Hochseilakrobat
Freddy Nock holt seinen 19. Weltrekord – aber nicht blind, wie angekündigt

Der Schweizer Seilartist Freddy Nock hat im Engadin seinen 19. Weltrekord geholt. Der 50-jährige Hochseilakrobat lief in der Bernina-Gruppe auf 3500 Metern ungesichert 347 Meter über ein Kunststoffseil und erhielt dafür den Titel "Höchster Seillauf".

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Hochseilakrobat Freddy Nock aus Uerkheim im Aargau läuft auf 3500 Metern 347 Meter lang ungesichert über ein Kunststoffseil.
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Be einem Sturz wäre Freddy Nock bis zu 1000 Meter tief gestürzt.
Extremsportler Freddy Nock überwand in hochalpiner Gletscherlandschaft eine Höhendifferenz von 50 Metern.
Wird der Lauf als Rekord anerkannt, wäre es Nocks 19. Den ersten Weltrekord holte sich der 50-Jährige ebenfalls im Engadin.
Beim Weltrekordversuch herrschten beste äussere Bedingungen.
Den Helm, mit dem Nock nichts mehr gesehen hätte, setzte er sich aber nicht auf. Er habe ein schlechtes Bauchgefühl gehabt, wegen der Schwingungen des Seils, das nicht genügend abgespannt gewesen sei.
Freddy Noch beim Weltrekordversuch im Engadin

Hochseilakrobat Freddy Nock aus Uerkheim im Aargau läuft auf 3500 Metern 347 Meter lang ungesichert über ein Kunststoffseil.

Keystone

Der fünffache Familienvater lief dort, wo die Bündner Berge am höchsten sind und nicht alles Eis im Sommer schmilzt - in der Bernina-Gruppe. Bei besten äusseren Bedingungen legte Freddy Nock am Freitagmittag vom Biancograt auf der Nordseite des Piz Bernina auf einem Kunststoffseil eine Distanz von 347 Metern hinüber zum Piz Prievlus zurück, wofür er 39 Minuten brauchte.

Der Extremsportler überwand in hochalpiner Gletscherlandschaft eine Höhendifferenz von 50 Metern. Gestartet war Nock auf 3532 Metern, das Ziel lag auf 3582 Metern über Meer.

Eine Rekordrichterin von "Guinness World Records" wertete direkt im Anschluss an den Lauf das Bildmaterial und Aussagen von Augenzeugen aus. Sie bestätigte darauf, dass alle Richtlinien eingehalten worden seien, wie die Weltrekord-Institution am Abend in einem Communiqué mitteilte.

Schlechtes Bauchgefühl

Nock wollte sich ursprünglich noch einen Helm aufsetzen, mit dem er nichts mehr gesehen hätte, tat dies aber nicht. Er habe ein schlechtes Bauchgefühl gehabt, wegen der Schwingungen des Seils, das nicht genügend abgespannt gewesen sei. Deshalb habe er kein Risiko eingehen wollen, sagte der Extremsportler gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Nock sagte weiter, dass er für die Vorbereitung des Seillaufs in hochalpiner Landschaft mehr Zeit gebraucht hätte. Es sei extrem anstrengend gewesen, auf 3500 Metern bei wenig Sauerstoff. Er lerne daraus und werde es nächstes Mal besser machen. Wäre die Sache schief gegangen, wäre der Seilgänger 1000 Meter in die Tiefe gestürzt.

Fast 20 Weltrekorde

Der Seillauf in der Bernina-Gruppe ist nun der 19. Weltrekord für den Aargauer Akrobat. Den ersten Weltrekord holte sich der heute 50-Jährige ebenfalls im Engadin. Es war 1998, als er auf einem Tragseil auf der Signalbahn in St. Moritz eine Strecke von 734 Metern hinter sich brachte.

Eine beachtliche Serie legte der Seilakrobat 2011 hin. Damals stellte er innerhalb von sieben Tage sieben Rekorde in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland auf. Unter anderem stieg er auf einem Seil auf die Zugspitze, mit 2962 Metern Deutschland höchsten Berg.