«Wir besitzen bereits zu viel, um thätig zu sein, und dennoch zu wenig, um dabei zufrieden zu bleiben.» Dieser Satz wurde im Jahr 1872 niedergeschrieben und stammt aus der Feder einer Frau, die damit ihre Geschlechtsgenossinnen anspricht: Julie von May von Rued war eine der ersten Frauenrechtlerinnen. Sie lebte von 1808 bis 1875, unter anderem auf dem Schloss Rued und in Schöftland.

In einem Brief an den Bundesrat forderte sie unter anderem die wirtschaftliche Gleichstellung der Frauen und die Unabhängigkeit von ihren Männern. Der Gemeinnützige Frauenverein (GFV) konnte keine bessere Vorlage wählen für sein grosses Vorhaben, ein Freilichttheater.

Das Stück steht bereits

An der Generalversammlung vom Montagabend informierte der Vorstand seine Mitglieder über das Projekt. Als Autor konnte der Trienger Peter Weingartner gewonnen werden, Regie wird Antonia Riz führen.

Das Freilichttheater soll im August und September 2016 im Schlosshof aufgeführt werden. Es sind rund zehn Vorstellungen geplant, 250 bis 300 Zuschauer werden auf gedeckten Tribünen Platz finden. Geplant ist der Einsatz von Laien- wie auch Profischauspielern. Am 9. September findet ein Infoanlass statt, am 21. Oktober das Casting. Die Gesamtkosten werden auf 140'000 Franken geschätzt.

Die Eintritte sollen 55 Prozent einspielen. Ganz im Sinne des Gemeinnützigen Frauenvereins werden die Preise möglichst tief gehalten, damit der Theaterbesuch auch mit einem kleinen Budget möglich ist. Getragen wird das Projekt von einem noch zu gründenden Theaterverein. Dorothee Doswald, die Präsidentin des GFV, beantragte einen Kredit von 20'000 Franken aus dem Vereinsvermögen, der von den Mitgliedern einstimmig gutgeheissen wurde.

Peter Weingartner hat seine Geschichte auf zwei Ebenen angesiedelt. «Ich möchte einerseits das Leben der adeligen Julie von May dokumentieren, daneben aber auch zeigen, wie das normale Volk damals gelebt hat», erklärte der Autor. Neben einer Chronik, die Julie von Mays Schwiegervater Karl mit ihrer Hilfe geschrieben hatte, dienten ihm Briefe und andere Dokumente aus dem 19. Jahrhundert als Grundlage. Doch einiges ist auch seiner Fantasie entsprungen. «Es soll eine Geschichte sein, nicht eine Geschichtslektion», sagte Weingartner.

Im Schlosshof wird es knirschen

Vor einer grossen Herausforderung mit dem Freilichttheater steht die Regisseurin Antonia Riz. Sie freut sich aber auch auf die speziellen Begebenheiten. «Nur draussen hört man das Knirschen des Kieses, wenn eine Kutsche angefahren kommt.»

Autor und Regisseurin sind sich einig: Das Stück soll auch in der Gegenwart wirken. Hatte doch Julie von May auch Sätze geschrieben, die heute noch gelten. Beispielsweise, wenn sie die Frauen aufrütteln wollte: «Wir schlafen auf dem Errungenen wie unsere Landwirthe und Aelpler auf den Lorbeeren ihres früheren Landbaus.»