Herr Wullschleger, welche Strategie verfolgt die EWS Energie AG bei den erneuerbaren Energien?

Richard Wullschleger: Primär sehen wir die Beteiligung an Produktionsanlagen. Für uns stehen da Wasserkraft oder Solarenergie im Fokus. Die Geothermie ist noch nicht reif, da fehlen selbst noch Pilotanlagen.

Setzen Sie bei der Solarenergie auf Photovoltaik?

Ja, eine Anlage betreiben wir ja bereits auf unserem Dach. Drei weitere Anlagen, die wir betreiben werden, haben wir in diesen Tagen bewilligt.

Das sind doch marginale Beiträge.

Ja, das ist relativ wenig. Möglichkeiten, bei der Wasserkraft einzusteigen, gibt es nur, wenn es zu einer Konzessionserneuerung kommt und wir uns bewerben können. Kleinwasserkraftwerke bei uns an der Wyna sind aus Effizienz- und Kostengründen kein Thema. Eine Teilhabe an einem Geothermie-Projekt könnte langfristig interessant werden. Aber das liegt noch in weiter Ferne.

Und Blockheizkraftwerke?

Die Stromproduktion in Kombination mit Wärme wäre interessant, aber hier braucht es die Möglichkeit, ganze Siedlungen mit Wärme zu beliefern. Leider sind mit der Energiestrategie 2050 noch zu viele Punkte offen, die ein Planen erschweren.

Was wäre die zweite Option?

Das ist der Einkauf von Energie. Für die EWS Energie AG steht die Beschaffung in der Schweiz im Vordergrund. Beteiligungen an Windparkanlagen oder Solaranlagen im Ausland stehen für uns nicht zur Diskussion.

Sie unterstützen die Photovoltaik, aber in Deutschland haben sie bereits heute zu viel Solarstrom.

Stimmt, es gab Zeiten, da war in Deutschland der Strom gratis.

Wären da nicht Blockheizkraftwerke die ideale Ergänzung zur Photovoltaik?

Das wäre ideal, weil wir im Winter, wenn man heizt, auch die Stromspitzen haben und die Photovoltaik weniger bringt. Aber dezentrale, mit fossilen Brennstoffen betriebene Anlagen sind nicht überall gern gesehen.

Könnte die EWS auch Geld verdienen, indem sie Kunden beim Stromsparen unterstützt?

Die Marge beim Strom ist sehr gering. Aber wird haben bereits so ein Programm mit finanzieller Unterstützung beim Bau von Erdsonden.

Und ein Einsatz von Energiespar-Beratern?

Die Effizienzsteigerung bei den Kunden ist ein Thema, da überlegen wir uns, wählen wir den wir den Alleingang oder suchen wir die Zusammenarbeit mit andern Firmen.

Denken Sie an die Zusammenarbeit mit einer «Entschwendungsfirma»?

Das Projekt Schulhaus/Gemeindehaus Gontenschwil haben wir bereits gemeinsam mit der Enercontract AG, Reinach realisiert. Auch der Weg mit Smart Grid, mit intelligenten Netzen, führt sicher in die richtige Richtung.

Woran denken Sie konkret?

Der Wechsel von wenigen Grosskraftwerken, die den Strom produzieren, zu vielen kleinen Produktionsstätten wird kommen. Da braucht es dann eine intelligente Steuerung. Es kann immer nur so viel Strom ins Netz gespeist werden, wie gerade verbraucht wird. Also sind die Lieferanten und die Verbraucher zu steuern.

Kann die EWS die Versorgungssicherheit sicherstellen, wenn die Kernkraftwerke vom Netz gehen?

Die Versorgungssicherheit ist unsere Aufgabe. Und der Wechsel geschieht nicht von heute auf morgen. Es gibt bereits heute Projekte, welche mit einem Mix von Produzenten und Verbrauchern diesen Wechsel simulieren. Man sammelt Daten und Erfahrungen. Die EWS hat bereits zwei Notstromgeneratoren im Einsatz für Notfälle.

Glauben Sie persönlich, dass es ohne Atomstrom geht?

Es geht sicher, die Frage ist nur zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis. Und dabei spielt natürlich die Effizienzsteigerung eine ganz zentrale Rolle. Der Stromverbrauch in der Schweiz sollte auch bei zunehmender Bevölkerung nicht höher sein als heute.