Schmiedrued
Früher sprangen die Reiter auf der Jagd über Güllenfässer und Schubkarren

Seit Jahrzehnten lässt sich Franz Vogt an der Fuchsjagd in Schmiedrued als Fuchs über Felder und Wiesen jagen. Dabei habe sich die Veranstaltung in den letzten Jahren stark verändert, sagt er.

Sibylle Haltiner
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Fuchsjagd Schmidrued
13 Bilder
Pause für Reiterinnen und Pferde am Bügeltrunk
Im ersten Feld ist das Springen der Naturhindernisse Ehrensache
Jagdstimmung am herbstlichen Waldrand
Franz Vogt (rechts) führt das erste Feld an
Franz Vogt und seine Tochter Steffi führen nach dem Ritt ihre Pferde trocken
Gemeinsam über das Hindernis
Das fröhliche Vorwärtsgaloppieren gefiel Reiterinnen und Pferden
Die Jagdhorngruppe Freiwild Wiggertal brachte mit ihren Klängen eine richtige Jagdatmosphäre in den Anlass
Das Wetter hätte nicht besser sein können
Als Fuchs nimmt Franz Vogt mit Lambrusco jedes Hindernis
Auch die verdutzte Kuh interessiert sich für den ungewohnten Trubel
Beim Galopp bergauf können die Pferde laufen gelassen werden

Fuchsjagd Schmidrued

Sibylle Haltiner

Die einen Jäger wollen nicht auffallen: Von Kopf bis Fuss in Moosgrün gekleidet, streifen sie mit der Flinte über der Schulter durch die Wälder oder harren auf den Hochsitzen aus. Ganz anders ist das bei den Jägern hoch zu Pferd: Hier trägt man oben pfiffiges Rot – selbst inmitten herbstlich angeröteten Laubs bestens sichtbar.

Tarnung? Fehlanzeige. Aber darum geht es auch nicht. Bei einer modernen Fuchsjagd jagen die Reiter keinem echten Fuchs hinterher. Es ist vielmehr eine Veranstaltung für Rösseler, die gerne gemeinsam im Gelände ausreiten, ihnen voraus ein Reiter mit einem an den Ärmel gehefteten Fuchsschwanz.

Der Fuchs führt das Feld an

Die Farbe Rot dominierte auch am Samstag an der 47. Fuchsjagd des Reitvereins Ruedertal. Franz Vogt, Dachdecker, Grossrat und begeisterter Rösseler freute das ganz besonders. Seit er mit 13 Jahren zum ersten Mal an einer Fuchsjagd mitgeritten ist, hat den 53-Jährigen das Jagdfieber fest im Griff.

Jedes Jahr nimmt er an mehreren Anlässen teil, mal als Mitreiter, mal als Fuchs, so, wie seit mehreren Jahren im Ruedertal. Der Fuchs führt jeweils eine Reitergruppe, das sogenannte «Feld» an. Er kennt die Strecke, die über Wiesen und Feldwege führt, und auf der mehrere Naturhindernisse stehen. In Schmiedrued wurden die 59 Reiter in sechs Gruppen aufgeteilt. Vogt führte das erste Feld als Fuchs an, das der geübten Reiter mit Springerfahrung. 20 Kilometer ging es vorbei an Maisfeldern, Wald und verdutzten Kühen.

Früher Selbstgebranntes, heute Saft

Vogt hat auf all seinen Fuchsjagden viel erlebt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Schneejagd in St. Moritz, 50 Kilometer lang, mit 40 Hindernissen. «Das ist die härteste Jagd in der Schweiz.» Nach Hause brachte er eine Urkunde, unterschrieben vom Bündner Landammann, mit der Inschrift: «Wer diese Jagd beendet hat, hat bewiesen, dass er reiten kann».

Die Jagdreiterei hat sich mit den Jahren verändert. Nahmen früher vor allem geländegeübte Springreiter teil, sind heute auch viele Freizeitreiterinnen dabei. Das Springen ist an der Ruedertaler Fuchsjagd deshalb freiwillig. «Früher sind wir über alles gesprungen, was im Weg stand: Holzgüllenfässer, blumengeschmückte Schubkarren oder Gartenbänke», erzählte Vogt.

Auch das Trinkverhalten ist heut anders. Vogt erinnerte sich an den legendären Ruedertaler Fuchs Kari Häfeli. «Er hat regelmässig einen Flachmann mit Selbstgebranntem aus der Brusttasche geholt und herumgereicht.» Am Samstag wurde mehr Orangensaft als Weisswein ausgeschenkt.

Noch längst nicht der letzte Fuchsschwanz

Zum Abschluss der Ruedertaler Fuchsjagd traten die Reiter auf einer Rennstrecke gegeneinander an. Der Schnellste erhielt den Fuchsschwanz. Auch Vogt musste seinen an den Sieger seines Feldes abgeben, holte sich aber gleich einen neuen. Mit Lambrusco, als Freiberger zwar nicht das geborene Rennpferd, aber ein Kämpfer, gewann er den Finish der Füchse. Es wird nicht sein letzter Sieg gewesen sein: «Wenn ich fit bleibe und so reiten kann wie jetzt, werde ich bestimmt noch zwei, drei Fuchsschwänze gewinnen.»