Reinach

Fleissiger Nager: Biber-Damm bedroht WSB-Überführung

Ausgerechnet dort, wo die Wynental- und Suhrentalbahn über den Brüggelkanal fährt, hat der geschützte Nager seinen Damm gebaut.

Es fehlt nicht mehr viel, dann passt der Brüggelmooskanal nicht mehr unter der WSB-Überführung durch. Der Pegelstand des kleinen Wyna-Seitenarms im Reinacher Unterdorf ist gefährlich hoch. Schuld sind nicht allein die Niederschläge der letzten Tage, sondern ein Biber, der just diesen Bachabschnitt zu seiner neuen Heimat erklärt hat. Wenige Meter unterhalb der WSB-Brücke hat der Nager einen gut anderthalb Meter hohen Damm aus Ästen gebaut – und der ist erstaunlich dicht. Das Gewässer staut sich bereits auf mindestens 200 Metern Länge zurück.

Es ist acht Uhr früh, Ortstermin mit zwei Kantonsvertretern: Hans Döbeli von der Jagdverwaltung und Hanspeter Lüem von der Abteilung Landschaft und Gewässer machen sich heute vor Ort ein Bild von der Situation. Man muss etwas tun, da sind sich der Biber- und der Gewässerspezialist einig. Denn wenn das nächste Hochwasser kommt, kann die Situation schnell prekär werden. Schliesslich will man keine Überflutung der WSB-Gleise riskieren.

Nur, so leicht geht das nicht. Ein Biberdamm darf von Gesetzes wegen nicht einfach entfernt werden. Erst recht nicht, wenn es sich um einen sogenannten Hauptdamm handelt. «Der Hauptdamm ist die Grundlage für einen Biber-Lebensraum», erklärt Hans Döbeli. Der Nager staut sich den Gewässerabschnitt auf, einerseits um besser an Nahrung heranzukommen und andererseits, um in der Uferböschung sichere Höhlen mit Unterwasserzugang anlegen zu können. Der Biber war fast ausgestorben. Er wurde wieder angesiedelt. Heute gibt es im Aargau schätzungsweise wieder 300 Tiere.

Wahrscheinlich ein Einzeltier

In einem ersten Schritt muss nun beurteilt werden, ob es sich bei dem Damm tatsächlich, wie beim ersten Augenschein vermutet, um einen Hauptdamm handelt. Hans Döbeli geht im Moment vom Werk eines Einzeltiers aus. «Das ist aber nicht einfach zu beurteilen», sagt er. Dafür brauche es eine längere Beobachtungszeit und selbst dann sei die aktuelle Biberzahl schwer abzuschätzen. Ein Dutzend dürften es im Oberwynental im Moment sein, schätzt der Gewässerbeauftragte Hanspeter Lüem. Alle fünf Jahre führt die Jagdverwaltung eine Erhebung im ganzen Kanton durch. Dieses Bibermonitoring steht diesen Winter wieder an. «Im März wissen wir mehr», sagt Hans Döbeli.

Aufwändiges Bibermanagement

Zurück zum Biberdamm in der Reinacher Eien. Bleibt der Damm bestehen, was wahrscheinlich ist, müssen Massnahmen zur Regulierung des Wasserstandes getroffen werden. Will heissen, der Mensch ist um einen Überlauf für den Damm besorgt, damit der Rückstau unter Kontrolle bleibt. Das kann mittels eingelegter Rohre geschehen, oder eine Seite des Baus wird mit einem Elektrozaun vor weiterer Bautätigkeit geschützt. Nur, solche Massnahmen brauchen eine regelmässige Überwachung. Schliesslich hat Baumeister Biber seinen Namen nicht umsonst.

Hat er das menschgemachte Leck, das Rohr, erst entdeckt, wird es wieder verstopft. «Diese Tiere sind wirklich erstaunlich», sagt Hanspeter Lüem. Und sie halten die Kantonsangestellten ganz schön auf Trab. Die Jagdverwaltung betreibt einen grossen Aufwand für den Biber. Dazu gehört allerdings auch viel administrative Arbeit, die das Management des geschützten Wildtiers mit sich bringt.

Ist keine Infrastruktur dringlich gefährdet, soll sich der Biber entlang der Bäche ausbreiten können. Daum ist unter anderem Hanspeter Lüem als Gewässerbeauftragter besorgt. Doch selbst im Offenland geht das nicht immer konfliktfrei. Zum Beispiel dann nicht, wenn der Nager von der Böschung her das Landwirtschaftsland untergräbt. Im Reinacher Moos kam es deswegen im Frühjahr 2015 zu einer grossflächigen Überflutung eines Maisfelds (die AZ berichtete). In Gontenschwil, wo sich im Raum ARA ebenfalls Biber angesiedelt haben, plant der Gewässerbeauftragte jetzt deren Lebensraum mit einem Holzzaun schützen.

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