Der FC Muhen kam früh in Ballbesitz. Kaum hatte der Schweizerische Fussballverband 2006 verkündet, dass alle Fussballvereine ihre Spielfelder den Verbands-Massen anzupassen haben, machte er sich an die Planung. 100 auf 57 Meter ist sein Hauptspielfeld gross, 100 auf 64 Meter schreibt der Verband ab der Saison 2019/20 vor für Clubs, die 2. bis 5. Liga spielen wollen. Hinzu kommen je drei Meter Sicherheitsabstand, die auf Druck des Bundesamts für Unfallverhütung neu ebenfalls verbindlich sind.

Die Gemeinde unterstützte das Projekt, die Planung kam voran. Bald jedoch sollte den Müheler Fussballern das Terrain zu schaffen machen: Erst musste der Prozess der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) durch sein, bevor der Fussballplatz in den gegenüberliegenden Acker gezogen werden konnte. Für den FC hiess das: zurück auf die Bank und warten bis zum erneuten Anpfiff. Der ertönte im Herbst 2017, als die von der Sommergmeind abgesegnete BNO rechtsgültig wurde. Die Spieler und Spielerinnen machten sich für die Endrunde topfit: Sie sensibilisierten ihr Umfeld, erstellten Flyer und warben in den sozialen Medien für ein Ja zum 3,8-Millionen-Franken-Projekt und erschienen zahlreich an der Gemeindeversammlung vom 23. November. Mit Erfolg: Die Verteidigung des Gegners war chancenlos an diesem Abend, die Gmeind sagte Ja – Goal!

Dass die Gegenmannschaft kurz danach zum Gegenangriff blasen würde, damit hatte der FCM nicht gerechnet. Das Referendumskomitee um Irene und Urs Fäh brachte mit 600 Unterschriften (543 wären nötig gewesen) das Referendum zustande. Nun stimmt Muhen am 10. Februar an der Urne über sein Fussballfeld ab. Es steht 1 zu 1.

Neuer Rasen sei nachhaltiger

Mit 2 zu 1, das haben sich FCM-Präsident Chris Stecher und seine Fussballer fest vorgenommen, wollen sie vom Feld gehen. «Wir waren überrascht, als wir hörten, dass für ein Referendum Stimmen gesammelt werden», sagt Stecher. «Im Vorfeld zur Gmeind hatten wir keinen sehr grossen Widerstand in der Bevölkerung gespürt und es kamen auch wenige Leute mit Fragen auf uns zu.» Das Ja an der Gemeindeversammlung fiel grossmehrheitlich aus. Viele Müheler, die auf den Referendumsbögen unterschrieben hatten, nahmen demnach die erste Möglichkeit, über das Fussballfeld zu bestimmen, nicht wahr.

Doch das ist es nicht, was Chris Stecher und FCM-Trainerin Martina Hauri am meisten wurmt. Es sind die beiden Themen, die im Rahmen der Referendumsabstimmung am heissesten diskutiert werden. Erstens wird der Kunstrasen als umweltschädlich kritisiert. Durch die Abnützung entsteht Mikroplastik, der dann in die Gewässer gelangen kann.

Zweitens empfindet man die 3,8 Millionen Franken überrissen, vor allem, weil Muhen sich mit dem 23 Millionen teuren Schulhausneubau bereits stark verschuldet. Ursprünglich war die Spielfeldvergrösserung vor dem Schulhausbau geplant und steht schon seit ein paar Jahren im Finanzplan. Wegen der BNO-bedingten Verzögerung wird der Fussballplatz nun finanzmässig vom Schulhaus überschattet.

«Man wirft uns vor, eine Luxusvariante anzustreben», sagt Stecher. Doch das stimme nicht. «Zwar kostet der Kunstrasen 800'000 Franken mehr als ein Naturrasen, er ist aber viel nachhaltiger und somit auf lange Sicht günstiger. Wir wollen nun mal keine Wegwerflösung.»

Der Jugend verpflichtet

Ein Kunstrasen halte weit über 30 Jahre, nur die oberste (grüne) Schicht müsse alle 15 Jahre gewechselt werden. Auf Kunstrasen könne das ganze Jahr und bei jeder Witterung gespielt werden. Auf dem Naturrasen könne man im Winter, bei Nässe oder Trockenheit nicht spielen. «Dies reduziert drastisch die Anzahl Spielstunden», so Stecher. «Als Verein mit vielen Mitgliedern sehen wir uns in der Pflicht, langfristig eine ganzjährige, moderne Infrastruktur zu bieten», sagt Martina Hauri, «und das vor allem für unsere Junioren, unseren Nachwuchs.» Wegen ihnen habe man das Projekt überhaupt angestrebt. «Die Buben und Mädchen treiben bei uns nicht nur Sport, als Trainerin fühle ich mich oft auch als ihre Jugendarbeiterin», so Hauri.

«Wenn wir keine Verbandsspiele mehr spielen können, nicht mehr im Wettbewerb mit den anderen Mannschaften stehen, wäre der Club in kürzester Zeit tot», sagt Stecher. Die Jungen würden für Plauschspiele nicht auf den Platz kommen. «Es ist das Gewinnen, das sie antreibt und weshalb sie bei uns sind.» Genauso verhalte es sich bei den Aktiven. Und ohne diese gäbe es keine Trainer und Funktionäre, welche die gemeinnützige Arbeit im Verein ausführten. Die Müheler 1a-Mannschaft, die aktuell in der 4. Liga spielt, möchte unbedingt wieder aufsteigen.

«Mit dem Spielfeld gewinnt ganz Muhen», sagt Stecher. Dies nicht nur, weil in der trainingsfreien Zeit jedermann auf den Platz darf (er gehört der Gemeinde), sondern vor allem, weil der Verein, der viel für Kinder und Jugendliche mache, am Leben gehalten werde. Auch damit, dass der Kunstrasen ein Umweltsünder ist, ist Stecher nicht ganz einverstanden. «Seit vor zehn Jahren Kunstrasen aufgekommen sind, hat sich die Technologie weiterentwickelt und verbessert.» Und: Ein Naturrasen werde mit Farbe und Unkrautvernichter bespritzt, regelmässig maschinell gemäht und im Sommer intensiv gewässert, was auch nicht ökologisch sei. Durch den unverfüllten Kunstrasen würden zudem 60 Tonnen Gummigranulat eingespart.