Gerade ist Annika Lindenmeyer von ihren Ferien zurückgekommen. Zwei Wochen Korfu. Doch ihre Leidenschaft ging ihr dabei nicht aus dem Kopf: «Ich habe bereits an die nächsten Trainings gedacht.»

Mit 16 Jahren hat die heute 24-Jährige ihr Rettungsschwimmerbrevet absolviert. Von da an ging sie einmal in der Woche ins Training bei der SLRG Hallwilersee. «Damals konnte ich noch nicht einmal crawlen», sagt sie. Sie habe die Schwimmtechnik neu lernen müssen. Doch der Sport hatte sie gepackt. «Es ist das Gefühl, im Wasser zu sein, diese Schwerelosigkeit und Freiheit, die mir gefällt», sagt sie. «Es war für mich ein grosser Ansporn, dass ich mit der Ausübung meines Sports auch in der Lage bin, Leben zu retten.»

Nervenkitzel gesucht

Die Menzikerin ging zur SLRG Baden-Brugg, wo sie mehr auf nationale und internationale Wettkämpfe hin trainieren konnte. Sie suchte den Nervenkitzel, wollte etwas erreichen. Im Oktober vor drei Jahren war sie zum ersten Mal an einen Wettkampf in Holland. «Ich habe gesehen, was Rettungsschwimmen als Sport bedeutet und war sofort begeistert», sagt sie. Ein Jahr später kam sie zusammen mit vier Frauen ins A-Kader der Schweizer Nationalmannschaft.

Meist trainiert Annika Lindenmeyer täglich über zwei Stunden. Für ein perfektes Training fehlt ihr einzig das Meer. Und sie nimmt den Weg nach Baden oder Brugg auf sich, denn sie wohnt in Winterthur, wo sie vor kurzem ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin abgeschlossen hat. Dies erfordert jeweils eine perfekte Organisation. «Ich bin auf die Unterstützung von meinem Umfeld angewiesen», sagt sie.

Sie schwebt auf der Erfolgswelle

Der Sport sei ihr noch nie zu viel geworden. «Ich schwebe im Moment auf einer Erfolgswelle», sagt sie und lacht. An der Weltmeisterschaft letztes Jahr in Australien konnte sie verschiedene Schweizer Rekorde aufstellen. Und auch an der Europameisterschaft in Holland im August konnte sie weitere Schweizer Rekorde – auch im Team – aufstellen, so zum Beispiel in der Disziplin 50 Meter Retten einer Puppe. Das ist auch jener Rekord in einer Pool-Disziplin, der ihr noch geblieben ist, denn bereits wurden die anderen beiden wieder gebrochen. «Das tut weh, es spornt mich aber auch an, den Rekord wieder zurückzuholen», sagt sie und denkt an den nächsten Wettkampf im November in Deutschland.

«Es wäre schön, wenn der Sport mehr Anerkennung hätte», sagt sie. Und trotzdem: Mit dem Sport auf Wettkampfbasis sei für sie ein Traum in Erfüllung gegangen.