Menziken
Frauen wehren sich gegen die Schliessung der Geburtenabteilung im Spital

Die Geburtenabteilung im Spital Menziken soll geschlossen werden. Im Spital geborene Frauen leisten nun Widerstand.

Melanie Eichenberger
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Graziana Haller mit Grosskind Sophia, Marina Döbeli mit Yann und Sascha, Monja Lüpold mit Damiano und Dario, Stephanie Pouchon mit Loris (v.l.).

Graziana Haller mit Grosskind Sophia, Marina Döbeli mit Yann und Sascha, Monja Lüpold mit Damiano und Dario, Stephanie Pouchon mit Loris (v.l.).

Melanie Eichenberger

Sechs Kinder, vier Frauen, drei Generationen, eine Meinung: Die Schliessung der Geburtenabteilung in Menziken darf nicht sein. «Ich will das nicht einfach so akzeptieren, irgendwie muss man doch noch etwas machen können», sagt Stephanie Pouchon (32) aus Leutwil. Dass die Abteilung nun geschlossen sei, mache sie traurig. So traurig, dass sie zusammen mit ihrer Schwester Monja Lüpold (29) am vergangenen Montag kurzerhand eine «Armee» von 80 Mamis, Papis, Grosseltern und Kindern mobilisierte, um sich von den Hebammen zu verabschieden (AZ vom 2.5.).

Mit dem Spital Menziken verbindet sie viele Emotionen: Sie hat dort ihre beiden Kinder Loris (3) und Sophia (8 Monate) zur Welt gebracht. Ihre Mutter, sie selbst, ihre Geschwister und auch ihre Neffen sind alle dort geboren. «Jedes Mal, wenn ich am Spital vorbeifahre, habe ich ein Grinsen im Gesicht», sagt sie. Dann denke sie an die bewegenden Momente, die sie auf der Geburtenabteilung vor, während und nach der Geburt erlebt habe.

Babys helfen bei der Genesung

Marina Döbeli (32) aus Reinach geht es wie Stephanie Pouchon. Sie sagt: «Die Geburtenabteilung ist wirklich wie die Seele des Spitals.» Döbeli hat ihre beiden Söhne Sascha (3) und Yann (3 Monate) in Menziken geboren. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes sei sie mit dem Neugeborenen zum Frühstück gegangen. «Viele ältere Patienten freuen sich sehr über Babys.» Graziana Haller (55) ist überzeugt: «Ein Spital mit Neugeborenen kann ein Stück weit zur Genesung von Kranken beitragen.»

Wohin in Zukunft?

Die fünffache Grossmutter und Mutter von Stephanie Pouchon und Monja Lüpold war bei den Geburten ihrer Grosskinder froh, dass das Spital so nahe ist. So konnte der Hütedienst einfach organisiert werden und sie konnte ihre Töchter mit den Enkeln, die sie hütete, besuchen. «Mit kleinen Kindern kann man ja nicht lange ins Spital», so konnte sie auch nur für 15 Minuten nach Menziken, so Haller, die in Beinwil am See wohnt.

«Sollte ich noch einmal schwanger werden, wohin soll ich dann?», fragt sich Stephanie Pouchon heute. Sie schätze die familiäre Atmosphäre in Menziken. «In Aarau ist es mir zu gross. Ich befürchte, dass man dort nur noch eine Nummer ist», sagt die 32-Jährige. «Und was passiert bei einer Geburt, die schnell geht?», so Pouchon.

«Menziken» fehlt das Marketing

Wie erklären sich die vier Frauen, dass die Geburtenzahlen in Menziken rückläufig waren? «Vielleicht weil das Spital Menziken nicht den allerbesten Ruf hat», sagt Monja Lüpold. Von wo der komme, könne sie sich jedoch nach den Geburten ihrer drei Söhne in Menziken nicht erklären. «Ich habe immer gute Erfahrungen gemacht.» Ihre Schwester Stephanie ergänzt: «Menziken hat ja auch nie kommuniziert, was sie eigentlich alles anbieten auf der Geburtenabteilung.» Sogar Hypnobirthing und Wassergeburten seien möglich gewesen. Und die Familienzimmer, die es gebe, seien viel günstiger als beispielsweise in Aarau. Die umliegenden Spitäler seien wohl viel moderner und machten mehr Werbung für ihre Geburtenabteilung. «Das Spital Menziken war ein bisschen wie ein Geburtshaus», fügt Marina Döbeli an.

Die vier Frauen wollen für die Geburtenabteilung in Menziken kämpfen. Und was sagen die Männer in ihrem Umfeld dazu? Es mache sie genauso betroffen, sagt Döbeli. «Aber so einen mega Aufstand würden sie wahrscheinlich nicht machen. Mein Bruder wird sagen, jetzt fehlt nur noch die Mistgabel», lacht Stephanie Pouchon.

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