiere. Zwölf Jahre war er, der mit 30 Jahren noch eine kaufmännische Ausbildung und das Handelsdiplom gemacht hat, in der Finanzkommission der Gemeinde Leimbach tätig, neun Jahre davon als Präsident. Sich aktiv um ein Amt in der Gemeinde bemühen, wolle er nicht. «Wenn ich aber angefragt würde, täte ichs mir überlegen.»