Kölliken
Freuden und Sorgen: Dieser Förster gibt Einblick in seine Arbeit

Peter Suter gibt Einblick in seine Arbeit und sagt, mit welchen Sorgen sich ein Revierförster herumplagen muss.

Beat Kirchhofer
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Der Wald und seine Zukunft, das ist Peter Suters Leidenschaft und die Berufung. bkr

Der Wald und seine Zukunft, das ist Peter Suters Leidenschaft und die Berufung. bkr

Für den Kölliker Wald (wie für jenen aller anderen Gemeinden) hat der Kanton die Eckwerte für die «Schlagquote», den bewilligten «Hiebsatz» des Forstjahres 2017, festgelegt. Für Kölliken und Safenwil auf 6100 Kubikmeter. Was heisst das und wie kommt man auf diese Zahl? Peter Suter ist eidgenössisch diplomierter Förster und amtet als Revierförster des Gemeindeverbands Kölliken-Safenwil. Er und seine drei Mitarbeiter betreuen die Wälder dieser Gemeinden und im Auftragsverhältnis auch den Oberentfelder Forst.

Seit 1866 existieren Pläne

Zurück zur «Schlagquote». Der Fachmann lächelt und freut sich sichtlich, Leuten, die als Laien gerne im Wald unterwegs sind, seine Themen näherzubringen. «Wir führen seit 1866 Pläne, die aufzeigen, wie sich der Wald entwickelt, aus welchen Bäumen er besteht.» Ziel sei es, nicht mehr zu nutzen, als der Zuwachs beträgt. Jahr für Jahr geht Suter seine aktualisierten Pläne, verbunden mit weiteren Listen, durch und bestimmt, wo er im Folgejahr Holz schlagen und den Wald verjüngen will. Bis 1985 in Kölliken und bis 2000 in Safenwil war eine Bestandsaufnahme bis hinunter auf den einzelnen Baum Teil dieser Planung. «Inzwischen haben wir aufgrund dieser Arbeiten die nötige Erfahrung, das Wachstum und die Holzmenge auch ohne Aufnahmen recht exakt abschätzen zu können.» Die Bestandskarte reiche heute dafür aus.

Kreisförster und Waldbereisung

Mit den erarbeiteten Unterlagen geht es auf die Waldbereisung mit dem Kreisförster. «Der Aargau ist in vier Forstkreise aufgeteilt, welchen die Oberaufsicht zukommt.» Besprochen werden Punkte wie Schlagquote, Naturverjüngung des Waldes oder Neupflanzungen. «Auch Naturschutzprogramme sind jeweils Themen», sagt Suter. Hier verfolgt der Kanton Ziele wie «strukturierte Waldränder» und «totholzreiche Naturwälder». Beides kann Suter im Kölliker Wald bieten und «sein» Forstbetrieb bekommt Geld dafür. Pro Hektare Altholzinsel gibt es zwischen 4000 und 4500 Franken – für einen Nutzungsverzicht über 50 Jahre.

Auch eine naturnahe Pflege der Waldränder löst Direktzahlungen aus. Allerdings unter Auflagen, welche ein Forstbetrieb nicht alle selber erfüllen kann. «An einem naturnahen Waldrand darf keine Strasse vorbeiführen und angrenzendes Landwirtschaftsland muss gewisse Bewirtschaftungskriterien erfüllen. Das schaut sich der Kreisförster genau an, wie er auch keine Siloballen im Wald akzeptiert.» In Kölliken sind seit einem Jahr alle infrage kommenden Waldränder Teil des Programms. «In den nächsten sieben bis acht Jahren steht hier dann aber wieder eine Durchforstung an.»

Revierförster Peter Suter spricht in seinem Revier mit dem Oberentfelder Auftrag von 838 Hektaren öffentlichem Wald und 30 Hektaren privatem Wald, den er und seine Leute ebenfalls betreuen.

Sorgen, die hat ein Förster. Die beginnen beim Holzpreis und werden dramatisch, wenn es um die Folgen des Klimawandels geht. Als Beispiel nennt Suter die Fichte, die im Mittelland mehr und mehr auf dem Rückzug ist. «Wir müssen da reagieren und setzen auf die Weisstanne.» Die wurzeln tiefer und seien deshalb besser geeignet, in heissen und trockenen Sommern an Wasser zu gelangen. Sorgen macht auch das Eschen-Sterben, verursacht durch eine Pilzkrankheit, gegen die noch kein Kraut gewachsen ist. Hingegen war 2016 der Borkenkäfer dank dem nassen Frühling kein grosses Thema. Käfer seien erst im Herbst aufgetreten, sagt Suter und: «Glück gehabt.»

Das Naturwunder Wald zu erhalten, sei nicht gratis. Zusätzliche Gelder seien angesichts der tiefen Erlöse aus dem Holzverkauf nötig. In diese Richtung zielt die Volksinitiative «Ja, für euse Wald» ab. Der Wald erbringe vielfältige Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit. «Im Wald besteht ein dichtes Wegnetz, das jedermann frei zugänglich ist und aktuell alleine durch den Forst finanziert wird», sagt Suter.