Die Nachfrage beim Freiwilligen-Fahrdienst «Mobil im Alter» (MiA) ist bemerkenswert: Im August 2010 wurde der Verein in Entfelden gegründet und führte im ersten Monat rund 40 Fahrten durch. Heute sind es 200 Fahrten pro Monat – die Nachfrage hat sich in vier Jahren verfünffacht. Mehr noch: Es blieb nicht nur beim Fahrdienst in Entfelden, sondern auf Anfrage der Gemeinde Suhr wurde auch dort ein Fahrdienst nach dem gleichen Schema gegründet.

Seit dem 1. Juli ist MiA nun auch in Muhen und Hirschthal unterwegs. Der Verein bietet Fahrten für alle Senioren und Personen mit einer Mobilitätseinschränkung an.

Marianne Leisibach, Leiterin der Koordinationsstellen von MiA, kennt die Gründe für den Boom: «Es gibt immer mehr ältere Leute und diese wollen so lange wie möglich im eigenen Haus wohnen bleiben.» Ein älteres Ehepaar, das den Fahrdienst schon länger nützt, erzählte ihr, dass sie ohne die Dienstleistung wohl schon im Altersheim wären.

Nicht nur bei einem Arzttermin

Fahrdienste gibt es verschiedene: Neben MiA auch Tixi oder der Fahrdienst des Roten Kreuzes. «Wir leisten den Fahrdienst nicht nur in medizinischen Fällen, sondern auch zum Einkaufen, für einen Friedhofbesuch oder einen Coiffeur-Termin», sagt Marianne Leisibach von MiA. Der Kunde hat jeweils eine Stunde Zeit, seine Arbeit zu erledigen, ohne dass zusätzliche Warte-Kosten anfallen.

Der Fahrdienst in Entfelden ist in fünf Zonen aufgeteilt: Für eine Fahrt innerhalb der Gemeinden Unterentfelden und Oberentfelden zahlt der Kunde sieben Franken – inklusive Rückfahrt und die sechzig Minuten Wartezeit. Eine Fahrt nach Aarau kostet zwölf Franken, nach Schöftland achtzehn Franken, auf die Barmelweid 25 Franken und nach Zofingen dreissig Franken. Mit diesen Preisen fahren die Kunden besonders auf kurzen Strecken viel günstiger als mit einem Taxi, was für Leisibach ein weiterer Grund für das grosse Interesse ist. Jedoch bietet MiA keinen Sofort-Service an: «Eine Fahrt muss grundsätzlich zwei Tage vorher abgemacht werden.»

In den Gemeinden Muhen und Hirschthal ist man zuversichtlich, dass sich der Fahrdienst ähnlich positiv entwickeln wird wie in Entfelden. «In Muhen haben wir schon fünfzehn freiwillige Fahrer gefunden», teilt der dortige Leiter Adolf Lüscher mit. Ausrücken mussten diese in den ersten zwei Wochen aber selten: «Es braucht eine gewisse Anlaufzeit, bis sich der Fahrdienst im Dorf herumgesprochen hat.»

Dachverein aller Fahrdienste?

Lüscher blickt schon vorwärts: «Safenwil hat an einem solchen Fahrdienst ebenfalls Interesse.» Marianne Leisibach bestätigt dies, sagt aber: «Wir brauchen jetzt auch mal eine Verschnaufpause.» Was aber klar scheint: Der Boom wird auch in den nächsten Jahren anhalten.

Auch bei den anderen Fahrdiensten im Aargau nimmt die Nachfrage stetig zu. Athena Kunz, Geschäftsleiterin von Tixi Aargau sagt: «Seit 2009 ist die Nachfrage markant gestiegen. Heute führen wir etwa 400 Fahrten pro Monat durch.» Ute Nagel, Verantwortliche für den Rotkreuz-Fahrdienst, spricht von einem «kontinuierlichen Wachstum von fünf Prozent pro Jahr». Beide Vereine stossen an Kapazitätsgrenzen und wünschen sich deshalb einen Dachverein, der die vielen kleinen Fahrdienste im Aargau vereinen würde. Damit könnten die freiwilligen Fahrer effizienter eingesetzt werden und alle Fahrdienst-Nutzer auf eine einheitliche Telefonnummer anrufen.