Hund Enzo schien der Apéro zu gefallen. Jeden Krümel, der in der neuen Cafeteria des Altersheims «Falkenstein» zu Boden fiel, versuchte der 8-jährige Labrador zu erhaschen. Dass der Hund zur Neujahrsfeier eingeladen war, hatte guten Grund: Seit einem Jahr besucht er zusammen mit seiner Besitzerin Annette Heuberger die Bewohnenden des Altersheims Falkenstein. Bis anhin war der Dienst der ehemaligen Gemeindepräsidentin freiwillig. Nun ist die 58-Jährige offiziell im Altersheim angestellt – als Kümmerin.

«In Unternehmen gibt es den Begriff des ‹Kümmerers› schon länger», sagte Ursula Gnädinger, Geschäftsleiterin des «Falkenstein». Er bezeichne eine Person, die Aufgaben übernimmt, die im Arbeitsalltag sonst zwischen die Maschen fallen oder zu kurz kommen. In einer Wohn- und Pflegeresidenz bedeutet das, sich für die Bewohnenden Zeit zu nehmen und ihnen zu zuhören. «Die Pflege muss immer mehr andere Aufgaben übernehmen. Gerade zum Beispiel im administrativen Bereich», sagte Ursula Gnädinger. Für intensive Gespräche bleibe zu wenig Zeit.

Zeit spenden als Job

Seit sie Ende 2017 von ihrem Amt als Gemeindepräsidentin zurückgetreten ist, nimmt sich Annette Heuberger diese Zeit. Jeweils am Montag besucht sie die verschiedenen Abteilungen im Heim Falkenstein und macht Zimmerbesuche. Besonders bei den Bewohnenden, die etwas bedrückt, die mit den anderen Freizeitaktivitäten wenig anfangen können oder deren Angehörigen nur selten zu Besuch sind. «Es gab unzählige schöne Begegnungen im vergangenen Jahr», sagte Annette Heuberger. Einige Bewohner würden sich die ganze Woche auf den Besuch freuen.

Alle Zimmer besetzt

Im Gesundheitswesen kennt sich Annette Heuberger aus. Vor ihren 12 Jahren als Menziker Ammann (16 Jahre im Gemeinderat insgesamt), war sie 22 Jahre lang als Pflegefachfrau im Spital Menziken tätig. Seit vergangenem Sommer ist sie im Vorstand des Spitalvereins Wynen- und Seetal. Durch ihre Besuche mit Hund Enzo habe sie gemerkt, dass es ihr noch immer liege, auf Menschen zu zugehen, ihnen zuzuhören und sich um sie zu kümmern. «Ich überlege mir, meinen jüngeren Hund zum Therapiehund auszubilden», sagte die 58-Jährige.

Am Neujahrsapéro für Bewohnende und ihre Angehörigen übergab Geschäftsleiterin Ursula Gnädinger Annette Heuberger ihr offizielles Namensschild. Davor liess sie vor den rund 120 Bewohnern und Gästen das vergangene Jahr Revue passieren. Ende 2017 wurde im Falkenstein der Neubau mit 32 Zimmern eröffnet. «Seit August 2018 sind die insgesamt 90 Einzelzimmer alle besetzt», sagte Ursula Gnädinger. Die Tagesstätte habe sich etabliert und sei gefragt. Auch die 16 Zimmer der Demenzstation sind besetzt.

«Wir haben nicht damit gerechnet, dass bereits im August kein Zimmer mehr frei ist», sagte die Geschäftsleiterin. Im Moment gebe es eine Warteliste. Doch das könne jeweils rasch ändern, sagte Ursula Gnädinger. «Es kann sein, dass plötzlich drei, vier Zimmer frei sind.»