Kölliken
Familie Strähl verkauft ihr Strohdachhaus – aber nicht jeder Käufer kommt in Frage

Familie Strähl verkauft ihr Strohdachhaus schweren Herzens- Denn in einem über 200-jährigen Haus zu leben, sei einzigartig, schwärmen Pit und Tatjana Strähl. Als sie das Haus erstmals betraten, waren sie noch skeptisch gewesen.

Barbara Vogt
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Das Strohdachhaus in Kölliken aus allen Perspektiven
16 Bilder
Familie Strähl baute den Dachstock grosszügig aus.
Im Dachstock ist das Strohdach hinter Glas.
Die Räucherkammer aus Lehm im oberen Stock.
Der Kachelofen in der Stube wird noch beheizt.
Das Strohdachhaus von 1850 auf einem Foto
Die Lounge mit Aussenansicht
Die Laube
Die Galerie
Die Gartenlounge
Die Aussenansicht mit Garten
Die einzigartige Galerie
Der Essbereich mit Sicht zur Küche
Das Wohnzimmer mit Kachelofen
Das Esszimmer
Aussen Sonne 3

Das Strohdachhaus in Kölliken aus allen Perspektiven

Alex Spichale

«Bist Du von allen guten Geistern verlassen?», fragte Pit Strähl seine Mutter vor 13 Jahren, als sie ihn auf das Strohdachhaus hinwies. Damals stand das Gebäude zum Verkauf und Strähls Mutter hatte Interesse daran.

Jetzt wird es wieder verkauft: Pit Strähl und seine Frau Tatjana orientieren sich Richtung Zürich und ins Tessin. Der Schritt fällt dem Paar schwer. In einem über 200-jährigen Haus zu leben, sei einzigartig, schwärmen die beiden. «Es ist voller Geschichten und guter Seelen.»

Denkmalgeschütztes Haus

Das Strohdachhaus von Pit und Tatjana Strähl steht seit 1986 unter kantonalem Denkmalschutz. Seither wurde das Gebäude mehrmals umfassend saniert. Mit Schilf und Stroh gedeckte Objekte gebe es im Aargau nur noch acht, sagt Jonas Kallenbach, Bauberater bei der Denkmalpflege des Kantons Aargau. Die meisten seien nicht mehr bewohnt, sondern würden als Museum oder kulturell genutzt. Die Denkmalpflege ist bemüht, dass die Strohdachhäuser belebt sind. «Das Schlimmste ist, wenn die Häuser leer stehen und zerfallen», sagt Kallenbach. Aus diesem Grund versucht die Denkmalpflege Lösungen zu finden, die dem Schutzziel und den Bedürfnissen der Besitzer Rechnung tragen. Die Denkmalpflege unterstützt Sanierungsmassnahmen an Schutzobjekten finanziell. Bei der Neueindeckung eines Strohdaches übernimmt der Aargau 80 Prozent der Kosten. Laut Kallenbach muss ein Dach alle 40 bis 50 Jahre erneuert werden. (bA)

Als die Strähls das Strohdachhaus erstmals betraten, waren sie skeptisch. Obwohl hübsch saniert, stand es vier Jahre leer und war vernachlässigt. Doch hatte es Charme und das Paar war hin und weg. Vor dem Kauf kam es zu einem Kuhhandel zwischen den Strähls, der kantonalen Denkmalpflege, dem Architekten und der Bank: «Wir kauften das Haus mit der Bedingung, dass wir den Dachstock ausbauen dürfen», sagt er.

Der Kuhhandel wurde per Handschlag besiegelt, der Dachstock ausgebaut. Heute staunt der Besucher, so geräumig ist dieser. Hinter Glas sieht man die Dachuntersicht. Sie zeigt, mit welchen Materialen (Stroh und Schilf) und mit welcher Technik es einst gedeckt worden ist.

Verwechselt mit Dorfmuseum

Beim Betreten des Hauses versinkt der Besucher in die Vergangenheit: Er läuft über jahrhundertealte Eichendielen, riecht den Schinken, der einst im Kamin mitten in der putzigen Küche geräuchert wurde. In der ehemaligen Salzkammer muss man den Kopf einziehen, so niedrig ist der Raum. Nur das alte Plumpsklo fehlt. «Ein solches genehmigte uns die Denkmalpflege dann doch nicht», sagt Pit Strähl und lacht.

Sitzen Pit und Tatjana Strähl auf der Bank vor ihrem Haus, zieht das Paar neugierige Blicke auswärtiger Passanten auf sich. Oft wird es fotografiert. Einmal lief sogar eine Gruppe Besucher ins Haus und schaute sich um – sie wähnten sich im Dorfmuseum.

Das Strohdachhaus wird über das Immobilienunternehmen Engel & Völkers veräussert. «Ein Strohdachhaus verkauft man nicht alle Tage», sagt Berater Kevin Knörr. Ein altes Haus spreche weniger Interessenten an als ein Einfamilienhaus. Pit und Tatjana Strähl wählen die künftigen Besitzer mit Bedacht: «Sie sollen Geist und Herz des Haus erspüren können. Insbesondere sollen sie das Flair haben, Historisches mit Modernem zu verbinden.»