In den letzten Monaten hat sich einiges getan auf Schloss Rued. Die Aussenrenovation ist abgeschlossen, im Innern laufen die Arbeiten für den Umbau in ein Seminarzentrum. Bei einem Augenschein der az im November freuten sich Vertreter der Bauherrschaft – das Schloss Rued gehört der Erowa AG – und der kantonalen Denkmalpflege über den Baufortschritt.

Rund um das Projekt gibt es aber Fragezeichen. Zuletzt kam das Gerücht auf, ein Gericht habe die Baubewilligung aus dem Jahr 2008 aufgehoben, deshalb müssten die Arbeiten eingestellt werden. Tatsache ist: Das kantonale Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde gegen die Baubewilligung teilweise gutgeheissen.

Drohnenflug über das Schloss Rued

Drohnenflug über das Schloss Rued

Dabei geht es im Kern um die Frage, ob die Bauherrschaft, also die Erowa AG, die gesetzlichen Vorgaben eingehalten hat. Das Baugesetz verlangt, dass ein Bauherr spätestens zwei Jahre, nachdem er die Baubewilligung erhalten hat, mit den Arbeiten am Projekt beginnen muss. Ausserdem dürfen die Bauarbeiten auch nicht länger als zwei Jahre unterbrochen werden.

Beschwerde zu spät eingereicht?

Die private Beschwerdeführerin ist der Meinung, dass bei der Sanierung von Schloss Rued diese Fristen verletzt wurden. Im vergangenen Jahr blitzte die Frau mit ihren Forderungen, die Baubewilligung von 2008 sei aufzuheben und die Arbeiten umgehend einzustellen, zweimal ab. Sie argumentierte, die Erowa AG habe erst im Frühling 2015 mit den Bauarbeiten begonnen.

Der Gemeinderat entgegnete, die Bauherrschaft habe in den ersten zwei Jahren nach Erhalt der Baubewilligung sehr wohl Arbeiten vorgenommen und wies den Antrag ab. Auf eine Beschwerde gegen diesen Entscheid trat das kantonale Baudepartement nicht ein. Dies mit dem Argument, die Frau habe ihre Beschwerde zu spät eingereicht.

Das Verwaltungsgericht bezweifelt dies und hat den Fall ans Baudepartement zurückgewiesen. Dieses muss nochmals über die Bücher und entscheiden, ob die Beschwerde nicht doch fristgerecht eingereicht wurde.

Chancen der Gegnerin «intakt»

Sollte dies der Fall sein, «sind die Chancen der Beschwerdeführerin intakt, mit ihren Anliegen materiell durchzudringen», heisst es im Urteil des Verwaltungsgerichts. Zwar spreche einiges dafür, dass die Erowa AG rechtzeitig mit den Bauarbeiten begonnen habe. «Denkbar ist hingegen, dass die Bauarbeiten während mehr als zwei Jahren eingestellt waren und nicht ernsthaft fortgesetzt wurden», schreibt das Verwaltungsgericht weiter.

Sollte dies zutreffen, müsste der Gemeinderat Schlossrued die Baubewilligung ausser Kraft setzen. Die Erowa AG müsste dann ein neues, nachträgliches Baugesuch einreichen, um zu verhindern, dass die Renovations- und Sanierungsarbeiten rückgängig gemacht werden müssten.

Auf Anfrage der az heisst es beim Baudepartement, man habe einen Entscheid gefällt. Weil dieser Entscheid nicht rechtskräftig ist, gibt Sprecher Giovanni Leardini inhaltlich keine Auskunft. Auch Beat Ries, Anwalt und Verwaltungsratsmitglied der Erowa AG, hält sich bedeckt: «Ich möchte mich zum laufenden Verfahren nicht äussern, weil eine Beschwerdefrist läuft.»

Der Baurechtsspezialist räumt aber ein, dass der Gemeinderat ein nachträgliches Baugesuch verlangen oder einen Baustopp erlassen kann, wenn die gesetzlichen Fristen nicht eingehalten werden. Ries erläutert: «Erweist sich ein erstelltes Bauwerk oder ein Teil davon als widerrechtlich, kann der Gemeinderat die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands, also den Rückbau, verfügen.»

Er betont aber ausdrücklich: «Die Erowa AG möchte mit der Sanierung und dem Umbau von Schloss Rued etwas Schönes für das Ruedertal gestalten, daran halten wir fest.» Die Beschwerdeführerin, die in Portugal wohnt, aber in unmittelbarer Nähe von Schloss Rued Land besitzt, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.