Unterkulm
Früher ratterte die Ludothek noch durch das Tal

Die Ludothek Unterkulm feiert am kommenden Wochenende ihr 30-jähriges Bestehen. Fünf Jahre rollte sie damals als Ludobähnli durchs Wynen- und Suhrental.

Aline Wüst
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Das Ludobähnli (1981). ZVG

Das Ludobähnli (1981). ZVG

Seit 25 Jahren sind die Spiele und Spielsachen aber im Untergeschoss des Kindergartens Unterkulm sesshaft geworden. An die Ludothek im WSB-Waggon erinnert heute nur noch der Name der Ludothek und ein Foto. Die Glanzzeit der Ludothek ist vorbei. «Leider gehen die Ausleihen jährlich zurück», erzählt die Leiterin Sonja Graber. Früher war das anders, wie Aufzeichnungen zeigen: «Riesengestürm im Ludobähnli», steht da geschrieben, und ein Foto illustriert den Besucherandrang.

Elektronisch spielen

Das Bähnli wurde 1981 auf Initiative der Burger Säuglingsfürsorgerin Annelise Merz in Zusammenarbeit mit der Pro Juventute, drei lokalen Elternvereinigungen und der WSB gegründet. Die Idee kam aus der Einsicht, dass eine Ludothek «nur für das obere Wynental allein wohl etwas überrissen wäre» und eine fahrbare Ludothek eine viel bessere Ausnützung erreichte. So spedierte die WSB das Ludobähnli jede Woche an einen anderen Standort. Halt machte der umgebaute Wagen mit seinem Inneren voller Spiele in Reinach, Schöftland und Unterkulm. In allen Gemeinden besteht heute noch eine Ludothek.

Die Spiele des Ludobähnlis kamen aber alle nach Unterkulm. Ein paar Holzspiele mit altmodisch aussehenden Kindern darauf können dort noch heute ausgeliehen werden. Die Mehrzahl sind aber neue und elektronische Spiele. «Wir müssen mit der Zeit gehen, auch wenn wir die nicht elektronischen Spiele natürlich vorziehen», erklärt Sonja Graber.

Mitgliederzahl sinkt

Graber leitet die Ludothek seit sechs Jahren und stellt sich die provokative Frage: «Wollen die Kulmer ihre Ludothek überhaupt noch?» Gerade mal 35 Mitglieder hat sie noch in ihrer Kartei. Noch vor ein paar Jahren waren es über 70.

Die Gründe dafür glaubt sie zu kennen: Viele Eltern haben keine Zeit, mit ihren Kindern in die Ludo zu kommen. Manche scheuen sich auch, die Spielanleitung zu lesen. «Wenn die Eltern kommen, erkläre ich ihnen die Spiele aber gerne», sagt Sonja Graber, die leidenschaftliche Spielerin. Und wenn einzelne Teile eines Spieles verloren gehen, sei das halb so wild. «Für verloren Gegangenes gibt es immer Ersatz», beruhigt sie.

Um die Ludothek wieder anzukurbeln, macht sie in Spielgruppen auf das Angebot aufmerksam und animiert die Lehrer, mit ihren Schülern vorbeizukommen. Immer wieder höre sie von Kindern, die nicht einmal wissen, wie man richtig würfelt. Da biete die Ludothek Hand: «Jeder kann für einen geringen Betrag Spiele ausleihen, und wenn das Interesse erloschen ist, gibt man sie einfach zurück.» Man müsse so auch nicht immer alles neu kaufen. Und für Familien, die nicht auf Rosen gebettet sind, sei die Ludothek sowieso Gold wert, sagt Sonja Graber.

Jubiläum feiern

Die neun ehrenamtlichen Ludofrauen laden am Samstag zum grossen Jubiläums-Fest ein. Clown Rosa sorge für Unterhaltung, ein Glücksrad darf gedreht werden und natürlich wird gespielt. «Wir freuen und auf viele Leute, und vielleicht findet sich ja jemand, der gerne bei uns mitarbeiten möchte», meint Graber.

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