Menziken

FDP-Hoffnung für einen Frauensitz: Karin Faes will gleich im ersten Versuch in den Grossen Rat

Zum ersten Mal tritt die FDP-Frau Karin Faes für den Grossen Rat an – und will gleich Renate Gautschy beerben. Die Bauunternehmerin macht sich unter anderem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark.

Zum ersten Mal tritt die FDP-Frau Karin Faes für den Grossen Rat an – und will gleich Renate Gautschy beerben. Die Bauunternehmerin macht sich unter anderem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark.

Zum ersten Mal tritt die FDP-Frau Karin Faes für den Grossen Rat an – und will gleich Renate Gautschy beerben. Die Bauunternehmerin macht sich unter anderem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark.

Einen Sitz hat die FDP Kulm im Grossen Rat. Nachdem dessen Inhaberin Renate Gautschy nicht mehr zur Wahl antritt, hofft der neue Listenerste, Adrian Meier (30) aus Menziken, sie beerben zu können. Die Schöftlerin Karin Faes erscheint erst auf dem sechsten Platz. Eine reine Vorstellungsrunde also? Damit die 50-Jährige bei ihrer erstmaligen Bewerbung um ein Amt eine Wahlkampfdauer lang auf dem politischen Parkett auftreten kann? «Nicht unbedingt», sagt sie. «Wir möchten unseren zweiten Sitz, den wir vor vier Jahren verloren haben, zurückerobern.» Die SVP hat ihnen diesen damals weggeschnappt. Und obwohl da noch vier weitere Kandidaten vor ihr auf der Liste stehen, rechnet sich Karin Faes Chancen aus.

Grund dazu hat sie, denn beidseitig des Böhlerpasses ist sie kein unbeschriebenes Blatt. Seit 2013 ist die Bauunternehmerin als Vertretung der Wirtschaft im Vorstand des Regional­planungsverbandes Aargausüd und arbeitet dort mit Gemeinde­rätinnen von 13 Gemeinden aus dem Wynen-, Suhren- und Seetal zusammen. 2014 hat sie im Verband das Präsidium der Kommission Gesundheit und Soziales übernommen und macht sich als solche stark für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ist das nach Inkrafttreten des neuen Kinderbetreuungs­gesetztes überhaupt noch nötig? «Als die Gemeinden die Bedarfsumfragen machten, wurden meist junge Eltern gefragt, ob sie momentan einen Betreuungsplatz bräuchten. Viele von ihnen sagten Nein, weil sie sich inzwischen mit Teilzeitarbeit und Einsatz der Grosseltern arrangiert hatten.» Aber die Gemeinden sind nicht der einzige Akteur, an den Karin Faes appelliert. Auch die Wirtschaft ist Adressat der FDP-Frau. Das Bauunternehmen Gebrüder Faes AG in Oberkulm, das sie zusammen mit ihrem Mann führt, soll mit gutem Beispiel vorangehen. So können ihre Bauführer im 80-Prozent-Pensum arbeiten, das würden gerade Familienväter schätzen, vor allem, weil es Teilzeitarbeit für Männer in der Branche praktisch nicht gäbe.

Bei Energiegesetz nicht auf Parteilinie

Aus demselben Ansporn hatte sie 2011 in Oberkulm die Kita Sunneschii gegründet, die vor ein paar Jahren in neue Räume nach Schöftland gezogen ist: «Wir übernahmen das Geschäft von meinen Schwiegereltern, just als sich unser Nachzüglerkind ankündigte. Ich erfuhr, dass Oberkulm noch keine Kita hat, also gründete ich eine.» Auch nach den Kita-Tagen ihrer Tochter führt sie den Sunneschii ­weiter. Die Firma ist weiterhin Trägerin.

Ebenfalls Vorstandsmitglied ist sie im Hauseigentümerverband (HEV) Aarau und Kulm. In dieser Rolle ist sie im überparteilichen Nein-Komitee zum Energiegesetz. Wie reagierte da die FDP, die die Vorlage unterstützt? Die FDP habe schon immer verschiedene Meinungen zugelassen, sagt sie diplomatisch. «Für mich ist das Gesetz einfach nicht fertig gedacht. Es greift in die Eigentumsfreiheit ein und führt mit dem Zwang unweigerlich zu höheren Mieten.» Mit dem «Zwang» spricht sie die Pflicht an, zehn Prozent des Energiebedarfs einer neu eingebauten Heizung mit erneuerbarer Energie zu decken.

Bei einer Wahl müsste sie etwas abgeben

Weshalb will sie mit 50 Jahren und mit all ihren Engagements nun in den Grossen Rat? Neu sei der Gedanke nicht. «Weil ich im Bezirk sehr gut vernetzt bin, bekomme ich nicht nur mit, was die Leute bewegt, sondern kenne auch Schlüsselpersonen», sagt Karin Faes. Bewegen, das weiss sie, tut die Wynentaler etwa das Thema Böhlerknoten.

Sie ist Mitglied der zum Mediationszweck eingesetzten Spurgruppe (als Aargausüd-Dele­gierte). Zu einem früheren Zeitpunkt zu kandidieren, sei für sie nicht in Frage gekommen – ihre Tochter sei noch zu klein gewesen. Den entscheidenden Schupf habe aber der Rücktritt von Renate Gautschy gegeben: «Ohne sie wird keine einzige Frau den Bezirk mehr vertreten.» Zudem sei es wichtig, dass jemand aus dem Gewerbe in den Grossen Rat einziehe. Dieses sei momentan unter FDP-Grossräten untervertreten.

Angst haben, dass Karin Faes im Fall einer Wahl, unter all ihren Aufgaben erdrückt wird, muss man nicht. Käme etwas dazu, würde woanders reduziert. Wo, das überlegt sie sich, wenn sie Renate Gautschy tatsächlich beerben kann.

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