Feuerwehr Kölliken

Explosionen, Feuer und Blut: Dieser Schock-Film soll für Nachwuchs sorgen

Geht unter die Haut: Der Werbespot der Feuerwehr Kölliken.

Geht unter die Haut: Der Werbespot der Feuerwehr Kölliken.

Verletzte Kinder in Nahaufnahme neben einem explodierenden Auto: Der neue Werbespot der Feuerwehr Kölliken geht unter die Haut. Mit einer Hollywood-reifen Videoproduktion für exakt 4289 Franken will sie neue Mitglieder rekrutieren.

Telefon. «Eine Familie wurde angefahren», sagt eine aufgeregte Frauenstimme. «Der Fahrer ist bewusstlos und es raucht aus der Motorhaube. Kommen Sie schnell!» – «Gut, wir schicken jemanden», antwortet der Mann in der Feuerwehr-Kommandozentrale.

Schnitt. Erneut klingelt ein Telefon, dieses Mal in der Hosentasche eines Mannes, der in einer Metzgerei gerade einer Kundin ein Poulet verkaufen will. Er hebt ab und lauscht. «Chliine Moment, ich mues gschwind wäg», sagt er zur Kundin.

Was dann folgt, sind hochdramatische Szenen eines Einsatzes der Feuerwehr Kölliken an einem Unfallort, untermalt mit packender Musik. Sirenen, Explosionen, Feuer. Blut, verletzte Kinder in Nahaufnahme. Man wähnt sich in einem Hollywoodstreifen. Am Schluss nimmt der Film eine überraschende Wendung.

Welche das ist, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, wohl aber die Hauptbotschaft: Nicht jedes Feuerwehrmitglied kann im Notfall weg von der Arbeit. Deshalb braucht eine Feuerwehr eine gewisse Grösse, damit im Ernstfall auch genügend Personal verfügbar ist. «Wir können nur dann helfen, wenn wir Leute haben, die die Geräte bedienen können», sagt der Kölliker Feuerwehrkommandant Alexander Franz. Auch seine Mannschaft habe Nachwuchssorgen, wenn auch die Lage noch nicht prekär sei. Deshalb will man mit dem Film neue, junge Feuerwehrleute ansprechen.

Gut investierte 4289 Franken

Die Darsteller im Film sind allesamt Kölliker Feuerwehrleute oder deren Angehörige. Genau 4289 Franken hat die professionelle Produktion gekostet, finanziert von der Einwohnergemeinde.

Offenbar eine gute Investition: Der Film war erst wenige Stunden im Internet aufgeschaltet, als sich der erste Erfolg zeigte. Franz: «Ich erhielt einen Anruf von einem jungen Mann aus dem Dorf. Wir hatten ihn bereits früher angeschrieben und für die Feuerwehr gewinnen wollen, aber da hatte er noch kein Interesse. Nun sagte er, der Film habe ihm die Augen geöffnet – und er wolle jetzt gerne Feuerwehrdienst leisten.»

Reaktionen auf den Film hat auch Hauptdarsteller Markus Sandmeier erhalten. Er spricht von einem «Riesen-Hype», von unzähligen Textnachrichten und «vielen Gesprächen mit Kunden» – denn im richtigen Leben ist Sandmeier Inhaber der gleichnamigen Metzgerei, in der einige Filmszenen gedreht wurden. Als Mitglied der ersten Kommandogruppe der Feuerwehr Kölliken muss Sandmeier als einer der Ersten ausrücken, wenn etwas passiert.

Der Film sei also durchaus realistisch: «Es kommt ab und zu vor, dass ich einen Alarm erhalte, während ich einen Kunden bediene – und dann muss ich losrennen», sagt Sandmeier. Wirkt er deshalb im Film so authentisch? Oder ist Sandmeier Mitglied einer Theatergruppe? «Nein, nein», sagt er und lacht. «Aber das Filmteam hat uns gut instruiert, sodass die Szenen nur ein- oder zweimal gedreht werden mussten, bis alles stimmte.»

Obwohl im Aargau für Frauen und Männer ab dem 20. Altersjahr bis zum 44. Altersjahr die Feuerwehrpflicht besteht, haben viele Feuerwehren Mühe, genügend Personal zu finden. Laut der Aargauischen Gebäudeversicherung bestehen dabei kaum Unterschiede zwischen ländlichen und urbanen Gemeinden.

In Gemeinden mit hoher Einwohnerzahl habe es zwar mehr potenzielle Feuerwehrleute, allerdings sei das Freizeitangebot und damit die Konkurrenz zur Feuerwehr entsprechend grösser.

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