Schlossrued
Frisch, flüssig, hochprozentig oder als Küchli: Am «Öpfutag» gabs für alle etwas

Am Öpfutag, dem neunten seiner Art, konnte man sich Äpfel in unterschiedlichsten Formen einverleiben. Eine Augen- und Ohrenweide war die Dresch-Demonstration mit Dreschflegeln und mit einer urtümlichen Maschine.

Peter Weingartner
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Beim Most holen
10 Bilder
So wird die Dreschmaschine angetrieben,
Hansruedi Maurer verkauft Honig.
Das schmeckt aber gut.
Diese Art Dreschen braucht Platz.
Gemüse aus Wittwil.
Fritz Zimmermann zeigt, wies geht.
Impressionen vom Öpfutag in Schlossrued (Oktober 2017)
Einige bevorzugen ein Müsterchen des Hochprozentigen.
Früher wurde das Getreide mit Flegeln von Hand gedroschen.

Beim Most holen

Peter Weingartner

«Es Houdere für d’Froue?», animiert Ruedi Tanner, der Ruedertaler Lohnbrenner. Die Frauen lassen sich gerne verführen zu einem Becherchen Holunderschnaps. Schnaps sei etwas Anrüchiges, meint Tanner, darum brauche es ihn, um «die Leute an den Stand zu schnorren». Die Frauen jedenfalls rühmen das Müsterli.

Frischer Most

Am Öpfutag, dem neunten seiner Art, kann man sich Äpfel in unterschiedlichsten Formen einverleiben. Bei der mobilen Mosterei von Fritz Zimmermann aus Leutwil degustieren Kinder nicht nur Süssmost direkt ab Presse, sie können auch tatkräftig pressen, bis die Äpfel flüssig werden. In den Harassen stehen die Äpfel bereit: Boskoop, Jonagold, Schneideräpfel, Bohnäpfel. Dazu Thurgauer Wasserbirnen.

Neben den Früchten von Seetaler Hochstammbäumen vermostet Zimmermann mit seinem Helfer Ruedi Steiner auch eine Mischung seltener Arten. «Die Pro-Specie-Rara-Sorten habe ich von Hermann Graser aus Dürrenäsch», sagt der Moster. Allein die Namen sind Musik: Möriker Renette, Aargauer Herrenapfel, Zetzwiler Klotzapfel. «Den Most gibt’s nirgends frischer», sagt ein Opa, dessen Enkel Nicola und Alexis den Becher an den Presseausguss halten.

Branntwein

Gebrannte Wasser, unter anderen vom Apfel, hat auch Ruedi Tanner, der Lohnbrenner. «Heutzutage bringen die Leute die Ware zu mir», sagt er. Die Fahrzeuge machens möglich, dass er nicht auf die Stör fahren muss. Gravensteiner hat er im Sortiment: «Ich muss auf die Jagd nach rechtem Obst, um guten Schnaps zu brennen.»

Rund 20 Schnapssorten bieten Tanners feil, das meiste selber gebrannt. «Den Härdöpfeler kaufe ich ein», sagt er; das Brenn-Verfahren sei ein anderes. Übrigens kommt nicht nur der Holundergeist bei den Frauen gut an, auch der «Beeretraum» gefällt.

Apfelküchli

Wer den Apfel lieber frittiert hat, kommt beim Mühleverein auf seine Kosten. Da kann man auch Militär-Chäs-Schnitten haben, aber auch Gebackenes, mit Mehl der Mühle nebenan, wo Ruedi Schlatter an der Arbeit ist.

Einheimische Produkte verkaufen Sonja und Hansruedi Maurer aus Schmiedrued. Die Imker bieten verschiedenen Honig an, Blüten oder Wald, flüssig oder fest, je nach Gusto. Aus dem Wachs stellen sie unter anderem Kerzen her. Ob sie nicht schmelzen in der Herbstsonne? «Wir haben schon etwas dabei, um sie abzudecken», sagt Sonja Maurer.

Frischobst

Äpfel kann man auch kaufen. Neesers aus Reitnau haben Sauergrauech, Diwa, Elkstar, Gala, Mairac, Topaz, Jonagold und Rubinette im Sortiment, dazu Kochobst und Zwetschgen. Auch Kunsthandwerkliches, Sirup, Konfitüre, Dörrfrüchte, Wurstwaren, Käse, Wein, Gemüse, Fisch – mehrheitlich aus der Region – bereichern den Markt.

Eine Augen- und Ohrenweide ist die Dresch-Demonstration mit Dreschflegeln und mit einer urtümlichen Maschine. Nächstes Jahr ist Jubiläum, 10 Jahre. «Wir werden uns etwas einfallen lassen», sagt Viktor Würgler vom Verein Schlossmühle Rued.