Wintersport

Früher konnte man in Menziken noch Ski fahren – heute kann man sie nur noch kaufen und mieten

Urs Zeder hat vor 20 Jahren die lokale Institution Waldegg-Sport übernommen, die Menzikens Skilift auf die Beine gestellt hat.

Wer in Menziken Ski fährt geht zum Waldegg-Sport. Das Unternehmen betrieb einst, als die Winter noch schneereicher waren, einen Skilift im Dorf.

20 Jahre ist es her, dass sich Urs Zeder ans Herz gefasst und von Werner Hunziker den Waldegg-Sport übernommen hat. Gründer Hunziker und sein Geschäft sind in Menziken eine Institution. Denn er hat nicht nur die ganze Region mit Skis versorgt, sondern auch aus Eigeninitiative 25 Jahre lang einen Skilift betrieben.

Wer in Menziken aufgewachsen und etwas über 30 Jahre alt ist, hat das Skifahren wahrscheinlich bei ihm am Hansihübel gelernt. Über die Jahre wurden die Winter allmählich wärmer und der Schnee weniger. Nach fünf Jahren ohne die weisse Pracht stellte Hunziker den Betrieb 1993 ein.

Geblieben ist sein Ski-Geschäft, das er 1968 in seinem Keller gegründet hat. Den Winter über verkaufte er Skis und bot einen Service an. Nach und nach wuchs sein Kundenstamm über Menziken hinaus und heute, 51 Jahre später, reicht er von Suhr bis Sursee. 1999 musste Werner Hunziker schliesslich etwas ruhiger treten und übergab das Geschäft seinem jungen Nachbarn Urs Zeder.

Damals jobbte der gelernte Maurer bereits seit fünf Jahren bei Hunziker im Keller. Zeder zügelte das kleine Unternehmen hinter den Bahnhof und schmiss fast das gesamte Sortiment aus dem Laden. Schweren Herzens, denn die Übernahme brachte auch gleich die grösste Herausforderung mit sich: «Genau damals eroberten die Carvingskier den Markt und niemand wollte mehr die bisherigen Pommes-Ski», erzählt Zeder.

Umzug und Abschreiber stellten ihn vor eine Prüfung, die er auch dank dem guten Kundenstamm von Hunziker überstehen konnte. In der Folge erlebte Zeder den Aufstieg des Snowboards mit, beobachtete, wie die Ski-Hersteller mit neuen Ski erfolgreich zurückschlugen, sah dem Sterben und erneuten Aufblühen der Skilager zu.

Das Zwischenlager ist das eigene Zuhause

Und was früher selbstverständlich gekauft und im heimischen Keller eingelagert wurde, wird heute gemietet. «Kinder-Skis werden heute sogar ausschliesslich gemietet, nie gekauft. Und manchmal überlege ich mir, ob ich nicht sogar den gesamten Betrieb auf Miete umstellen soll», sagt Zeder. Verlockend wäre es, denn der Erfolg des Geschäfts liess den Platz im Lokal knapp werden.

Sogar zu Hause stapeln sich die Waren, das Eigenheim muss als Zwischenlager herhalten. Vielleicht zieht das Geschäft aber auch bald wieder um. «Die Suche nach einem grösseren Lokal habe ich für später im Hinterkopf», verrät Zeder. Keine teure Lage an der Strasse soll es sein, sondern etwas Erschwingliches.

Denn der Laden ist noch heute nur im Winter geöffnet. Im Sommer arbeitet Zeder auf dem Bau – nicht mehr als Maurer, sondern als Baustoffprüfer. Doch bevor die Suche nach einem neuen Daheim für den Waldegg-Sport konkret wird, will Zeder feiern. Denn mittlerweile ist es just 20 Jahre her, dass er das Geschäft übernommen hat.

Von Pommes-Ski zu modernen Rennbelägen

«Und ich habe es nie bereut», lacht er. Aus dem Abenteuer ist ein Familienunternehmen geworden. Vater Max erledigt Verkauf und Service, Frau Theres Administration und Buchhaltung. Ergänzt wird das Team von Andrea Specht, die sich um Marketing und Homepage kümmert. Und für die Zukunft sieht es gut aus.

Erst vor vier Jahren hat das Geschäft seine erste Schleif- und Wachsmaschine angeschafft, weil die Aufträge zu viel wurden, als dass sie weiter von Hand hätten erledigt werden können. «Die Maschine macht das ohnehin besser, mit ihr können wir sogar spezielle Rennbeläge bieten», sagt Urs Zeder: Gestern sausten die Menziker mit Pommes-Ski den Hansihübel hinunter, heute geht es mit perfekt präparierten Miet-Carvern in die Berge.

Autor

Michael Küng

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