Menziken
Fix und Foxi kommen neu aus dem Wynental

Laurent Gachnang (27) ist der Mann der Stunde. Zumindest in der Buchbranche. Er hat das Wissen, nach dem alle Verleger gieren: Wie digitalisiert man Bücher, vertreibt sie und macht damit erst noch Geld?

Aline Wüst
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Laurent Gachnang hat das «Fix und Foxi»-Heft auch auf dem iPad. WUA

Laurent Gachnang hat das «Fix und Foxi»-Heft auch auf dem iPad. WUA

Gachnang ist nicht allein. Das Wissen um die E-Books vermittelt er der Branche zusammen mit seinem Zwillingsbruder Thierry.

Dass die Brüder es ernst meinen mit dem Digitalisieren von Büchern, bewiesen sie bei der Gründung des Digitus-Verlags mit Sitz in Menziken, wo sie auch wohnen. Seit zwei Monaten vertreiben sie die Comicklassiker «Fix und Foxi» – selbstverständlich in digitaler Form. Darauf gestossen sind sie zufällig. Lustig ist, dass die Comicfüchse ebenfalls Zwillinge sind und in ihren Abenteuern ebenso engagiert auftreten wie ihre Verleger. Und wie bei den Comicfüchsen ist auch bei den Menzikern Zwillingen der eine eher bedächtig, während der andere lieber in der Öffentlichkeit steht. Fünf digitale «Fix und Foxi» sind bereits auf dem Markt. Fünf weitere Geschichten sind bald erhältlich. Rund 500 Mal wurde bisher auf den «Kaufen»-Button geklickt.

Die Zwillinge sind gefragt

Die Nachfrage nach digitalen Büchern ist im Verhältnis noch klein. Aber sie wächst. Und Gachnangs sind mittendrin, haben den Überblick. Im Auftrag des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands (SBVV) erteilen sie Kurse wie «E-Books Business im Buchverlag». Die Kurse sind schnell ausgebucht. Während Thierry Gachnang vor allem für die technische Umsetzung verantwortlich ist, reist sein Bruder Laurent in der Schweiz umher und erklärt den Verlegern, wie das funktioniert mit den E-Books. Besonders gern hat man diese digitalen Bücher nämlich noch nicht, wie Erwin Künzli, Verleger des Zürcher Limmat-Verlags, sagt. Gachnangs sorgen dafür, dass sich das ändert. Nicht selten wird der Vertrag zur Digitalisierung einiger Titel des gedruckten Programms gleich am Tisch besiegelt – mit Handschlag. Wie bei Emil Steinberger und seiner Frau Niccel, die ihre Bücher ebenfalls elektronisch anbieten. Steinbergers sind begeistert von Laurent Gachnang. Sie beschreiben ihn als perfekten Macher, der die Gedanken eines Verlages entgegennehme, Vorschläge mache und die nötigen Prozesse in Gang setzte. «Alles ganz schmerzlos. Man kann nur staunen», sagen die beiden auf Anfrage.

Die nackte Frau

Geschäftsmänner in Laurent Gachnangs Alter und mit seinem Erfolg werden als smart bezeichnet. Gachnang passt nicht richtig in dieses Schema. Antwortet er doch auf die Frage, weshalb er Bücher digitalisiert: «Ich folge meinem Herz.» Bei den an Heiligabend geborenen Zwillingen tönt erfolgreich sein so einfach. Und es beschleicht einen das Gefühl, die beiden seien nicht nur Weihnachts-, sondern auch Sonntagskinder: Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, gute Familie, abgeschlossenes Studium, Freundin und erfolgreiche Start-up-Unternehmer.

Vielleicht ist es auch anders. Vielleicht können die beiden nur müheloser als andere wieder aufstehen, wenn sie auf die Schnauze gefallen sind. Wie damals, als sie den Club Wilhelm in Luzern übernahmen. Pompös eröffnet mussten sie wenig später wegen zu wenig Umsatz wieder schliessen. Kurz vor dem Ende schickten die Brüder zu Werbezwecken und aus «purer Verzweiflung», wie Gachnang heute sagt, ein Pornosternchen nackt durch Luzern und erregten viel mediale Aufmerksamkeit. Das ist Gachnang heute unangenehm. Ihm ist wohler mit «Fix und Foxi»-Geschichten als mit der Geschichte von der nackten Frau.

Heute loben ihn seine Geschäftspartner: «Es ist super, dass sich einer in diesem Business so gut auskennt», sagt Erwin Künzli vom Limmat-Verlag. Susanne Weibel, die ihn für die Kurse beim SBVV bucht, glaubt nicht, dass er der Einzige ist, der sich damit auskennt. «Aber warum soll ich einen anderen suchen, wenn ich mit ihm einen super Referenten habe?» Für den Erfolg arbeiten sie hart. Laurent Gachnang sagt: «Sieben Tage, zwölf Stunden.» So ists wohl, als Mann der Stunde.

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